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...Crash im U-Bahn-Tunnel

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67 Verletzte mußten in der Rush-Hour versorgt werden

Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung auf. Es werde sich aber voraussichtlich erst im September klären, ob die Beschuldigten Siemens, KVB oder beide sein werden, sagte Oberstaatsanwältin Regine Appenrodt am Dienstag in Köln. Am Nachmittag sollte die Auswertung des beschlagnahmten Fahrtenschreibers beginnen. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Peer Steinbrück (SPD) warnte vor einer Vorverurteilung. Auch die Herstellerfirma dürfe nicht an den Pranger gestellt werden.

Trotz Notschalter nicht einmal Bremsspuren

Der City-Sprinter der Linie 19 war am Montag um 17.41 Uhr mitten im Berufsverkehr ungebremst auf einen im U-Bahnhof Christophstraße haltenden Zug der Linie 15 geprallt. Zuvor war der Zug bereits ohne anzuhalten mit wahrscheinlich 50 bis 60 Kilometer pro Stunde durch einen Bahnhof gerast. An dieser Stelle sei, wie aus dem Sicherheitsvideo zu erkennen, das Licht in den Wagen ausgefallen. Der City-Sprinter sei außerdem an einem roten Signal vorbeigefahren, sagte KVB-Vorstandschef Fritz Gautier, was bereits eine automatische Notbremsung hätte auslösen müssen. Zudem habe der Fahrer den Notschalter ausgelöst gehabt, der den Zug ebenfalls sofort hätte zum Stillstand bringen müssen.

Bei einer Pressekonferenz in Köln versuchten KVB und Siemens, die Schuld von sich zu weisen. Eine Überprüfung der Strecke habe ergeben, dass alle technischen Einrichtungen funktionierten, sagte Gautier. Dagegen seien keinerlei Bremsspuren entdeckt worden. "Es müssen also im Fahrzeug selbst mehrere oder alle Bremssysteme ausgefallen sein." Die alleinige technische Verantwortung für das Fahrzeug liege bei Siemens, hatte nach einer morgendlichen Krisensitzung ein KVB-Sprecher betont. Zugleich kündigte der Verkehrsverbund den Opfern unbürokratische Hilfe an.

Defekt wenige Stunden vor dem Unglück

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Voll drauf: Der "City- Sprinter" (r) hatte sich einige Meter in den stehenden Zug geschoben und verkeilt.

Der Leiter der Siemens-Verkehrstechnik in NRW, Gerd Bieker, erklärte dagegen: "Das Fahrzeug ist schon geprüft und einwandfrei bei der KVB angekommen." Zugleich räumte er ein, dass nach bisherigem Kenntnisstand die Unfallursache wohl in dem High-Tech-Zug zu suchen sei. Der Prototyp sei zwar nur für Köln gebaut worden, neun Fahrzeuge mit gleicher Technik würden derzeit aber auch in Stuttgart eingesetzt. Die dortigen Straßenbahnen seien informiert.

Zugleich wurde bekannt, dass der Fahrer wenige Stunden vor dem Unglück einen Defekt am Bremssystem gemeldet hatte. Laut KVB mussten die Fahrgäste aussteigen. Der Schaden wurde von Siemens-Technikern behoben, die den Wagen kurz darauf wieder frei gaben. "Wir können im Augenblick keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Defekt und dem Unfall sehen", sagte der KVB-Chef. Seit dem "City Sprinter"- Einsatz in Köln Mitte Juli sei der Zug drei Mal wegen Defekten in der Werkstatt gewesen.

Fahrer warnte die Fahrgäste

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Video-Aufzeichnungen in dem Unglückswagen zeigten, dass der Fahrer kurz vor dem Aufprall aus der Kabine stürzte und den Fahrgästen zuschrie, sie sollten in die hinteren Wagen rennen. Von einem Versäumnis des Fahrers selbst, der zu den sieben schwer Verletzten gehört, sei nicht auszugehen, so Gautier.

Ob das Ende der Probefahrt auch das endgültige Aus für den modernen Zug bedeutet, wollte der Siemens-Sprecher nicht sagen. Das Unternehmen werde in jedem Fall die endgültige Genehmigung beantragen und mögliche Fehler vorher beheben. Die KVB sprach vorsichtiger von einer "sorgfältigen Untersuchung, wie wir weiter mit dem Projekt verfahren". Vor rund zwei Jahren hatten sich KVB und Siemens auf die Entwicklung des Zuges geeinigt. Die Technische Aufsichtsbehörde TAB in Düsseldorf hatte die Genehmigung zum vorläufigen Betrieb erteilt, eine endgültige Genehmigung steht aber noch aus.

Bergungsarbeiten dauerten die ganze Nacht über

Laut Polizei schwebte am Dienstag nachmittag niemand mehr in Lebensgefahr. Die Bergungsarbeiten nach dem Unglück hatten die ganze Nacht über gedauert. Erst um 7 Uhr war die Strecke wieder frei. Mehr als 100 Polizeibeamte und rund 130 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Die Feuerwehr musste die auf rund zwei Meter ineinander verkeilten Wagen auseinander schneiden. Einige Fahrgäste waren in den Wagen eingeklemmt. Über die Schadenshöhe wurden noch keine Angaben gemacht.

dpa, AP - Fotos: AP, dpa

Geändert am 24. August 1999 17:15 von aj
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