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Werder-Manager verläßt die Bundesliga-Bühne

Lemke kehrt in die Politik zurück

Bremen - Fußball-Seiteneinsteiger Willi Lemke verläßt die Bundesliga-Bühne und kehrt auf das politische Parkett zurück. "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Wenn ich nicht jetzt den Wechsel gemacht hätte, wäre ich beim SV Werder Bremen in Rente gegangen", sagte der langjährige Manager des DFB-Pokalsiegers.

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Nach 18 Jahren verliert die Bundesliga einen ihrer schillerndsten Darsteller. Lemke, seit 1971 SPD-Mitglied, wird künftig im Regierungs-Ensemble von Bremens Bürgermeister Henning Scherf als Bildungssenator tätig sein: "Das ist eine ganz große Herausforderung und es wird eine ganz schwere Kiste. Ich bin hochmotiviert und habe Lust, diesen Elfmeter zu verwandeln."

Der 52jährige Lemke, der vor seiner Zeit beim SV Werder als Geschäftsführer der Bremer SPD politische Erfahrungen gesammelt hatte, gibt zu einem für ihn günstigen Moment seinen Posten bei dem Verein auf. "Der SV Werder befindet sich in einer totalen Umstrukturierung. Der Pokalsieg vor zehn Tagen hat mir den Abschied erleichtert." Schon nach dem unerwarteten Endspielsieg gegen den FC Bayern München in Berlin hatte Lemke mit Scherf und Klubchef Franz Böhmert über eine Rückkehr in die Politik gesprochen. "Wir haben uns geeinigt. Ich bin sehr traurig. Lemkes Bilanz könnte gar nicht besser sein", bedauerte Böhmert den Verlust seines Angestellten.

Schauspiel zwischen "armen Bremern" und "reichen Bayern"

Lemke war am 11. November 1981 zum SV Werder gekommen. Otto Rehhagel war schon seit sieben Monaten dort Trainer. In der Ära Rehhagel/Lemke erlebte der Verein seine erfolgreichsten Jahre mit zwei deutschen Meistertitel (1988, 1993), zwei DFB-Pokalsiegen (1991, 1994) sowie dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1992.

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Rehhagels sportlichen Siege verwertete der umtriebige Manager in wirtschaftlichen Erfolg. Werder konnte Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre dem FC Bayern München Paroli bieten. Lemke kultivierte das Schauspiel zwischen den "armen Bremern" und den "reichen Bayern". Er und sein Münchner Kollege Uli Hoeneß lieferten sich mediengerechte Duelle.

Der Rehhagel-Schock

Umso mehr traf es Lemke, als Rehhagel 1995 zum FC Bayern ging. Der Hobby-Leichtathlet wirkte damals ausgelaugt und bot seinen Rücktritt an. Ein Jahr zuvor geriet er in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, daß er als Doppelagent für den sowjetischen Geheimdienst KGB und dem Hamburger Verfassungsschutz gearbeitet hatte. Beide Tiefpunkte überstand er unbeschadet. In der Nach-Rehhagel-Zeit war Lemke aber auch mitverantwortlich für Werders Sturz in die Mittelmäßigkeit durch Fehleinkäufe von Spielern und Mißgriffen bei der Auswahl der Trainer.

Lemke hinterläßt einen wirtschaftlich gesunden Verein. "Jeder Mensch kann ersetzt werden. Es wird aber in Zukunft beim SV Werder keinen klassischen Willi Lemke mehr geben", sagte er. Maßgeblich hat er mitgewirkt, daß der 100 Jahre alten Klub reformiert wird. Der Klub will am 30. Juni auf einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung eine neue Führungsstruktur beschließen und einen Aufsichtsrat wählen. Böhmert, der seinen Rücktritt angekündigt hat, schlug Lemke für einen der sieben Sitze im Aufsichtsrat vor. Der nahm das Angebot an.

Wird Klaus Allofs Sportdirektor?

Künftig wird es neben einem Manager für den Bereich Marketing auch einen Sportdirektor geben. Beide Stellen sind noch vakant. "Ich habe schon einen Nachfolger für Willi im Visier", sagte Böhmert, nannte aber keine Namen. Als Kandidat für den Posten des Sportdirektors wird noch immer Klaus Allofs gehandelt.

Bevor er sein Amt im Senat antreten kann, muß sich Lemke noch am 7. Juli in der konstituierenden Sitzung der Bürgerschaft zur Wahl stellen. Als seine politischen Ziele nannte Lemke: "Ich will motivieren und Frust abbauen."

Claas Hennig, dpa - Fotos: AP

Geändert am 21. Juni 1999 13:36 von sle
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