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Beifall für Rau und Kohl:Nachdenkliches EinheitsfestWiesbaden - "Helmut, Helmut" riefen die Menschen, als der Altbundeskanzler in Sicht kam. Helmut Kohl lächelte den Rufern zu und winkte. Hunderte Besucher standen am Straßenrand, als die Gruppe der Staatsmänner, vom Bundespräsident bis zu Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer, vom Festgottesdienst in der Wiesbadener Marktkirche zum Staatsakt zur Deutschen Einheit ins nahe gelegene Kurhaus spazierte.
Meist bliebt der Beifall spärlich - richtigen Applaus ernten außer Kohl nur Bundespräsident Johannes Rau und der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU). Auch dort bekamen der Alt-Kanzler Kohl und die Jungen den meisten Beifall. Als Hessens Regierungschef und Bundesratspräsident Roland Koch (CDU) Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl für seine Verdienste dankte, applaudierten die 1000 Gäste laut und anhaltend - mehr als für Redner Gerhard Schröder. Sonst war wenig überschäumende Freude zehn Jahre nach dem Mauerfall zum neunten Jahrestag der Einheit zu spüren. In fast allen Reden und in den Gesichtern vieler Prominenter spiegelten sich Skepsis und Nachdenklichkeit. Defizite vor Augen geführtSchon beim Eröffnungsgottesdienst in der Marktkirche hatten der Limburger Bischof Franz Kamphaus und der evangelische Kirchenpräsident Peter Steinacker den Politikern deutlich Defizite auf dem Weg zur Vereinigung vor Augen geführt. Eine sozial gerechte Verteilung der Ressourcen sei bisher kaum geglückt. Mehr als vier Millionen Menschen seien ohne Arbeit. Die Zukunftsangst gerade der jungen Deutschen im Osten sei deshalb gut zu verstehen, musste sich Schröder in der ersten Kirchenbank anhören. Der Text einer Fürbitte: "Herr, gib den Politikern Mut zur Ehrlichkeit".
"Gemeinsam leben - gemeinsam feiern" lautete das Motto des Bürgerfests, das Hessen am Wochenende zur Feier des Tages der Deutschen Einheit in der Landeshauptstadt ausrichtete. Wahr wurden das Motto am Samstag Abend, als 20.000 Fans der Kölner Rock-Gruppe BAP zujubelten. Zuvor hatte das Ost-Berliner Gegenstück von BAP, die Rockgruppe "City", für Stimmung gesorgt. Gut 200.000 Besucher zählten die Veranstalter an beiden Tagen. Zentrum des Festes war die Zeltstadt der 16 Bundesländer vor dem Kurhaus. Jedes Bundesland bot seine regionalen Spezialitäten an. Weitgehend unbeachtet blieb die Gegenkundgebung eines "Antinationale Aktionsbündnisses 3. Oktober". Der Magistrat hatte den Demonstranten vorsorglich einen Platz am Rand der Innenstadt zugewiesen. Nur etwa 180 Teilnehmer hören die Rede der ehemaligen Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth gegen den "nationalen Konsens". dpa; Fotos: dpa, AP (2)
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| Geändert am 3. Oktober 1999 21:46 von jo | ||||