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Gratisbier und Gratisflug:

Wer bezahlte Glogowskis Flitterwochen?

Hannover/Braunschweig - Politischer Wirbel um Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Glogowski: Mehr als ein halbes Jahr nach seiner Hochzeitsfeier und den Flitterwochen sieht sich der SPD- Politiker Vorwürfen ausgesetzt, er habe sich bei der Bezahlung der Feierlichkeiten unkorrekt verhalten. Glogowski wies die Anschuldigungen scharf zurück.

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April 1999: Gerhard Glogowski und Ehefrau Marianne tauchen im Roten Meer. Auf wessen Kosten?

Nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" soll er seinen beim Reiseveranstalter TUI gebuchten Ägypten-Urlaub erst beglichen haben, nachdem Gerüchte über eine Einladung durch den hannoverschen Tourismuskonzern im Umlauf waren. Außerdem sollen Unternehmen Teile der Hochzeitsfeier finanziert haben.

Alter Hase

"Da schmeißt jemand mit Lehm und hofft, dass etwas hängen bleibt. Ich bin viel zu lange im Geschäft, um nicht zu wissen: Als Politiker muss man besonders auf der Hut sein. Ich habe nichts zu verbergen", sagte Glogowski.

Zuvor hatte bereits TUI-Sprecher Rainer Ortlepp dementiert. "Glogowski hat selbst bezahlt, wir können das dokumentieren." Wer etwas anderes behaupte, "geht fahrlässig mit der Wahrheit um".

Die Opposition im Niedersächsischen Landtag forderte eine lückenlose Aufklärung der Vorwürfe. CDU und Bündnis 90/Die Grünen erwägen die Einsetzung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses im Landtag.

Anklicken zum Vergrößern Vor der TUI-Flagge. Das Unternehmen dementiert das angebliche Reise-Geschenk.

Der 56-Jährige und seine Frau Marianne (56) hatten am 29. März geheiratet. Für beide ist es die zweite Ehe. Die beiden sollen von der TUI vom 31. März bis 14. April zur Reise in den Robinsonclub in Hurghada am Roten Meer eingeladen worden sein. Nach dem aktuellen TUI-Online-Katalog kostet ein zweiwöchiger Aufenthalt im Robinson- Club von Hurghada mit Flug und Vollpension im Doppelzimmer pro Person 3 278 Mark. Glogowski bedauerte, dass es bei der Zahlung seiner Reise zu "zeitlichen Verzögerungen" gekommen sei: "Es war eine Last Minute-Reise. Mich hat nie jemand persönlich gemahnt. Sonst wäre es bestimmt nicht dazu gekommen."

Promis trafen sich "zufällig"

TUI-Sprecher Ortlepp sagte der dpa: "Glogowski hat den Flug - und um den geht es - zeitnah bezahlt, die Leistung vor Ort (also Hotel und Verpflegung) wurde direkt dort erbracht." Ortlepp und seine Familie waren mit dem Ehepaar Glogowski zeitgleich eine Woche auch in dem Club. "Das war reiner Zufall", sagte Ortlepp. TUI- Vorstandsvorsitzender Ralf Corsten sei ebenfalls in der Gegend zum Tauchen gewesen, habe einen Tag das Ehepaar Glogowski im Club begrüßt und sei dann weitergefahren. Glogowskis Sprecher Koerth hatte am Samstag darauf verwiesen, der Ministerpräsident habe wie üblich aus Sicherheitsgründen seine Reise über den TUI-Vorstand gebucht.

Freibier

Der Vorstand der Feldschlößchen AG, Klaus Schuberth, bestätigte der dpa, sein Unternehmen und die Wolters AG hätten bei der Feier am 15. Mai im Altstadtrathaus Braunschweigs Bier aus Werbegründen gratis ausgeschenkt. Glogowski sagte dazu, neben den beiden Brauereien habe auch die Braunschweiger Kaffee-Firma Heimbs um einen Werbeauftritt bei seiner Hochzeitsfeier gebeten. "Warum sollte ich das als Braunschweiger nicht genehmigen? Ich habe es nur gut für unsere heimische Wirtschaft gemeint. Da wurde nichts vertuscht, jeder konnte sehen, dass dies ein Werbeauftritt war", erklärte der Ministerpräsident.

"Edelsause"

Glogowski war in den 70er und 80er Jahren lange Zeit Oberbürgermeister von Braunschweig und lebt dort nach wie vor. Er gehört unter anderem dem Aufsichtsrat der Stadtwerke, der Braunschweigischen Kohlenbergwerke und der Norddeutschen Landesbank (NordLB) an. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke geriet Glogowski erst kürzlich wegen einer als "Edelsause" beschriebenen Abschiedsfeier in die Kritik.

dpa; Fotos: dpa

Geändert am 21. November 1999 19:25 von jo
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