IVWPixel Zählpixel [an error occurred while processing this directive]

Schüler sind im Bus die Verlierer

Der Transport wird oft dem billigsten Unternehmen überlassen

Mainz - Wer morgens einen Abc-Schützen mit dem Auto ohne Kindersitz zu Schule bringt, kassiert ein Bußgeld. Fährt dieses Kind mit dem Bus, darf es ungesichert im Gang stehen. Einblicke in den paradoxen Schüler- und Busfahrer-Alltag in Rheinland-Pfalz.

"Schülerbeförderung", so der bürokratische Fachbegriff, ist vom Bundesverkehrsministerium klar geregelt: Die Busse sollten eindeutig als Schulbusse gekennzeichnet sein und zusätzliche Blinkleuchten haben. Die Fahrer sollten geschult sein und sich durch "ruhiges und besonnenes Verhalten" auszeichnen. Die Kinder sollten möglichst sitzend und angegurtet transportiert werden. Wenn schon Stehplätze belegt werden, sollten die Kinder Haltegriffe in ihrer Reichweite finden.

Geschubse, Gerempel und Gerangel

Das klingt alles ganz gut. Doch scheint dieser Anforderungskatalog in Rheinland-Pfalz nicht das Papier wert zu sein, auf dem er gedruckt ist. Schülerbeförderung in Rheinland-Pfalz ist Stress für Schüler und Busfahrer. Gedrängel an den Haltestellen. Geschubse und Gerempel beim Ein- und Aussteigen. Gerangel beim Kampf um Sitzplätze. Von Anschnallmöglichkeiten, die beispielsweise in neuen Reisebussen vorgeschrieben sind, aber fehlen, ganz zu schweigen.

Und dann gibt es da noch aggressive Schüler, die die Sitze aufschlitzen, den Fahrer beschimpfen und Schulkameraden drangsalieren. Autofahrer, die an haltenden Bussen vorbei rasen und die Kinder gefährden. Und genervte Busfahrer.

Da dürfen Busse schon mal 15 Jahre alt sein

Der Verband des Omnibusgewerbes im nördlichen Rheinland-Pfalz, der Landeselternbeirat, der ADAC Mittelrhein, der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und das Institut für Straßenverkehr in Köln machen den Kommunen denselben Vorwurf: "Bei der Auftragsvergabe für den ÖPNV und die Schulbusse bekommt das billigste Bus-Unternehmen den Zuschlag." Da dürfen Busse schon mal 15 Jahre alt sein. Und dass Kreisverwaltungen speziell geschulte Busfahrer zur Bedingung machen, ist die absolute Ausnahme, berichtet Axel Zickenheiner, der für etwa 150 Bus-Unternehmer im nördlichen Rheinland-Pfalz spricht.

In die gleiche Kerbe schlägt der Verband des Verkehrsgewerbes Rheinland: Dem Vorsitzenden Hans-Wilfried Richter ist es beispielsweise völlig unverständlich, warum manche Landkreise noch nicht einmal den Personenbeförderungsschein des Fahrers verlangen, wenn sie Schulbusse mit weniger als acht Sitzplätzen bestellen. "Ich darf morgens einfach so behinderte Schüler im Kleinbus durch die Gegend fahren. Aber wenn ich abends Besoffene im Taxi mitnehme, muss ich den Schein vorlegen. Das ist absurd", findet Hans-Wilfried Richter.

Von Andrea Djifroudi, RZ

Geändert am 28. September 1999 10:57 von aj
Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Nachrichten-Überblick Newsticker mit dpa-Kurzmeldungen Aktuelle Wetter-Vorhersage Haitzinger-Karikatur Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage