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1860 München - Arminia Bielefeld 5:0 (1:0)

Dem Schützenfest folgt die Kampfansage

München - Dem Schützenfest folgte die Kampfansage vom "König der Löwen". "Ich denke, dass wir eine Mannschaft haben, die auf Dauer vorne mitspielen kann", tönte Thomas Häßler nach dem 5:0 (1:0)-Kantersieg von 1860 München gegen den dezimierten Aufsteiger Arminia Bielefeld.

Während die Achterbahnfahrt der Sechziger in der Fußball-Bundesliga in der Spitzengruppe vorübergehend sogar auf Platz vier Station machte, bleibt Bielefeld im Mittelfeld der Tabelle.

Lorant: "Die Tabelle interessiert mich nicht"

Nach zwei Spielen ohne Tor und bis dahin nur sieben Treffern in sechs Partien schossen sich die "Löwen" am Freitagabend den Stress der letzten Wochen von der Seele und landeten den höchsten Sieg seit dem 6. April 1996. Damals hatte der TSV 1860 5:0 gegen den Hamburger SV gewonnen. Dennoch warnte Trainer Werner Lorant: "Die Tabelle interessiert mich nicht. Die schaue ich mir erst nach 34 Spieltagen an."

Weil die Münchner zuletzt so enttäuscht hatten, wollten sich nur 25.000 Zuschauer die Partie im Olympiastadion anschauen - so wenig wie seit dem 20. Dezember 1997 nicht mehr, als 24.500 Zuschauer das 0:1 gegen Werder Bremen sahen. Und das, obwohl der Freitag zum "Tag der Löwin" auserkoren wurde und alle Frauen freien Eintritt hatten.

Wer nicht kam, war selber schuld

Die Daheimgebliebenen verpassten eine Menge. Zum einen die Treffer durch Goalgetter Martin Max (22. Minute und 67./Foulelfmeter) - er erzielte seine Saisontore Nummer vier und fünf - Häßler (61.), Roman Tyce (71.) und Paul Agostino (89.). Zum anderen den Platzverweis für Dirk van der Ven (28.), der nach einem Handspiel im Strafraum von Schiedsrichter Michael Weiner (Ottenstein) die 700. Rote Karte der Bundesliga-Geschichte sah.

Doch damit nicht genug der Höhepunkte in einer turbulenten Partie, in der Regisseur Häßler noch einen Handelfmeter (28.) verschoss. Darüber hinaus hatten die Gastgeber etliche weitere Großchancen und hätten deutlich höher gewinnen können. In Überzahl kombinierten die Sechziger phasenweise ausgezeichnet. Dem 4:0 durch Tyce ging ein feiner Hackentrick von Markus Schroth voraus. Bielefeld agierte taktisch ungeschickt und machte es den Münchnern leicht.

Arminias Manager Bruchhagen geschockt

"Das muss uns Anlass zum Nachdenken geben. Wir wussten, dass es als Aufsteiger gegen den Abstieg geht. Aber dass wir das so eindrucksvoll vorgeführt bekommen, hätte ich nicht gedacht. 1860 ist ja auch nicht unbedingt eine Spitzenmannschaft", sagte Arminias Manager Heribert Bruchhagen fassungslos.

Trainer Hermann Gerland ist jedoch nicht bange vor dem Absturz: "Ich hatte noch nie in meinem Leben vor irgendwas Angst." Sein Team, das nur sechs Tore in sieben Spielen erzielte, sei nach der Pause zusammengebrochen, weil die Spieler unbedacht nach vorn stürmten. "Und mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei geht das nicht in Unterzahl", sagte Gerland, dessen Team leichte Beute für die "Löwen" war.

"Oberlöwe" Wildmoser: "Macht euren Scheiß alleine"

Leichte Beute waren auch einige Besucher im Olympiastadion für die Ordnungskräfte. Weil eine kleine Fan-Initiative der "Löwen" mit Handzetteln und Transparenten ("Wir gratulieren! 100 Jahre Fußball bei 1860, aber ohne Heimat") für einen Umzug in das altehrwürdige Stadion an der Gründwalder Straße protestierte, schritten auf Anweisung der Gastgeber die Ordner ein. Dabei kam es auf den Rängen zu Handgreiflichkeiten.

Einem war die Freude des Abends denn auch schon vor dem Anpfiff vermiest worden: 1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser. Nur wenig Zuschauer, und dann auch noch Proteste der Fans - der "Oberlöwe" verzog sich in den VIP-Raum und schmollte vor dem Fernseher: "Macht euren Scheiß alleine, mir reicht's." Offiziell von einer Grippe geschwächt, machte er sich nach dem Spiel sofort aus dem Staub.

Jörg Kottmeier, sid

Geändert am 3. Oktober 1999 21:19 von to
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