IVWPixel Zählpixel [an error occurred while processing this directive]
  • Foto-Show
  • Portrait
  • Interview
  • Karriere-Stationen
  • . . . Steffi Graf beendet Profi-Karriere

    Anklicken zum Vergrößern

    Mit Graf verabschiedet sich die erfolgreichste Spielerin aller Zeiten. Die Brühlerin gewann 22 Grand-Slam-Turniere und stand 377 Wochen lang an der Spitze der Tennis-Weltrangliste. Ihren letzten Grand-Slam-Titel hatte sie Anfang Juni bei den French Open in Paris gewonnen. Es war zugleich ihr 107. Turniersieg. Das deutsche Tennis verliert mit Steffi Graf das letzte Idol. Vor sechs Wochen hatte Boris Becker seine Karriere beendet. Beide hatten mit ihren Erfolgen dem Tennis in Deutschland in den 80-er Jahren einen Boom beschert. Ihr erfolgreichstes Jahr hatte Steffi Graf 1988, als sie den Grand-Slam, der Turniersiege bei den Australian Open, French Open, Wimbledon und den US Open umfasst, und die Olympischen Spiele in Seoul gewann.

    "Die Hände haben mir doch ganz schön gezittert"

    "Die Hände haben mir doch ganz schön gezittert und ich war unheimlich nervös", gestand die "Gräfin", elegant gekleidet mit schwarzer Hose und beigefarbener Designer-Jacke. 71 Tage nach ihrem nun historischen Sieg bei den French Open in Paris beendete Graf damit die monatelangen Spekulationen über das Ende ihrer Laufbahn, die sie zuletzt selbst durch gegensätzliche Aussagen angeheizt hatte.

    Repräsentanten des deutschen Sports reagierten mit Bedauern, aber auch mit Verständnis auf den endgültigen Rückzug. "Steffi Graf ist zweifelsohne eine der größten Sportlerinnen der deutschen Geschichte. Was sie erreicht hat, ist phänomenal. Ihre Entscheidung ist schade, aber verdient höchsten Respekt", meinte Deutschlands Fußball-Idol Franz Beckenbauer. Und Walther Tröger, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland, erklärte: "Ich nehme diesen Schritt mit allem Verständnis, aber auch mit großem Bedauern zur Kenntnis. Steffi Graf wird, auch über ihre hervorragenden Leistungen hinaus, dem deutschen Sport und dem deutschen Tennissport eine wichtige Partnerin bleiben."

    Globale Abschiedstournee ab Mitte Dezember

    Nachvollziehbar war der Rücktritt vornehmlich für aktuelle Größen im deutschen Sport. "Nach über zehn Jahren Hochleistungssport ist es ihr zunehmend schwer gefallen, sich weiter zu motivieren. Dann häufen sich wie bei Steffi Verletzungen und man verliert einfach den Spaß an der Sache", meinte Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler.

    "Die ständige Fragerei nach dem Zeitpunkt meines Karriere-Endes haben mir große Schwierigkeiten bereitet. Ich wollte mir diesen Druck nicht länger auferlegen. Eigentlich wollte ich noch bis Ende des Jahres spielen, aber die Entscheidung kam dann doch sehr schnell", so Graf, die Mitte Dezember eine globale Abschiedstournee mit Stationen in Südafrika, Neuseeland und Asien starten möchte. Auch in Deutschland wird man die Vorzeigeathletin im Rahmen einiger Show-Matches noch sehen.

    "Tour der Leiden" gab den Ausschlag

    Seit dem verletzungsbedingten Aus vor zehn Tagen in San Diego hat Graf ihr Racket nicht mehr in der Hand gehabt. Mitausschlaggebend für Grafs Entscheidung, den Schläger nach 17 Profijahren sowie rund 70 Verletzungen und Krankheiten an den Nagel zu hängen, dürfte auch die erneute "Tour der Leiden" in den vergangenen Wochen gewesen sein.

    Am 4. August musste Graf ihr Auftaktmatch in San Diego wegen einer Zerrung im Oberschenkel aufgeben. "Aber bereits auf dem Weg dorthin habe ich gemerkt, dass ich gar keine Lust hatte zu diesem Turnier zu fliegen. Auch dieses Gefühl kannte ich natürlich nicht. Als ich dann gespielt habe, war die Entscheidung unglaublich einfach, fast zu einfach", so Graf.

    Die Motivation nach dem Sieg in Paris und dem Final-Einzug in Wimbledon habe ihr wohl gefehlt. "Das, was ich dort erlebt habe, war so intensiv. Ich hatte danach vielleicht das Gefühl, dass nichts mehr kommen konnte, was ich noch erreichen kann". Deshalb entschied sich Steffi Graf auch, nicht mehr an den US Open (30. August bis 12. September) in ihrer Lieblingsstadt New York teilzunehmen.

    Keine Angst vor dem Leben "danach"

    Vor den US Open will sie aber dort eine internationale Pressekonferenz geben. Danach geht es in den Urlaub, ehe Anfang Oktober Geschäftstermine ihrer Agentur in China auf dem Programm stehen. "Ich bin froh, dass ich jetzt Dinge machen kann, die Spaß machen." Vor dem Leben "danach" hat Steffi Graf keine Angst: "Das ist in etwa so wie bei einem Küken, das von seiner Mutter aus dem Nest geschubst wird und noch nicht fliegen kann. Nur bei mir ist es so, dass ich gemerkt habe, ich möchte rausfallen."

    In Zukunft ist eine Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tennis-Bund (DTB) geplant. Allerdings sehe sie sich nicht in der Rolle des Fedcup-Kapitäns, sondern möchte in der Jugendförderung arbeiten. Graf: "Jetzt habe ich erst richtig Zeit. Und die Zeit wird künftig mein größtes Privileg sein".

    Höhen und Tiefen der "Miss Grand-Slam"

    107 Titel gewann Graf, 22 davon bei Grand-Sam-Turnieren. 377 Wochen lang war sie die Nummer eins der Weltrangliste, länger als jeder andere Tennisprofi in der Geschichte dieser Sportart. Vor elf Jahren siegte Graf in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York und krönte diese grandiose Leistung mit dem olympischen Gold in Seoul - "Miss Grand-Slam" war geboren.

    Den größten persönlichen Triumph heimste die erfolgreichste Spielerin aller Zeiten auf der Zielgeraden ihrer Karriere ein, die von sämtlichen Höhen und Tiefen auf und außerhalb des Courts geprägt war. Der Sieg gegen Martina Hingis im Finale der French Open 1999 bescherte Steffi Graf den 22. Grand-Slam-Titel und "das größte Glücksgefühl meiner Karriere. Nach all den Rückschlägen und Verletzungen noch einmal in Roland Garros zu gewinnen, damit hatte ich nicht gerechnet".

    Centre Court als Zufluchtsort

    In ihren 53 Grand-Slam-Turnieren erreichte die Tierliebhaberin 31mal im Finale. Sie gewann jedes der vier großen Events mindestens viermal - eine Leistung, die bislang keinem anderen Profi gelang. Der "Preis": Annähernd 70 Verletzungen oder Krankheiten stehen den Titeln und Triumphen gegenüber.

    Doch der Tennissport war für Graf immer auch Mittel zum Zweck, familiäre Probleme auf ihre Weise zu verarbeiten. Die Steueraffäre, die Inhaftierung ihres Vaters Peter, die Trennung der Eltern - der Centre Court galt als Zufluchtsort, denn dort konnte sie schalten und walten wie sie wollte. Graf: "Tennis hat mein ganzes Leben bestimmt, es ist schwer, loszulassen."

    Die finale Krönung in Wimbledon blieb Steffi Graf allerdings versagt. Im Endspiel gegen Lindsay Davenport machte ihr auch die körperliche Anfälligkeit einen Strich durch die Rechnung. Ihrem Sport will die bekannteste Brüherlin in jedem Fall erhalten bleiben. Dafür sorgt schon ihr Junior-Team mit Mia Buric, Caroline Raba und Julia Biffar.

    sid, dpa - Fotos: Archiv, Reuters

    Geändert am 13. August 1999 12:38 von aj
    Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Nachrichten-Überblick Newsticker mit dpa-Kurzmeldungen Aktuelle Wetter-Vorhersage Haitzinger-Karikatur Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Nachrichten-Überblick Newsticker mit dpa-Kurzmeldungen Aktuelle Wetter-Vorhersage Haitzinger-Karikatur Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage