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Schon ein Viertel aller Chart-Alben rocklastig

Rock ist wieder da!

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"Rock 'n' Roll will never die", sang dereinst Neil Young und setzte auf die unbändige Überlebenskraft handgemachter Musik. Wenn Gitarren krachen und die Musiker mit ihrem Publikum zu griffigen Stücken schwitzen, die nicht nur in der kühlen Abgeschiedenheit eines Studios, sondern vor allem live funktionieren, dann ist es Rock.

Trotzdem sah es in den vergangenen Jahren so aus, als solle echter Rock in den Hitparaden nur noch ein Rand-Dasein fristen, abgedrängt von HipHop, Latin Pop, Soundtracks und Crossover- Experimenten. Nun mehren sich die Zeichen, dass klarer, harter Rock wieder zunehmend neue Fans findet.

"Anfang des Monats waren schon fast 25 Prozent der in den Media- Control-Charts vertretenen CD-Produktionen der Rock-Fraktion zuzurechnen", jubelt Carsten Stricker, Inhaber der Bochumer Medienagentur Verstärker. Er sieht rezessive Tendenzen auf dem mitteleuropäischen Musikmarkt, die den Rock wieder mit alter Macht erstrahlen lassen. Bands wie die Red Hot Chili Peppers, die Bloodhound Gang , Offspring, Metallica (Foto re), aber auch die ehemalige Gothic-Rock-Band Tiamat gehören für ihn in diese Ecke.

Tiamat: "War er jemals weg?"

  • bloodhound.fun.ms/
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  • metallica.com
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  • Tiamat-Sänger Johan Edlund, der vor kurzem mit seinem neuen Album "Skeleton Skeletron" auf Platz 19 in die Charts eingestiegen ist, sieht sich in seiner Ansicht bestätigt, dass der Rock sowieso nie ernsthaft auf das Krankenbett gehörte. "War er jemals weg?", fragt er angesichts der Chart-Verhältnisse und seines bemerkenswerten Erfolges. Edlund wehrt sich aber gegen die Fragmentierung: "Für mich ist Rock als Bezeichnung genug. Alles andere ist für Spezialisten."

    Bloodhound Gang: Tendenz oder Trend?

    Der Schwede, der in Dortmund lebt, beschreibt auch treffend die Qualität, die echten Rock ausmacht: "Das ist Musik, die direkt und geradeaus zu dir spricht und nicht interpretiert werden muss."

    Ins gleiche Horn stößt fast naturgemäß auch Jürgen Köster. "Wir haben schon 1997 gesagt, dass Rock im Jahr 2000 wieder in ist", sagt der Geschäftsführer des ersten deutschen Rockradios, das zwar bislang nur in Rheinland-Pfalz sendet, dort aber nach eigenen Angaben stündlich bis zu 70 000 Hörer fesselt. "Es gibt eben genügend Leute, die sagen: Ich möchte jetzt mal wieder was anderes hören", sagt Köster.

    "Was unten ist, kommt auch wieder nach oben"

    "Zur Zeit geht wieder was", bestätigt auch Matthias Weckmann vom Münchner Rock-Magazin "Metal Hammer". Er sieht den Erfolg des Rocks nicht nur hier zu Lande blühen. Auch in den USA sei derzeit ein ähnlicher Trend zu vermelden. Allerdings sei das letztlich auch als Effekt einer ständigen Kreiselbewegung zu sehen: "Was unten ist, kommt auch wieder nach oben."

    Verhaltener äußert sich da schon der Geschäftsführer der Kölner Schallplattenfirma Emi Electrol, Heinz Canibol: "Rock ist eine nicht wegzudenkende Musik-Komponente, die immer ihren festen Anteil in den Charts haben wird. Die kurzfristige Erhöhung des Anteils in den Charts ist aber nicht trendbestimmt, sondern saisonal bedingt."

    Zappa: "Rock 'n' Roll ist nicht tot..."

    "...er riecht nur ein bisschen komisch"

    Unterstützung erfährt er von einem Musikredakteur bei der NRW- Jugendwelle Eins Live, Andreas Löffler: "Da ist so eine Tendenz", sagt der zwar auch und weist auf die Erfolge von Offspring, Rammstein und der Bloodhound Gang gerade bei jungen Käufern. Trotzdem schränkt er ein: "Den großen Trend sehe ich nicht."

    Es bleibt also abzuwarten, ob der Rock nun wirklich sein großes Revival erlebt. Ernsthaft Sorgen brauchte man sich um ihn aber sowieso nicht zu machen. Schließlich hatte schon Frank Zappa die immer wieder mal gültige Diagnose gestellt: "Rock 'n' Roll ist nicht tot, er riecht nur ein bisschen komisch."

    Hans Hoff, dpa

    Geändert am 24. September 1999 18:06 von to
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