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Junge (6) überlebte unter Trümmern

80 Stunden nach dem Beben in Taiwan - Mehr als 2100 Opfer

Taipeh - Mehr als 80 Stunden nach dem verheerenden Erdbeben in Taiwan haben Rettungsmannschaften am Freitag einen sechsjährigen Überlebenden entdeckt. Der Junge, den ein südkoreanisches Rettungsteam bei der Stadt Taichung unter den Trümmern eines zwölfstöckigen Wohngebäudes ortete, sagte mit schwacher Stimme, er könne seine Arme, aber nicht seine Beine bewegen. Mit bloßen Händen versuchten die Helfer, den Jungen aus den Trümmern freizugraben.

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Trotz der Entdeckung schwanden jedoch die Hoffnungen, weitere Überlebende anzutreffen. Der Schwerpunkt der Hilfsaktionen verlagerte sich von der Suche nach Überlebenden zu dem Wegräumen des Schutts und der Hilfe für die mehr als 100.000 Obdachlosen. Nach Angaben des Katastrophenzentrums wurden bisher 2.138 Tote geborgen, 68 Menschen wurden noch vermisst. Wie es weiter hieß, wurden bei dem Beben vom Dienstag 8.137 Menschen verletzt. 306 Menschen sollen den Angaben zufolge noch unter den Trümmern verschüttet sein.

Dagegen gingen Rettungsmannschaften davon aus, dass noch Hunderte Menschen unter den Trümmern liegen. In den ländlichen Gebieten bei Taiwans drittgrößter Stadt Taichung hätten die Behörden gerade erst mit der Suche begonnen, sagte ein örtlicher Beamter.

Zeltstädte - Kritik am Krisenmanagement

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Das Schweizerische Katastrophenhilfekorps (SKH) teilte am Freitag mit, die 77 Katastrophenhelfer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die gemeinsam in der Region Taichung im Einsatz stehen, hätten seit Donnerstag 16 Verschüttete geortet. Wie es weiter hieß, konnten vier der Opfer nur noch tot geborgen werden. Die Bergung der übrigen Verschütteten dauere noch an.

Unterdessen berichteten lokale Tageszeitungen, mehrere Hunderttausend Menschen seien bei dem Beben obdachlos geworden. Die Regierung hatte bisher von etwas mehr als 100.000 Obdachlosen gesprochen. Unter den Menschen, die in Zeltstädten leben, wuchs unterdessen die Kritik am Krisenmanagement der Regierung. Diese räumte ein, sie sei auf eine Katastrophe dieses Ausmaßes nicht vorbereitet gewesen. Am Freitag, dem Tag des Herbstmondfestes, wehte die Flagge vor dem Präsidentenpalast in Taipeh auf Halbmast.

Selbstmordversuch nach Nachricht von Tod der Mutter

Nachdem ein 24-Jähriger erfuhr, dass seine Mutter bei dem Erdbeben umgekommen sei, unternahm der Mann einen Selbstmordversuch. Mit dem Aufschrei "Mutter, ich will bei dir sein" übergoss er sich mit Benzin und zündete sich an, berichtete die Zeitung "Taiwan News" am Freitag. Er erlitt Verbrennungen vom Kopf bis zur Hüfte, Passanten gelang es aber, ihn zu retten. Der Mann habe dann die Ärzte angefleht, sein Leben nicht zu retten.

AP - Fotos: AP, Reuters

Geändert am 24. September 1999 13:42 von aj
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