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Volksmusiker Ernst Mosch gestorben

Germaringen - Einer der beliebtesten Volksmusiker in Europa ist tot: Im Alter von 73 Jahren starb der Gründer und langjährige Leiter der "Original Egerländer Musikanten", Ernst Mosch. Der Musiker erlag bereits am vergangenen Samstag in seinem Haus in Germaringen im Allgäu einem Schwächeanfall, teilte eine Sprecherin seines Schallplattenverlages am Montag in München mit.

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Der gebürtige Egerländer war seit Jahren schwer zuckerkrank und litt unter extremem Bluthochdruck. Der Moderator der ARD-Sendung Musikantenstadl, Karl Moik, würdigte Mosch in einer ersten Reaktion als einen "der ganz wenigen Großen". Dies gelte "nicht nur, was die Musik anbelangt", sagte Moik der dpa. "Er war ein gefühlvoller Mensch, konnte gut mit dem Publikum umgehen und war ein Perfektionist."

Wenn Mosch in den großen Konzerthallen Europas und vor einem Millionenpublikum an den Fernsehschirmen mit vollem Körpereinsatz seine Mannen dirigierte, war die Begeisterung groß. Zu seinen Markenzeichen gehörten sein stets korrekt geschnittener Oberlippenbart und die rudernde Bewegung seiner Arme, wenn er seine Musiker zu Höchstleistungen anspornte.

Ernst Mosch wurde am 7. November 1925 im böhmischen Zwodau bei Falkenau an der Eger geboren. Schon als Achtjähriger spielte er in der dortigen Blaskapelle mit. Nach der Schule verordneten ihm seine Eltern zunächst eine Lehre, gaben jedoch bald seinem Drängen nach und ließen ihn auf die Musikschule nach Oelsnitz im Vogtland gehen. Während des Zweiten Weltkrieges war er Posaunist in einer Militärkapelle. Ende 1944 wurde Mosch - 19 Jahre jung - verwundet. Kurz vor Kriegsende setzte er sich nach Bayern ab. Der Freistaat, selbst ein Land mit großer Volksmusiktradition, wurde seine neue Heimat.

Begeisterter Jazz-Musiker

Nur wenigen Fans seines satten Blasorchester-Klanges ist bekannt, daß Ernst Mosch ein begeisterter Jazz-Musiker war und besonders die amerikanische Bigband-Musik liebte. Jazz-Legenden wie Count Basie gehörten zu seinen Vorbildern. In amerikanischen Casinos trat Mosch in den Nachkriegsjahren zunächst als Posaunist auf. Die nächsten Stationen waren das Hamburger Rundfunkorchester und das Südfunk- Tanzorchester in Stuttgart. Einen Auftritt beim Presseball 1955 in Bad Neuenahr nutzte er, mit böhmischen Klängen zum Tanz aufzuspielen. Damals wurde die Idee geboren, ein eigenes Blasorchester zu gründen. Am 21. April 1956 hatte er seinen ersten erfolgreichen Radio- Auftritt.

Mit den "Original Egerländer Musikanten" - die Kapelle wurde zum Synonym für böhmische Blasmusik - begann an jenem Tag eine über vier Jahrzehnte währende Erfolgskarriere. Mit seinem Repertoire, das von echter Volksmusik über volkstümliche Schlager bis hin zu Operettenmelodien reichte, riß er sein Publikum immer wieder zu Beifallsstürmen hin.

Mehr als 1.000 Konzerttourneen

Seine über 1.000 Konzerttourneen durch 42 Länder Europas und die USA glichen musikalischen Triumphzügen. Als bisher einziger Blasmusiker trat Mosch in der Carnegie Hall von New York auf. Er spielte über 40 Millionen Schallplatten, Musikkassetten und CD's ein. 1998 verabschiedete er sich mit einer Deutschland-Tournee von seinem Publikum. Sein letzter öffentlicher Auftritt war am 19. April vergangenen Jahres in München.

Zuletzt verließen den schwer zuckerkranken Musiker die Kräfte, obwohl er ein äußerst diszipliniertes Leben geführt hatte. Nur zwei Genüssen konnte er nicht widerstehen: einer guten Zigarre und einer eisgekühlten Cola. Er lebte das letzte Jahr zurückgezogen in seinem Haus in Germaringen, verwöhnt von seiner Familie, Ehefrau Lydia und den drei Töchtern Karin, Ellen und Brigitte. In einem seiner letzten Interviews sagte Mosch: "Ein Musiker setzt sich keinen Schlußpunkt. Das tut ein anderer." Beerdigt wird Mosch am kommenden Freitag (21. Mai) in seinem Heimatort.

dpa - Archivfoto: dpa

Geändert am 17. Mai 1999 16:49 von aj
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