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  • Ende der Gewitter und Regenfälle in Sicht
  • Erneute Unwetter-Nacht in Deutschland

    Millionenschäden durch Hagel, Sturm und Regen - Ein Toter

    Erneut haben heftige Sommer-Unwetter in Deutschland zugeschlagen. Regenmassen, kräftige Windböen und Hagelschauer verursachten in der Nacht zum Dienstag wieder Millionenschäden in weiten Teilen des Landes. Besonders betroffen waren diesmal Bayern, Berlin und das Erzgebirge. Ein Mann starb, zahlreiche Menschen wurden verletzt. Wegen umgestürzter Bäume mußten erneut Bahnstrecken und Straßen gesperrt werden. Mehrere Menschen flohen aus ihren einsturzgefährdeten Häusern.

    Besonders tragisch endete der Ausflug eines Mannes in sein Wochenendhaus im Mittleren Erzgebirgskreis: Der 60jährige stand auf der Terrasse, als sich von einem nahegelegenen Hang ein Sturzbach löste und ihn etwa 250 Meter weit mitriß. Der Mann erlitt einen Herzschlag. Die Feuerwehr konnte ihn nur noch tot bergen. Binnen kurzer Zeit waren 100 Liter Regen je Quadratmeter in der Region gefallen. 16 Menschen verloren durch die Wassermassen ihr Zuhause. Ihre Häuser wurden derart stark von den Regenmassen unterspült, daß Einsturzgefahr bestand. Die Geretteten wurden vom Deutschen Roten Kreuz versorgt und sollten in Notunterkünften untergebracht werden.

    Nach Angaben des Landratsamtes Marienberg waren rund 120 Helfer der Bundeswehr und des Bundesgrenzschutzes während der gesamten Nacht im Erzgebirge im Einsatz. Sie errichteten eine Hilfsbrücke über den Fluß Pockau, der über die Ufer getreten war und mehrere Autos in die Fluten gerissen hatte.

    Blitze lehrten Bayern das Fürchten

    Blitze lehrten die Menschen in Bayern das Fürchten: So brannten mehrere landwirtschaftliche Anwesen in der Oberpfalz und in Oberfranken nieder. Eine Polizeidienststelle und eine Lagerhalle im Landkreis Wunsiedel sowie ein Brauerei-Gebäude im Landkreis Hof wurden ebenfalls Opfer der Flammen.

    Auch der Verkehr in Süddeutschland wurde durch die heftigen Gewitter stark beeinträchtigt. Die ICE-Strecke Nürnberg-Regensburg mußte für drei Stunden gesperrt werden, nachdem ein umgestürzter Baum die Oberleitung auf einer Länge von 400 Metern niedergerissen und eine Lok beschädigt hatte. Auf regennassen Straßen, wie etwa der Autobahn 9, kam es zu Unfällen mit Verletzten. Hagelkörner in der Größe von Markstücken gingen im Allgäu bei Pfronten-Ried nieder. Am Dienstag hatte sich die Lage wieder entspannt.

    Westen weitgehend verschont

    In Frankfurt an der Oder hatte das nächtliche Unwetter dagegen noch ein Nachspiel am Morgen. Blitze waren in Ampelanlagen und die Stromversorgung der Straßenbahn eingeschlagen. Die Folge: stundenlange Verspätungen im Berufsverkehr. Nachdem Schulkinder am Montag bei 36 Grad Hitzefrei bekommen hatten, konnten sie am Dienstag "Wasserfrei" genießen. In Berlin traf es vor allem die Bezirke Zehlendorf und Charlottenburg. Die Feuerwehr rief hier für vier Stunden den Ausnahmezustand aus. Der Westen wurde in der zweiten Unwetter-Nacht weitgehend verschont. Einzig im Saarland führten erneute starke Regengüsse zu Störungen im Telefonnetz und Verkehrsbehinderungen.

    Nach den heftigen Stürmen in der Nacht zum Montag waren die Menschen am Niederrhein am Dienstag noch mit Aufräumen beschäftigt. Besonders schlimm hatten Gewitter in den Kreisen Viersen und Wesel gewütet. Die Städte Kempen und Kamp-Lintfort waren auch gut 24 Stunden danach teilweise noch ohne Strom. Landwirte, Hausbesitzer und Kommunen begannen mit der Auflistung der Schäden, die in die Millionen gehen dürften. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Rheinland müssen einzelne Getreide-Bauern mit Ertragseinbußen von mehreren Zehntausend Mark rechnen.

    Hagelkörner groß wie Hühnereier

    Auch die Eidgenossen hatten unter der stürmisch-nassen Sommernacht zu leiden. Im Kanton Freiburg erreichten Hagelkörner fast die Größe von Hühnereiern. Schweizer Versicherungsgesellschaften schätzen die Schäden am Dienstag auf sieben Millionen Franken (umgerechnet 8,5 Millionen Mark) in der Landwirtschaft und mindestens zehn Millionen Franken (zwölf Millionen Mark) an Gebäuden.

    dpa - Fotos: Reuters, dpa

    Angelegt am 6. Juli 1999 14:36 von aj