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Der Lübecker Brandprozess - eine Chronologie

Kiel/Lübeck - Am Dienstag endete der Prozess um den verheerenden Brand in einem Lübecker Flüchtlingsheim mit zehn Toten und 38 Verletzten in zweiter Runde mit dem erneuten Freispruch des Angeklagten Safwan Eid. Die Stationen von dem Tag, als das Heim in Flammen aufging, über die Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) bis zum Urteil in Kiel:

18. Januar 1996:

Am Lübecker Hafen geht ein Asylbewerberheim in Flammen auf: Zehn Menschen sterben, 38 werden zum Teil schwer verletzt. Die Polizei nimmt vier Jugendliche aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) fest, lässt sie einen Tag später aber wieder frei. Es bestehe kein Tatverdacht, heißt es.

20. Januar 1996:

Der Hausbewohner Safwan Eid wird unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet: Er soll in der Brandnacht gegenüber einem Rettungssanitäter ein Geständnis abgelegt haben.

29. Februar 1996:

Die Ermittler erklären, abgehörte Gespräche Eids in der U-Haft hätten den Tatverdacht erhärtet. Die Abhörprotokolle werden später vor Gericht nicht als Beweis zugelassen.

4. April 1996:

Der Frankfurter Brandsachverständige Ernst Achilles schließt nicht aus, dass das Feuer von außen gelegt sein könnte.

29. Mai 1996:

Die Staatsanwaltschaft lässt den Mordverdacht gegen Eid fallen und erhebt Anklage wegen besonders schwerer Brandstiftung und Körperverletzung.

2. Juli 1996:

Eid wird aus der Untersuchungshaft entlassen.

16. September 1996:

Der Prozess beginnt. In den folgenden Monaten werden zahlreiche Gutachter und Zeugen gehört.

4. Juni 1997:

Die Staatsanwaltschaft beantragt Freispruch für Eid - aus Mangel an Beweisen.

9. und 11. Juni 1997:

Die Nebenklagevertreter plädieren, nur ein Anwalt fordert eine Verurteilung Eids wegen Beihilfe zur Brandstiftung, vier weitere beantragen Freispruch. Ein Anwalt stellt keinen Antrag.

18. Juni 1997:

Auch die Verteidigung, die stets von der Unschuld Eids ausgegangen war, fordert Freispruch.

30. Juni 1997:

Die Jugendstrafkammer des Landgerichts Lübeck verkündet das Urteil: Freispruch für Eid und Entschädigung für die rund fünf Monate Untersuchungshaft. Zur Begründung sagt das Gericht, der Vorwurf der Anklage, Eid habe das Feuer gelegt, konnte nach Überzeugung der Kammer nicht nachgewiesen werden. In dem Verfahren seien aber Fragen offen geblieben. Das Gericht habe nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" entschieden.

7. Juli 1997:

Die Familie El-Omari legt als Nebenkläger Revision gegen das Urteil des Landgerichts ein. Die Staatsanwaltschaft gibt dagegen ihren Verzicht auf eine juristische Überprüfung des Urteilsspruchs vor dem Bundesgerichtshof bekannt.

24. Juli 1998:

Der Bundesgerichtshof (BGH) hebt überraschend den Freispruch für den Libanesen Safwan Eid auf. In der Begründung heißt es, das Landgericht Lübeck habe die Verwertung von Abhörprotokollen zu Unrecht abgewiesen. Daraus hätten sich jedoch weitere Anhaltspunkte für seine Schuld ergeben können.

3. September 1999:

Beginn der Neuverhandlung des Prozesses vor dem Kieler Landgericht.

2. November 1999:

Das Gericht verkündet erneut Freispruch, nach dem auch die Staatsanwaltschaft den Freispruch beantragt hatte.

dpa

Geändert am 2. November 1999 17:48 von aj
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