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Web- statt Buchseiten: Schriftsteller zieht es ins Internet
SeitenwechselHamburg - Die Literaten zieht es zunehmend in den Cyberspace. Bestand Online-Literatur noch vor wenigen Jahren vor allem aus den spontanen Ergüssen von Freizeitdichtern und den Werken von Klassikern, die so alt sind, dass für sie kein Copyright mehr gilt, ist inzwischen eine Reihe von namhafteren Autoren im Internet vertreten. Zwar ist manches, was an Dichtkunst auf den Monitoren erscheint, noch Bastelarbeit, doch der Drang von Berufsschreibern, sich über das neue Medium mitzuteilen, ist unverkennbar. Patchwork-LiteraturDie Regisseurin und Schriftstellerin Doris Dörrie etwa hat mit anderen Internet-Surfern an einer Fortsetzungsgeschichte mitgeschrieben. Autoren wie Joseph von Westphalen und Matthias Politycki machten bei einem "Novel-in-progress"-Projekt der ZDF-Sendung "Aspekte" mit, bei der ein Fortsetzungs-Roman online entstand. Und die österreichische Schriftstellerin Marlene Steruwitz unterrichtet Nachwuchsautoren sogar im Cyberspace - über den Server der "Schule für Dichtung". Sternenleser
Eine Anthologie junger deutscher Literatur soll im Internet unter dem Projektnamen "Null" entstehen. Initiator des Projekts ist Thomas Hettche, selbst Schriftsteller und Träger des Robert-Walser-Preises. Wer die Homepage anklickt, sieht eine Sternenkarte vor sich, die Sterne haben Namen, hinter denen sich Beiträge einzelner Autoren verbergen - etwa von Burkhard Spinnen oder John von Düffel. Befreiung vom linearen Erzählen?Auffallend an der Netz-Literatur ist allerdings, dass sich ein Trend nicht durchzusetzen scheint, der lange Zeit vorausgesagt wurde: So genannte Hypertexte, die die Möglichkeit bieten, sich über Links ständig in neue Richtungen zu klicken, dominieren die gegenwärtige Online-Literatur nicht. Adaption der StrukturenWas als "Befreiung vom linearen Erzählen" gepriesen worden sei, als die Chance, Texte ohne Anfang und Ende zu schreiben, habe sich bislang nicht durchgesetzt. Im Gegenteil: Die Zahl derer sei gewachsen, die solches Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Textteilen schlicht uninteressant finden. Eine neue, in der Geschichte des Buches nie da gewesene Literaturform ist bisher nicht entstanden. gms - Grafik: Red.
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| Geändert am 29. September 1999 16:22 von mwege | |||||||||||||||||