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  • Sekretärinnen in Silicon Valley: Mehr Geld und mehr Streß
  • Silicon Valley:

    Vom Tal der Pflaumen zum High-Tech-Zentrum

    Vorbild für IT-Standorte von Bangalore bis München

    San Jose - Im Zeitalter der globalen Vernetzung scheinen die realen Orte an Bedeutung zu verlieren. Das Silicon Valley, weltweit der Inbegriff für Innovationen in der Informationstechnik (IT), gibt es heute nicht nur südwestlich von San Francisco, sondern auch auf der japanischen Insel Kyushu, im indischen Bangalore oder am nordöstlichen Rand von München. Für die Menschen, die dort die Zukunft gestalten, ist es aber trotz der globalen Zusammenarbeit von unverändert zentraler Bedeutung, wo sie leben und arbeiten. Und weil auch im Zeitalter der E-Mail das persönliche Gespräch am fruchtbarsten ist, bringen die Ballungszentren der IT-Branche immer wieder neue Ideen hervor.

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    Weil der Wohnraum teuer ist, wird auch mit dem Flugzeug zur Arbeit gependelt.

    Jahrzehntelang waren im "Tal der Herzensfreude", etwa 80 Kilometer vom Zentrum San Franciscos entfernt, nur die Obstplantagen fruchtbar. Hier wuchsen die besten Pflaumen Amerikas. Doch dann begannen Ende der siebziger Jahre auf einmal die High-Tech-Firmen aus dem Boden zu sprießen. "Wahrscheinlich war es das Wetter", vermutet der Gründer der Softwarefirma PeopleSoft, Dave Duffield. "Deswegen sammeln sich hier gern Leute mit viel Energie." Wichtiger als die kalifornische Sonne aber waren wohl die Universitäten Stanford und - in etwas geringerem Maße - Berkeley. Inzwischen bildet auch die San Jose State University IT-Fachkräfte aus.

    Allein 1982 wurden Silicon Graphics, Sun Microsystems, Adobe und Cypress Semiconductors gegründet; zwei Jahre später folgten Cisco und Sybase. Während sich die Neulinge noch ihren Markt suchten, trieben bereits etablierte Firmen die Entwicklung mit bahnbrechenden Erfindungen voran: 1980 stellte Hewlett-Packard seinen ersten Personalcomputer vor, IBM präsentierte 1983 seinen PC-XT, den ersten PC mit eingebauter Festplatte. Im gleichen Jahr führte Apple seine "Lisa" ein, der 1984 der erste Macintosh-Rechner folgte.

    Der große Zug zum Netz

    Doch während sich Microsoft und Apple noch im Wettbewerb um die beliebteste Software-Plattform beharkten, setzte in den 80er Jahren der große Zug zum Netz ein. Nirgendwo hatte dies einen größeren Einfluß als an der Südspitze der Bucht von San Francisco. Der als "Vater des Internets" geltende Vizepräsident des Telekommunikationsunternehmens MCI, Vint Cerf, erinnerte sich, daß ihm etwa 1988 bewußt wurde, "daß da etwas Besonderes passiert". Damals begann die Branche, massiv in die Router-Entwicklung (Router sind Computer für die gezielte Weiterleitung von Datenpaketen) und in Internet-Software zu investieren.

    Mangel an Fachkräften und an ledigen Frauen

    Mehr als 5.000 High-Tech-Unternehmen sind heute im Silicon Valley versammelt. Unter den 150 größten Firmen sind 30 Hersteller von Halbleitern, den in Silizium gegossenen Schaltkreisen, die der Region ihren Namen gegeben haben. In den meisten PC läuft heute ein Prozessor von Intel, das in Santa Clara seinen Firmensitz hat. In den anderen Personalcomputern steckt meist ein Chip des Konkurrenten AMD, der Ende des Jahres auch in Dresden die Produktion aufnimmt. Zwölf Unternehmen im Silicon Valley beliefern die Chip-Hersteller mit Ausrüstungsgütern, an der Spitze Marktführer Applied Materials. Zu den großen Computerherstellern zählen Hewlett-Packard als größter Konzern im Valley und Apple, Sun Microsystems und Silicon Graphics kümmern sich als Spezialisten um Hochleistungsrechner. Aus der Region kommen auch Cisco und 3Com, deren Geräte das globale Computernetz am Laufen halten. Zumeist noch im unteren Drittel der Top-150 tummeln sich die Internet-Firmen, unter ihnen Yahoo! und Excite.

    Bei so vielen aufstrebenden Firmen auf kleinem Raum sind Fachkräfte sehr gesucht. Allein Cisco und 3Com schufen im vergangenen Jahr 10.000 neue Arbeitsplätze,natürlich nicht nur im Silicon Valley. In ganz Kalifornien arbeiten 785.000 Menschen in der High-Tech-Branche, das entspricht einem Anteil von rund 16 Prozent aller derartigen Arbeitsplätze in den USA - insgesamt 4,8 Millionen. Allein seit 1993 sind in der Branche eine Million neuer Stellen geschaffen worden. Auf Kalifornien folgen in der Rangliste Texas mit 376.000 High-Tech-Beschäftigten, New York (320.000) und Illinois (207.000). Der Staat Washington, in dem Microsoft seine Zentrale hat, liegt mit 97.000 Arbeitsplätzen auf Rang 16. Von dort, aber auch aus anderen Regionen werden inzwischen besondere Züge und -flüge eingesetzt, um die Pendler ins Silicon Valley zu bringen.

    Wohnraum ist knapp und teuer

    Denn die in San Jose, Mountain View oder Sunnyvale allgegenwärtige Computertechnik hat auch ihre Nachteile. Der verfügbare Wohnraum ist so knapp und teuer, daß viele Mitarbeiter einen langen Anfahrtsweg in Kauf nehmen müssen. Angestellte in der Gastronomie oder anderen Branchen mit niedrigen Einkommen haben bereits die Hoffnung auf ein eigenes Appartment aufgegeben: Sie mieten sich statt dessen als Untermieter in einer Zimmerecke ein. Sie kommen damit denen entgegen, die die hohen Mieten kaum noch finanzieren können.

    Wer genug verdient, um sich ein Haus kaufen zu können, hat meist ein anderes Problem: Zur Einweihungsparty werden vermutlich zu wenige Frauen kommen. Da Frauen in der Informationstechnik immer noch unterrepräsentiert sind, herrscht ein spürbarer Männerüberschuß. Im Bezirk Santa Clara gibt es nach einer kürzlich vorgelegten Statistik 5.372 mehr ledige Männer im Alter von 20 bis 45 Jahren als alleinstehende Frauen dieses Alters. Allerdings lieben offenbar auch viele Ingenieure und Entwickler die kreative Einsamkeit. Zu ihnen gehört der 29jährige Tom Grey, Internet-Vertriebsmanager in Mountain View, der überzeugt ist: "Wenn man vor die Wahl gestellt ist, mit einer Frau auszugehen oder ein Programm zu debuggen (fehlerfrei zu machen), dann entscheiden sich viele für letzteres."

    AP - Foto: AP

    Geändert am 20. Juli 1999 16:33 von aj
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