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Lilith Fair sammelt Frauen auf und vor der Bühne

Musik-Ladies machen Party

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Sarah McLachlan (r) und Heather Nova

Alles begann mit Frust: Sängerin Sarah McLachlan ärgerte sich über die Behauptung von Veranstaltern, Auftritte von Frauen würden weniger Publikum anziehen als Konzerte mit männlichen Stars.

Inzwischen geht das Musikerinnenfestivals Lilith Fair in den dritten Sommer - allein im letzten Jahr kamen mehr als 800.000 Fans in die Arenen - besonders Frauen. Damit entwickelte sich Lilith Fair in Nordamerika zu einem der musikalischen Großereignisse der 90er Jahre. Jeweils rund 50 Konzerte innerhalb von zwei Monaten versammelten überwiegend weibliche Stars wie McLachlan, Heather Nova, Shawn Colvin, Sinead O'Connor, Angelique Kidjo, Liz Phair, Bonnie Raitt auf der Bühne. Trotzdem soll nach diesem Jahr vorerst Schluß sein: McLachlan findet, es sei Zeit, eine Familie zu gründen

"Was die Leute an Lilith Fair überrascht hat, war die Tatsache, daß vor allem Frauen zu den Konzerten kamen. Und daß sie allein kamen, massenhaft, ohne Männer. Das erlebt man sonst nicht im Konzertgeschäft", sagt Gary Bongiovanni, Chefredakteur des US-Branchenblatts "Pollstar".

Lilith - der Name ist Programm

Schon der Name der Tour ist Programm: Lilith war nach jüdischem Volksglauben die erste Frau Adams, die es ablehnte, ihrem Mann untertan zu sein und das Paradies deshalb verließ. Eine Frau, die für Gleichberechtigung und Unabhängigkeit eintrat und sich deshalb als Namensgeberin geradezu anbot.

Dennoch, betont Initiatorin Sarah McLachlan, will das Festival keine politische Aussage machen - wenngleich Informationsstände etwa von Amnesty International, der amerikanischen Entsprechung von Pro Familia, einer Alphabetisierungsvereinigung oder eines Netzwerks gegen sexuelle Gewalt willkommen sind. Kritisiert wird die Veranstaltung seit ihrem Bestehen: Feministinnen ist sie nicht feministisch genug, anderen wiederum zu sehr von Frauenpower geprägt. Für wieder andere ist Lilith Fair nicht weniger sexistisch wie ein von männlichen Künstlern dominiertes Festival.

"Weiße Miezen mit Akustik-Gitarre"?

Am meisten ärgert McLachlan das häufig geäußerte Stereotyp, daß es sich bei Lilith Fair um "ein Folkfestival weißer Miezen mit einer akustischen Gitarre" handele. "Wir haben alle möglichen Künstlerinnen eingeladen, die ganz verschiedene Musik machen, aber es sagen eben nicht alle zu", erklärte die Sängerin dem Musikmagazin "Spin".

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Imani Coppola

McLachlan selbst betont viel lieber den Party-Aspekt. "Du kannst wirklich schlechte Laune haben, und dann gehst du raus und singst und spielst, und dir geht es ganz schnell richtig gut. Du triffst deine Lieblingsstars. Zufällig sind das alle Frauen - na und?"

"Das wird für lange Zeit die letzte Lilith-Tour sein"

1998 wurden Eintrittskarten im Wert von 28,3 Millionen Dollar (rund 53 Millionen Mark) verkauft. Von jedem Ticket ging jeweils ein Dollar an ein Frauenhaus am jeweiligen Veranstaltungsort. Ein typisches Lilith-Fair-Konzert dauert sieben Stunden und findet auf drei Bühnen statt. Auf der Hauptbühne treten die Stars auf - in diesem Jahr etwa Sheryl Crow, Shawn Colvin, die Indigo Girls, Queen Latifah, Lisa Loeb, Liz Phair, The Pretenders und Suzanne Vega. Auf Nebenbühnen sind Interpretinnen wie Bif Naked, Sixpence None The Richer und Sinead Lohan oder auch unbekanntere Musikerinnen zu sehen. Nicht alle treten an allen Abenden auf, jedes Konzert hat sein individuelles Programm.

Die diesjährige Tour, die am 8. Juli in Vancouver beginnt und am 31. August in Edmonton endet, wurde wegen des überaus anstrengenden Programms allerdings auf 33 Termine gekürzt. Überhaupt hat McLachlan, Erfolg hin oder her, genug von der Show. "Das wird für lange Zeit die letzte Lilith-Tour sein", sagt die Kanadierin. "Vielleicht für drei Jahre, vielleicht für zehn, vielleicht für immer." Es sei Zeit, eine Familie zu gründen, meint die 31jährige.

Zwei CDs mit den Höhepunkten von 1998

Wem der Weg nach Amerika zu weit ist, kann sich die Höhepunkte der 98er Tour auf zwei CDs ins Wohnzimmer holen. Auf den 28 Titeln von "Lilith Fair: A Celebration Of Women In Music - Vol. 2 und 3" (BMG) sind sie alle zu finden, die Powerfrauen des Festivals. Schade nur, daß eine Besonderheit der Tour dabei zu kurz kommt: Außer einem Duett von McLachlan und Emmylou Harris fehlen auf den Alben Titel, bei denen sich die Ladies zusammentun und gut gelaunt gemeinsam singen.

Nina Sündermann, AP - Fotos: AP

Geändert am 8. Juli 1999 16:48 von to
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