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Keine Weltrekorde beim Leichtathletik-Meeting in ZürichStars schonten im Letzigrund die KräfteZürich - Am Tag der Sonnenfinsternis lag die nahende Weltmeisterschaft in Sevilla (20. bis 29. August) wie ein großer Schatten über Zürich. Die Stars der Leichtathletik sparten beim 6,5 Millionen Mark teuren Spektakel Kräfte für den Kampf ums Gold.
Und Bernard Barmasai bescherte den Skandal im Kampf ums Geld. Kenias Hindernis-Weltrekordler blieb neben Marokkos 1.500-m-Star Hicham El Guerrouj, Sprint-Queen Marion Jones (USA) und Rumäniens Lauffloh Gabriela Szabo (3.000 m) nur auf die Bitte hin, ihn siegen zu lassen, im eine Million Dollar schweren Jackpot der Golden League. Kallabis: Deutscher RekordNach dem Rennen, das Europameister Damian Kallabis (SCC Berlin) in deutscher Rekordzeit von 8:09,48 Minuten als Vierter hinter Barmasai (8:05,16) und dessen Landsmann Christopher Koskei (8:05,43) beendete, sagte der WM-Dritte von 1997 zum Grund seines Sieges: "Als er mich passieren wollte, sagte ich: ,lass mir es'. Deshalb wurde Koskei langsamer. Er hätte heute gewonnen, aber weil er ein Freund ist und wir zusammen leben ... Der Jackpot ist für mich und meine Freunde." Manager versuchte die Wogen zu glättenMit Ungläubigkeit reagierten die Offiziellen: "Wir werden das überprüfen. Vielleicht war alles nur ein schlechter Witz von Barmasai", sagte Sandro Giovanelli, Wettkampf-Direktor des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF. Zwar verbietet die Regel (eine Lücke!) keine Absprachen, aber für Unsportlichkeit gab es schon in anders gelagerten Fällen Sperren. Barmasais Manager Jos Hermens versuchte zu klären: "Ein dummes Missverständnis. Koskei hat während des Rennens auch die Geste von Barmasai falsch gedeutet und ist zurück geblieben statt nach vorn zu gehen."
Ob Barmasai Kraft sparte, oder ob sie ihm nach vier voraus gegangenen Siegen im Kampf um den eine Million Dollar-Jackpot fehlte, bleibt dahingestellt. Der Mann, der 1997 Weltrekord gelaufen war, setzte wie die anderen Stars der Szene dort, wo Martin Lauer 40 Jahre zuvor in 13,2 Sekunden über 110 m Hürden als erster Sportgeschichte geschrieben hatte, keinen neuen Meilenstein. Nur 1976 bis 1978 erlebte Zürich eine längere Phase ohne Weltrekord als jetzt (1998 und 1999). Dieter Baumann wurde abgehängtDennoch gab es im Letzigrund packende Rennen mit vier Jahres-Weltbestmarken. Für diese sorgten Haile Gebrselassie (Äthiopien/12:49,64), hinter dem sich Dieter Baumann (Leverkusen) trotz guter 13:11,68 Minuten als Elfter in seinem WM-Verzicht bestätigt sah, die Rumänin Violeta Szekely im ersten 1.500-m-Lauf der Saison unter vier Minuten (3:59,31) und zwei, die wie Barmasai und die über 200 m ebenfalls nur mit Mühe siegreiche Marion Jones (USA/22,10) im Jackpot blieben: Wilson Kipketer (Dänemark) erinnerte durch die Leichtigkeit des 800-m-Sieges in 1:43,01 mehr denn je in diesem Jahr an seine famose Saison 1997. Und Gabriela Szabo ist nach ihren 8:25,03 seit 1994 ungeschlagen über 3.000 m. 87,24 Meter für Speerwerfer Boris HenryNeben Kallabis, der seine Bestzeit vom EM-Gold (8:13,10) um gut zweieinhalb Sekunden steigerte und nun den 15 Jahre alten Europarekord des Franzosen Joseph Mahmoud (8:07,62) in Reichweite hat, überzeugten neun Tage vor der WM-Eröffnung mehrere der gut 20 Deutschen in Zürich. Vor allem Diskus-Olympiasieger Lars Riedel (Chemnitz), der mit 67,64 m den siebten Zürich-Triumph feierte und nun auf das fünfte WM-Gold hofft, der Olympiadritte Boris Henry (Saarbrücken) als Speerwurf-Zweiter mit 87,24 m, Stefan Holz (Sindelfingen) in 45,11 Sekunden als Fünftbester aller 400-m-Läufer, sowie die nicht für Sevilla nominierte Kristina da Fonseca-Wollheim (Halle), in 4:01,44 Minuten nun Fünfte der 1.500-m-Weltrangliste. Ärger um Kristina de Fonseca-Wollheim"Ich habe gezeigt, dass meine Form zur WM hin kommt. Wenn der Deutsche Leichtathletik-Verband mich nicht in Sevilla haben will, nachdem ich in den letzten Jahren bei einigen Saisonhöhepunkten nicht die Erwartungen erfüllte, kann ich nichts daran ändern", meinte die 27-Jährige, die drei Tage zuvor in Köln in 4:05,01 erstmals die Norm erfüllt hatte. DLV-Sportdirektor Frank Hensel erklärte: "Wir haben bei der Meldung unserer Athleten für Sevilla kein Hintertürchen offengelassen. Kristina war zum Zeitpunkt der Nominierung nicht qualifiziert. Ansonsten haben wir mit nachgemeldeten Athleten mehrfach schlechte Erfahrungen gemacht." Von Gerd Holzbach, sid - Fotos: dpa
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| Geändert am 12. August 1999 13:56 von sab | ||||||||||