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Mehr Vereine, weniger Fans: Champions League in der Kritik

Neues Produkt kommt noch nicht an

Düsseldorf - Kaum reformiert, schon kritisiert: Während die meisten deutschen Vereinsvertreter nach zwei Spieltagen in der neu strukturierten europäischen Königsklasse sportlich und finanziell eine positive Bilanz ziehen, zeigt der Daumen der meisten Fans nach unten.

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Die Spieler in ganz Europa jubeln: Sie
verdienen in der Chmapions-League viel Geld.

Niedrigere TV-Einschaltquoten als in der Vorsaison sowie Minuskulissen in Fußball-Hochburgen wie Mailand, Madrid und Dortmund stellen das neu geschaffene Produkt Champions League schon nach kurzer Zeit in Frage. Angesichts der schwachen Resonanz und zumeist faden sportlichen Darbietungen trauert nicht nur Weltstar Johan Cruyff alten Zeiten hinterher: "Die Champions League ist entkoffeiniert worden."

Passable Einschaltqoute

Vor der aufgeblähten Form der verkappten Europaliga mit 32 Mannschaften, insgesamt 157 Spielen und Fernsehbildern bis tief in die Nacht kapitulieren selbst hart gesottene Fußball-Anhänger. Zwar erreichte der neue Champions-League-Sender TM3 mit Einschaltquoten von vier bis fünf Millionen Zuschauern für seine Verhältnisse passable Werte, liegt aber noch immer hinter den alten RTL-Zahlen. Und auch die Bundesliga läuft der Champions League in der Zuschauergunst den Rang ab.

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Minuskulisse in Dortmund

Selbst das Live-Erlebnis im Stadion lockt nur wenige Fans in die Arenen. Im Fußball verrückten Dortmund pilgerten nach 18-monatiger Europapokal-Abstinenz beim Spiel gegen Boavista Porto nur 38 000 Zuschauer ins Westfalenstadion. Für die Bundesliga-Partie der Schwarz-Gelben gegen Eintracht Frankfurt am Samstag sind dagegen 62 000 Karten verkauft. Bayer Leverkusen hat auf diesen Trend reagiert und die Eintrittspreise für die Heimspiele in der Königsklasse gesenkt. Die Werkskasse wird es verschmerzen: Im neuen Fußball- Monopoly, das dem künftigen Sieger Einnahmen von über 80 Millionen Mark beschert, spielen Erlöse aus dem Kartenverkauf ohnehin eine untergeordnete Rolle.

BVB-Präsident Niebaum: Guter Kompromiss

Dem Image der Sportart sind TV-Bilder mit leeren Zuschauerrängen allerdings nur wenig zuträglich. Gleichwohl will BVB-Präsident Gerd Niebaum am neuen Modus festhalten: "Ob es das Maß aller Dinge ist, möchte ich bezweifeln. Aber wir haben damit einen guten Kompromiss gefunden. Es wäre wichtig, es bei diesem Format zu belassen und nicht schon wieder eine Änderung vorzunehmen."

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Der große Boss der Uefa: Lennart Johansson.

Zahl der Skeptiker steigt

Die Zahl der Skeptiker, die schon jetzt eine Modifikation des neuen Produkts fordern und vor einem ähnlichen Popularitätsverlust wie beim Tennis oder Boxen warnen, wird allerdings immer größer. Aus gutem Grund: Bei etwa 14 Stunden Live-Fußball von der 2. Liga bis zur Champions League via Free-TV allein in dieser Woche droht der "Fußball-burn out".

Gefahr des "Burn-Out"

Auch TM3-Sportprogrammdirektor Michael Pfad sieht diese Gefahr: "Ich glaube daher, dass die Verein dazu übergehen werden, sich in den Winter- und Sommerpausen, wo mittlerweile jedes Witzturnier übertragen wird, eine freiwillige Selbstbeschränkung aufzuerlegen." Weniger die Topprodukte wie Länderspiele, Champions League oder gute Bundesligaspiele, sondern eher "die live übertragene zweitklassige Ware" tragen seiner Meinung zur Übersättigung bei.

BVB-Manager Zorc: Anstosszeit zu spät

Auf immer weniger Gegenliebe stößt vor allem die wenig zuschauerfreundliche Anstoßzeit von 20.45 Uhr. "Das ist vor allem für unsere vielen jungen Zuschauer zu spät", monierte BVB-Sportmanager Michael Zorc. "Wir versuchen Diskussionen zu führen, ob es einen Weg gibt, gesplittete Anfangszeiten zu bekommen", sagte TM3-Macher Pfad.

Doch bei aller Kritik an der Massenware Fußball, das Spiel mit dem runden Leder bleibt vorerst noch immer ein Topprodukt für die Sender. "Es gibt kaum ein Genre im Fernsehen, das Quoten wie der Fußball erzielt", meinte Scholz. dpa bü

Von Heinz Büse und Claas Hennig, dpa - Fotos: Reuters

Geändert am 24. September 1999 16:40 von sab
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