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Sekretärinnen in Silicon Valley:

Mehr Geld und mehr Streß als anderswo

"Wenn er Kaffee will, kümmert er sich selbst darum"

San Jose - Sie kochen keinen Kaffee für den Chef, werden nicht zum Diktat gerufen und verdienen mehr als viele andere Angestellte: Sekretärinnen von Computerfirmen im kalifornischen Silicon Valley haben einen Arbeitsalltag, der mit dem herkömmlichen Berufsbild nicht mehr viel gemein hat.

"Ich kenne seine Paßwörter, und ich lese seine E-Mails, wenn er das will" - Karen Hallstein ist "Executive Administrator" (wörtlich: geschäftsführende Verwalterin) von Scott McNeally, dem charismatischen Chef von Sun Microsystems. "Wenn er Kaffee will, kümmert er sich selbst darum." Während der Chef auf Vortragsreisen durch die halbe Welt tourt, kümmert sich Hallstein um seine Routinearbeit.

Unternehmerische Entscheidungen

Dazu können auch wichtige unternehmerische Entscheidungen gehören. "Ich habe viel Einfluß hier", sagt die Chefassistentin von Dave House, der in Santa Clara die Geschicke der Netztechnikfirma Nortel Networks leitet. "Wenn es nur darum gehen würde, sich fein anzuziehen, am Telefon zu sitzen und den Terminkalender zu führen, dann würde ich mich ziemlich langweilen." Statt dessen entwerfen Caldwell und ihre Kolleginnen Briefe, recherchieren Informationen zu anderen Firmen, unterrichten Abteilungsleiter und organisieren Geschäftsabschlüsse.

Die höhere Verantwortung schlägt sich auch in einer besseren Entlohnung nieder: Die Sekretärinnen im Silicon Valley erhalten nach Angaben der Personalberatungsfirma Executive Counterparts zwischen 60.000 und 100.000 Dollar (115.000 bis 190.000 Mark) im Jahr - verglichen mit durchschnittlichen Einkommen anderer Sekretärinnen in den USA von 25.000 bis 30.000 Dollar (48.000 bis 57.000 Mark). Zudem erhielten die meisten Sekretärinnen im Silicon Valley das Anrecht auf den Bezug von Aktien der eigenen Firma, sagt Michelle Burke von Executive Counterparts. So sind sie direkt am Erfolg des eigenen Unternehmens beteiligt.

60 bis 70 Stunden in der Woche sind die Regel

Allerdings sei auch der Arbeitsdruck ungleich größer als in anderen Branchen, erklärt Burke. "Sie arbeiten 60 bis 70 Stunden in der Woche, und das Streßniveau ist wesentlich höher. Im Bruchteil von Sekunden müssen sie sich mit Leuten auf der ganzen Welt abstimmen. Da sind Mitarbeiter gefragt, die über das übliche hinaus engagiert sind." McNeallys Sekretärin Hallstein sagt: "Es gibt kaum etwas, was ich nicht für Scott tun würde, wenn er mich fragt."

Beim Wandel des Berufsbilds gibt die High-Tech-Branche den Ton an. "Das Wort Sekretärin ist überholt", sagt Debbie Gross, die seit acht Jahren für Cisco-Präsident John Chambers arbeitet. "Im Silicon Valley kämpfen wir sehr hart darum, das zu ändern, weil wir wirklich nicht nur tippen und das Telefon beantworten." Gross gehört zwar nicht zu den mehr als 50 Vizepräsidenten des weltgrößten Netztechnikunternehmens. Aber wahrscheinlich ist sie eine der einflußreichsten Angestellten des Konzerns. "Und wenn ich John frage, ob er mir ein Sandwich bringt, dann würde er das auch machen."

AP

Geändert am 20. Juli 1999 16:37 von aj
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