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Angeblich falsche Kunst unterm digitalen Hammer

Rembrand oder nicht?

Hamburg/Berlin - Das per Internet-Auktion angebotene Rembrandt-Gemälde "Die Beschneidung Christi" ist nach einem Bericht des Magazins "Stern" vermutlich eine Fälschung. Das Werk habe schon Ende der 80er Jahre ganz oben auf einer Liste dubioser und gefälschter Bilder gestanden, die das Dezernat "Kunst und Antiquitäten" im Landeskriminalamt Baden-Württemberg führe.

Der Online-Anbieter ebay wies die Vorwürfe zurück. Mehrere Gutachten namhafter Kunstsachverständiger hätten die Echtheit des Bildes bescheinigt.

Kein Käufer in Sicht

Die Deutschland-Tochter des weltgrößten Internet- Auktionators eBay bietet das Bild für 29 Millionen Mark an. Sie arbeitet dabei mit der Gemäldebörse zusammen, die Galerien im Internet vertritt und auch selbst Kunst verkauft. ebay betonte, man sei nicht Anbieter des Gemäldes, sondern schaffe lediglich eine technische Online-Plattform. Betreiber der Gemälde- Börse sei die PDM Computer GmbH, die wiederum im Auftrag eines Verkäufers tätig sei, der anonym bleiben wolle. Bis zum Mittwoch nachmittag war noch kein Gebot in der seit vergangenen Freitag laufenen Internet-Auktion eingegangen.

Gutachten von "falschem Professor"

Das Bild ist nach Darstellung des "Stern" erstmals 1986 ins Visier der auf Kunstdelikte spezialisierten Fahnder geraten, als es für zwei Millionen Mark auf dem "grauen" Kunstmarkt angeboten wurde. Zu den Kunsthistorikern, auf die sich eBay beruft, gehört unter anderem Emeran Wallner. Wallner ist aber laut "Stern" ein "falscher Professor und ein alter Bekannter der Polizei". Demnächst müsse er sich vor dem Landgericht Frankfurt verantworten, weil er in eine Millionen- Hehlerei mit alten Büchern verwickelt sein soll.

eBay hält Bild weiterhin für echt

eBay erklärte dazu, selbst wenn das Gutachten von Wallner zweifelhaft sein sollte, ändere dies nichts an der Meinung von vier anderen Experten, die allesamt die Echtheit des Gemäldes bescheinigt hätten. Auch die Herkunftsgeschichte des Bildes sei glaubwürdig. Angesichts dieses Sachverhaltes, von dem sich ebay vor Beginn der Versteigerung überzeugt habe, habe es keine Veranlassung gegeben, die Anfrage der Gemäldebörse für die Versteigerung abzulehnen.

dpa

Geändert am 30. September 1999 16:31 von mwege
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