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Mord in der Disko - Horrortrip durch Lothringen

Entsetzen in Dillingen nach blutiger Mordserie

Dillingen - Zwei Einschußlöcher klaffen in der verspiegelten Tür der Diskothek "Xanadu" in der Dillinger Kirchenstraße 1. Immer wieder bleiben Passanten stehen, betrachten die in weißen Schutzanzügen steckenden Spurensicherer der Polizei. Vor wenigen Stunden hat hier ein Blutbad seinen Anfang genommen, von dem die meisten geglaubt hätten, daß so etwas im ruhigen Saarland nie passieren könnte.

Fünf Menschen waren bis zum Sonntag abend gestorben, elf andere angeschossen, ein Mann hatte einen Schock erlitten, der mutmaßliche Täter Günter Hermann Ewen (36) immer noch auf seiner rücksichtslosen Flucht im deutsch-französischen Grenzgebiet.

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"Amerikanische Verhältnisse"

"Das sind ja amerikanische Verhältnisse", sagt eine Frau am Absperrband und schüttelt den Kopf. Bis Sonntag morgen um 4.40 Uhr war es aber noch ganz normales Nachtleben in der Kleinstadt zwischen Saarlouis und Merzig. Die Wirte der Gegend hatten bei ihren "Dillinger Schnuppertagen" viele Besucher, die Kneipen in der kleinen Fußgängerzone waren gut besucht. Im "Xanadu" vergnügen sich die Jüngeren, "so zwischen 16 und 25". Die Diskothek hat bereits mehrfach den Besitzer gewechselt, von dunklen Geschäften ist zunächst nichts bekannt.

Am Sonntag morgen ist hier der 42 Jahre alte, deutsche Geschäftsführer erschossen worden, der 40 Jahre alte Kassierer erlag wenige Stunden später im Homburger Uni-Klinikum seinem Kopfschuß. Rücksichtslos schoß sich der Mörder mit zwei Waffen seinen Weg aus der Disko frei, verletzte dabei acht Gäste, und eilte zu seinen nächsten Opfern. Das französisch-britische Ehepaar Robert (41) und Joey Fisne (37) lebte mit seiner elfjährigen Tochter in einem gepflegten Wohnblock in der Scharnhorststraße, rund einen Kilometer von der Diskothek entfernt.

Über die Grenze geflohen

Auch hier geht der mörderische Pistolenschütze äußert brutal vor: Der Franzose und seine aus Jamaika stammende, farbige Ehefrau sterben, die Tochter kommt nur mit Glück mit dem Leben davon. Mit einem nicht lebensgefährlichen Schußverletzung im Gesicht wird sie ins Krankenhaus gebracht. Der Täter flüchtet über die Grenze ins französische Lothringen, wo er etwa eine Stunde später einen 39 Jahre alten Familienvater in dessen Haus erschießt.

Doch der Horror-Trip durch Lothringen ist längst noch nicht zu Ende. Wahllos ballert Ewen auf vorbeifahrende Autos, verletzt zwei weitere Passanten. Mit einem gekaperten Renault verursacht der mehrfach wegen Gewalttaten vorbestrafte Ewen einen Unfall, verletzt sich vermutlich und läßt eine seiner Waffen liegen. Seine Spur verliert sich in einer ausgedienten Polizei-Kaserne im lothringischen Sierck-les-Bains, wo die Polizei zwar sein bis dahin letztes Fluchtfahrzeug, nicht aber Ewen selbst findet.

Abrechnung im Rotlicht-Milieu?

Zu den möglichen Hintergründen der Mordserie will sich die Polizei in Saarbrücken bis in den Abend nicht äußern. Die ermordete Joey Fisne soll in einer Nachtbar gearbeitet haben, Spekulationen um eine Abrechnung im Rotlicht-Milieu blühen. Auf beiden Seiten der Grenzen hoffen die Beamten, daß dem Todesschützen nicht noch mehr Menschen zum Opfer fallen.

Christian Ebner, dpa; Foto: AP

Geändert am 16. Mai 1999 21:55 von jo
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