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EU ordnet Vernichtung verdächtiger Hühnerprodukte an

Firmenchefs wegen Dioxin-Skandals inhaftiert

Brüssel/Bonn - Im Zusammenhang mit dem Skandal um Dioxin-verseuchtes Hühnerfutter hat die Europäische Union (EU) angeordnet, belgische Hühner, Hühnerprodukte und Eier vom Markt zu nehmen und zu vernichten.

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Die Maßnahme betrifft Produkte aus verdächtigen belgischen Betrieben aus dem Zeitraum zwischen dem 15. Januar und dem 1. Juni, wie EU-Agrarkommissar Franz Fischler am Mittwoch in Brüssel mitteilte. Das von Deutschland gewünschte Exportverbot für belgische Hühner, Eier und Derivate wurde jedoch abgelehnt. Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) erklärte in Bonn, sie unterstütze die EU-Entscheidung in vollem Umfang. Zugleich wurden in Belgien die beiden Chefs des als Urheber verdächtigten Futtermittelherstellers Verkest verhaftet.

Maßnahmen werder sofort umgesetzt

Vermarktungsverbot und Vernichtungsgebot wurden am Mittwoch vom Ständigen EU-Vererinärauschuß beschlossen und von der Kommission umgehend umgesetzt. Von der Entscheidung sind alle Produkte betroffen, die mehr als zwei Prozent Eieranteil enthalten. Dies betrifft unter anderem Mayonnaise, frische Nudeln und Fertigpuddings. Die Schweizer Behörden beschlossen derweil ein sofortiges Importverbot von belgischen Eiern. Betroffen sind nach Angaben des Veterinäramtes Eigelbe für die Verarbeitung in der Lebensmittelindustrie.

Schlachtverbot für Schweine angeordnet

Das belgische Gesundheitsministerium hat am Mittwoch wegen des Skandals um Dioxin-verseuchtes Tierfutter ein vorübergehendes Schlachtverbot für Schweine angeordnet. Das Ministerium in Brüssel geht davon aus, daß etwa 80 Tonnen des giftigen Fettes über Futtermittel in Umlauf gebracht wurden. Die Betreiber der Fettschmelze sind inzwischen in Haft.

Das Ministerium läßt prüfen, ob neben Geflügelproduzenten auch Schweinemäster mit dem gefährlichen Futtermittel beliefert wurden. Dioxin ist krebserregend. Schon geschlachtetes Schweinefleisch müsse auf Dioxinrückstände untersucht werden.

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Laut Fischler wurden Frankreich am 3. und die Niederlande am 12. Mai von den belgischen Behörden über das Dioxin-verseuchte Hühnerfutter informiert. Die EU-Kommission sei jedoch erst am 28. Mai informiert worden, fügte der EU-Agrarkommissar hinzu. Am Dienstag abend waren im Zusammenhang mit dem Skandal die belgischen Minister für Landwirtschaft und Gesundheit, Karel Pinxten und Marcel Colla, zurückgetreten. Ihnen war vorgeworfen worden, zu spät gehandelt zu haben.

Den beiden Chefs des Futtermittelherstellers Verkest werde Urkundenfälschung und Betrug zur Last gelegt, verlautete aus belgischen Justizkreisen. Das von ihnen an die Hühnerzüchter verkaufte Produkt soll nicht zu 100 Prozent aus tierischen Fetten bestanden haben, was aus den Rechnungen jedoch nicht ersichtlich gewesen sei. Mit dem Futter wurden seit Jahresbeginn belgische, französische, deutsche und niederländische Betriebe beliefert.

Ursache möglicherweise Mineralöl

Ursache für den Dioxinskandal sollen nach Presseberichten Spuren von Mineralöl sein, die bei der Herstellung in dem Betrieb in Flandern in das Tierfutter gelangten. Die Staatsanwaltschaft in Gent hatte am Montag mit Durchsuchungen und Verhören bei Verkest begonnen. Noch sei aber nicht abschließend geklärt, wie das Dioxin in das Geflügel und die Eier kam, hieß es aus Justizkreisen.

In Nordrhein-Westfalen tauchten nach Angaben des dortigen Umweltministeriums Produkte auf, die eine Art Beipackzettel enthalten, in denen die angebliche Unbedenklichkeit der Ware bescheinigt werde. Zwischenhändler und Verbraucher sollten den von belgischen Instituten erstellten Schreiben auf keinen Fall vertrauen, sagte Ministerin Bärbel Höhn (Grüne).

AFP, dpa; Fotos: AP, Reuters

Geändert am 2. Juni 1999 21:09 von jo
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