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Düsterer Gewalttrip im Kino: "Fight Club"

Brad Pitt bezieht Prügel

Brad Pitt macht es den Frauen diesmal nicht leicht. Zeigte er eben noch Loverlächeln und Waschbrettbauch, so bezieht er wenig später Prügel, bis das Blut spritzt und die Zähne im Staub landen.

Einer der bestaussehenden - und bestbezahlten - Schauspieler Hollywoods bevorzugt damit nach den Thrillern "Kalifornia" (1993) und "Seven" (1995) erneut harten Stoff. "Fight Club" gilt schon jetzt als würdiger Nachfolger von Stanley Kubricks "Clockwork Orange".

Ob diese Vorschusslorbeeren nun berechtigt sind oder nicht - der düstere Gewalttrip in der Regie von David Fincher vermag in jedem Fall nachhaltig zu verstören. Fincher schildert in zweieinhalb spannenden Stunden die verhängnisvolle Beziehung des Tyler Durden (Pitt) zum zunächst noch spießigen Ich-Erzähler (Edward Norton). Der zynische Durden reißt den braven Angestellten aus seinem monotonen Leben, indem er ihm durch den Schmerz bei Raufereien ein neues Lebens- und Körpergefühl "spendiert".

Aus willenlosen Glatzköpfen eine Untergrundarmee rekrutiert

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Schon bald lockt das immer brutalere Geprügel in einem illegalen Boxclub allerlei Desperados der Konsumgesellschaft an. Es dauert lange, bis der Erzähler Durdens wahre Pläne durchschaut - zu lange. Der charismatische Terrorist hat inzwischen aus willenlosen Glatzköpfen eine Untergrundarmee rekrutiert, die nach zunächst eher pubertären Streichen die Symbole des Staates direkt angreift.

Die Story - so beunruhigend und gesellschaftskritisch sie auch sein mag - ist nicht der eigentliche Glanzpunkt von "Fight Club". Mancher Erzählstrang verläuft im Nichts, und die Auflösung des Rätsels um die beiden gegensätzlichen Hauptdarsteller dürfte nicht nur Literaturkennern bekannt vorkommen. Doch wie Regisseur Fincher das Eindringen der Gewalt hinter die bürgerliche Fassade schildert, das hat visionäre Kraft und sogar Witz. Selten wurde effektvoller vorgeführt, wie Orientierungslosigkeit und Lebensüberdruss in den Faschismus führen können.

Großzügiger Umgang mit der Schmerzgrenze

Dabei kommen Fincher Fähigkeiten zu Gute, die er schon bei "Alien 3" und "Seven" nachwies: Rasante Kamerafahrten, Gespür für morbide Stimmungen - und ein großzügiger Umgang mit der Schmerzgrenze des Kinobesuchers. Der größte Trumpf des Regisseurs sind die hervorragenden Schauspieler. Neben Brad Pitt, der "Fight Club" als seinen bislang besten Film bezeichnete, glänzen der vielseitige Edward Norton und in der einzigen Frauenrolle Helena Bonham Carter als durchgeknallte Punk-Göre. h

Werner Herpell, dpa

Geändert am 8. November 1999 13:52 von to
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