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Ausflugziele rund um Antalya :

Traumstunden in antiken Bergnestern

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ANTALYA

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  • Antalya - Wer Antalya nur vom Strand aus betrachtet, verpasst viel. Auch wenn die Sonne vom Himmel brennt und die Strände um die südtürkische Stadt zum Faulenzen einladen, lohnt sich der eine oder andere Ausflug ins Umland, über das in der Ferne auch im Sommer die schneebedeckten Gipfel des Taurus-Gebirges wachen. Interessante Ziele sind zum Beispiel die Ruinenstädte Perge, Aspendos und Side in den fruchtbaren Küstenebenen Pamphyliens.

    Schon im Taurus, rund 35 Kilometer nördlich von Antalya, liegt Termessos, ursprünglich eine Festung des antiken Volkes der Pisider, eingebettet zwischen steil aufragenden Gipfeln. Die letzte Wegstrecke in den Ort lässt sich nur über eine gewundene Gebirgspiste zurücklegen. Die Autofahrt endet auf einem Parkplatz an den überwucherten Ruinen der römischen Unterstadt. Der Weg hoch zur Festung führt über rutschige Pfade und verlangt eine gute körperliche Kondition. Wolken quellen aus der Schlucht herauf und drängen sich um die Bergflanken. Aus dem Dunst treten langsam die Konturen griechisch-römischer Ruinen hervor.

    Wie ein Adlernest über dem Abgrund

    Das spektakulärste Bauwerk ist ein Theater, das wie ein Adlernest über dem Abgrund sitzt. Es wird von Steilwänden überragt. Nicht minder eindrucksvoll ist die Totenstätte mit ihren übereinander gestürzten Riesensarkophagen. Es muss für die pisidischen Handwerker Schwerstarbeit gewesen sein, die reliefverzierten Sarkophage herzuschaffen und aufzustellen. Die Festungsstadt liegt so da, wie sie vermutlich nach einem Erdbeben von ihren Bewohnern verlassen wurde. Die wenigen Besucher bleiben bis zum Mondaufgang, um im Theater eine Kassette mit klassischer Musik abzuspielen.

    Die Teilstrecke der Europastraße 24 von Antalya nach Burdur, einer der wichtigsten Verbindungswege zwischen der Küste und Inneranatolien, mündet von der Autobahn in eine kurvenreiche, unfallträchtige Gebirgsstraße. An der Seitenstraße nach Isparta liegt oberhalb des Städtchens Aglasun die Bergfestung Sagalassos. Über eine steile, ungeschützte Piste geht es aus dem Flusstal hinauf in 1700 Meter Höhe.

    Im Jahr 333 gewann Alexander der Große

    Ebenso wie Termessos war auch Sagalassos eine pisidische Hochburg. Alexander der Große vermochte sie erst nach schweren Kämpfen im Frühjahr 333, dem Jahr der "Keilerei von Issos", einzunehmen. Unter römischer Herrschaft hatte Sagalassos eine stattliche Thermenanlage mit einem Nymphäum, einem Brunnenhaus, das den griechischen Naturgottheiten gewidmet war. Auch ein Odeon, in dem Feste gefeiert wurden, sowie ein Theater standen hier. Seit 1990 sind Archäologen damit beschäftigt, das Trümmerfeld freizulegen und die alten Bauwerke zu rekonstruieren.

    Disteln, Feigenbäume und Oleander

    Noch unberührt ist das imposante Halbrund des Theaters. Erdbeben haben die Sitze zu beiden Seiten durcheinander geworfen, aber die Mitte intakt gelassen. Disteln, Feigenbäume und Oleander sprießen aus den Ritzen. Von den Rängen schweift der Blick zu pisidischen Felsgräbern in den steilen Bergwänden und hinunter in das weite, fruchtbare Tal.

    Zurück an die Küste geht es ostwärts in Richtung Alanya. Nahe der Nationalstraße 400 liegen die antiken Städte Perge und Aspendos - beliebte Ausflugsorte mit Restaurants, Souvenirständen, Juwelieren und Teppichläden. Und man spricht Deutsch: Auf Reklameschildern heißt es "Filterkaffee", "Butterkartoffeln" oder "Wir haben einen schönen Biergarten". Auch japanische und kyrillische Schriftzeichen sind zu sehen.

    Vom Tourismus völlig vereinnahmt: Side und seine römischen Ruinen

    In Perge klettern Besucher auf Säulenstümpfe, Kapitelle und Architrave, um für Fotos zu posieren. Allen Appellen zum Trotz wird Abfall auf den Ruinenfeldern liegen gelassen. Vor dem erstaunlich gut erhaltenen, rund 15 000 Zuschauer fassenden Theater von Aspendos parken einige Dutzend Busse. Vom Tourismus völlig vereinnahmt sind auch Side und seine prachtvollen römischen Ruinen: Aus dem einst bescheidenen Dorf wurde ein riesiger Basar, und an seinen Hotelstränden herrscht internationaler Badebetrieb.

    Das antike Bergnest Selge hingegen ist den meisten Türkei-Besuchern unbekannt. Früher schien es unerreichbar, zumindest mit dem Auto. Jetzt steht an einer Abzweigung der Küstenstraße ein Schild: "Selge 55 Kilometer". Ungefähr zwei Drittel des Weges wurden inzwischen ausgebaut. Den Rest sollte man per Vierradantrieb oder auf Schusters Rappen zurücklegen.

    Kühe und Ziegen zwischen Zeus-Tempels und Artemis-Heiligtums

    Die Häuser in Selge haben noch ihren alten Charakter, vielfach sind sie mit großen, teils freistehenden Veranden ausgestattet. Frauen und Mädchen tragen trachtenartige Gewänder, sitzen hinter Webstühlen, backen Fladenbrot auf erhitztem Stein oder hocken Wäsche waschend am Fluss. An die Gegenwart erinnern nur die Schulgebäude mit dem obligaten Atatürk-Denkmal. Auf einer Hochebene taucht unvermittelt das Theater von Selge auf. Und zwischen den Ruinen eines Zeus-Tempels und eines Artemis-Heiligtums weiden Kühe und Ziegen, Bauern treiben ihr Vieh über die hoch gelegene Agora. Frauen mit Reisigbündeln auf dem Rücken ziehen durch das antike Stadttor.

    Laut Sage siedelten hier Flüchtlinge aus Troja an

    Laut einer Gründungslegende hatten sich Flüchtlinge aus Troja in diesem Bergwinkel angesiedelt. Länger als die Küstenstädte konnte Selge seine Unabhängigkeit bewahren. Man betrieb einen einträglichen Transithandel, vorwiegend mit Wein, Weihrauch, Harz und anderen wohlriechenden Essenzen.

    Aus den Wäldern des Taurus kam damals auch das Bauholz für die Schiffsflotten antiker Völker. Wie an vielen anderen archäologischen Stätten der Türkei bleibt in Selge noch ein weiteres Feld für Ausgrabungen und geschichtliche Spurensuche. Und den Besuchern ermöglicht Selge eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit.

    Hans Dieter Kley, dpa

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