|
|
Streit um ziviles Kosovo-KorpsRingen um Umwandlung der UCK-Miliz in HilfsorganisationPristina/Belgrad - Die kosovo-albanische UCK-Miliz hat eine Unterzeichnung der Pläne für ihre Umwandlung in eine zivile Hilfsorganisation im ersten Anlauf verweigert. Wenige Stunden vor Ablauf der Frist zur Entmilitarisierung der Miliz kamen die UCK- Vertreter am Sonntagvormittag nicht wie vereinbart in das Hauptquartier der Friedenstruppe KFOR. Sonntag um Mitternacht lief für die UCK die Frist ab, alle Kriegswaffen abzugeben. Die Friedenstruppe erklärte in Pristina jedoch, sie hoffe noch auf eine Zustimmung zu den Transformationsplänen bis Mitternacht.
Aus der Miliz soll die Hilfsorganisation Kosovo-Korps gebildet werden. Sie wird 3000 feste Mitarbeiter und 2000 Reservisten haben und bei Katastrophen und für den Wiederaufbau eingesetzt werden. Die UCK-Miliz hatte am Vortag noch vor Zehntausenden von Anhängern in Pristina eine Militärparade abgehalten. UCK-Generalstabschef Agim Ceku leistete am Sonntagvormittag nicht wie von der KFOR erwartet seine Unterschrift unter eine Erklärung, in der die Pläne für das Kosovo-Korps begrüßt werden sollten. "General Ceku ist um Mitternacht nicht mehr Generalstabschef und jede Unterschrift muss zuvor geleistet werden", sagte KFOR-Sprecher Robin Clifford in Pristina. Als Alternative wurde eine Unterschrift des politischen Führers der UCK, Hashim Thaci, ins Spiel gebracht. Clifford sagte, die UCK habe weiteren Gesprächsbedarf angemeldet. Ein strittige Frage sei die künftige Rolle der UCK-Kommandeure. Dabei gehe es um Uniformierung und Bewaffnung. Clifford sagte, in der Übergangsphase werde bei Verstößen jeder Einzelfall geprüft. Dies wurde als Signal verstanden, nicht allzu streng vorzugehen. Mit umjubelter Parade Stärke demonstriertBereits am Samstag war bekannt geworden, dass Ceku mit den Plänen für die Umwandlung unzufrieden ist und mehr militärische Züge fordert. Er soll in den Verhandlungen mehr Waffen für das Kosovo- Korps fordern. Außerdem soll er in den Abzeichen des Korps eine stärkere Anlehnung an die Symbole der UCK verlangen. Mit der umjubelten Parade durch die Kosovo-Hauptstadt und einer Kundgebung hatte die UCK einen Tag vor ihrer formellen Auflösung Stärke demonstriert. Die Führung der Miliz bekräftigte nach dem Aufmarsch ihre Pläne für eine Verteidigungsstreitmacht. Thaci sagte: "Von morgen an wird die UCK nicht mehr UCK heißen, sondern Kosovo- Korps, und das werden die Verteidigungskräfte des Kosovo sein." Mehr als 10.000 Waffen abgegebenBisher sind nach KFOR-Angaben mehr als 10.000 Waffen abgegeben worden. Die Umwandlung wird von der KFOR als ein "längerer Prozess" beschrieben und soll unter Kontrolle der UN-Mission im Kosovo (Unmik) organisiert werden. KFOR-Kommandeur Mike Jackson unterstrich in einem Interview der Belgrader Zeitung "Blic" (Sonntagsausgabe), die UCK garantierte die vollständige Übergabe aller Feuerwaffen. Belgrad reagierte scharf auf die Verzögerung, die als verschobene Entmilitarisierung bezeichnet wurde. Diese erfolge auf Anweisung der USA, behauptete Minister Slobodan Tomovic, Co-Vorsitzender der jugoslawischen Kommission für die Zusammenarbeit mit der UN-Mission im Kosovo, im staatlichen Rundfunksender Radio Belgrad. "Manche versuchen, den UCK-Terroristen das Kleid eines Rotkäppchen anzuziehen, obwohl sie als Terroristen zu behandeln sind". dpa - Foto: AP
|
|||
| Geändert am 19. September 1999 17:38 von aj | ||||