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Zwischen Eisschollen und Pinguinen: Kreuzfahrt in der Antarktis

Statt Sonnenbad und Hitze: Entdeckertour in Eiseskälte

Antarktis

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Port Lockroy - Stahlblaue Zinnen und Türme erheben sich bis zu 60 Meter aus dem eiskalten Wasser. In Schlauchbooten nähern sich die Touristen, vermummt in schützende, leuchtend rote Parkas und ausgerüstet mit Rettungswesten und Gummistiefeln. Je näher sie der Eiskulisse kommen, desto bedrohlicher wird das Knacken und Knirschen im blaugezackten Koloss.

Manchmal gibt es einen Ohren betäubenden Knall, und ein Brocken von der Größe eines Einfamilienhauses stürzt in die See. Der Gletscher kalbt - ein faszinierendes Naturerlebnis. Die Antarktis ist der entlegenste, der kälteste, der windigste, der niederschlagärmste und damit der lebensfeindlichste Kontinent der Erde. Während andere Urlauber sich zur gleichen Zeit in der Sonne baden, suchen manche Reisende aber gerade hier im ewigen Eis Erholung vom Alltag. Nur im kurzen antarktischen Sommer mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt - in der Zeit von Dezember bis März - besteht dabei überhaupt die Chance zu einer Reise an das "weiße Ende der Welt", das rund 17 000 Flugkilometer von Deutschland entfernt liegt.

Mit dem Kreuzfahrtschiff zum weißen Ende der Welt

Direkt angesteuert wird die Antarktis jedoch nicht - die letzte Etappe wird zumeist an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zurückgelegt. Touren zum südlichen Ende der Erde haben unter anderem die "MS Bremen" und die "MS Hanseatic" von Hapag-Lloyd in Hamburg, die "MS Vistamar" von Plantours und Partner in Bremen sowie die "MS World Discoverer" der US-Reederei Society Expeditions im Programm. An Bord gehen die Gäste dabei in auf den Falklandinseln oder in Ushuaia in Argentinien, der südlichsten Stadt der Welt.

Acht Meter hohe Wellen stellen den Reisenden auf die Probe

Zwei Tage dauert die Überfahrt von den Falklandinseln durch die 800 Seemeilen breite Drake-Passage, eine als besonders stürmisch bekannte Wasserstraße. "Der Seegang in diesem sehr stürmischen Meer machte bei Wellen bis zu acht Metern Höhe und mehr so manchem zu schaffen und jede Mahlzeit zu einem Reaktionstest", notiert der Kapitän im Logbuch. Doch die bedrohlich wirkenden Schlingerbewegungen des Schiffs sind bei den Passagieren schnell vergessen, als ein erster Tafeleisberg als Vorbote der Antarktis auftaucht.

Wie riesige Diamanten

Bis zu 100 Meter ragen diese Giganten, Bruchstücke des Eisschelfs, aus dem Wasser. Scheint die Sonne, glitzern sie wie geschliffene Diamanten. Peitscht der Sturm dunkle Wolken, treiben die haushohen Eisberge dagegen wie schmutzig-graue Brocken in der aufgewühlten See.

Faszinierende Teierwelt

Bald sind am Horizont dunkle Punkte zu erkennen - die Küste von King George Island. Wenig später entdecken die Passagiere auch den leicht verschneiten Vulkankegel von Penguin Island. Lektoren hatten sie an Bord auf die Landausflüge eingestimmt und über die Geologie, das Klima und die faszinierende Tierwelt informiert: Hunderttausende Pinguine leben hier, dazu Robben, Wale und Seevögel. "Nichts hinterlassen, nichts mitnehmen und mindestens fünf Meter Abstand von den Tieren einhalten" - diese Regeln zum Schutz des empfindlichen Ökosystems haben ihnen die Experten mit auf den Weg gegeben.

Interessiert im schwarzen Frack

Wellen von mehr als drei Metern Höhe machen die Anlandung zunächst unmöglich. Aber am Nachmittag ist es soweit: Mit Zodiacs - so heißen die Landungsboote - geht es auf die Küste zu. Am Strand steht eine Hundertschaft schwarzbefrackter Zügelpinguine zur Begrüßung bereit. Interessiert beobachten sie die Besucher, die in hohen Stiefeln unbeholfen an Land waten. Am liebsten möchten sie die possierlichen Pinguine streicheln, doch die Lektoren achten darauf, dass niemand den Tieren zu nahe kommt oder ihnen den Weg zum Meer abschneidet. Die Pelzrobben dagegen, die kurz darauf auftauchen, brüllen lautstark und machen den Touristen damit schnell klar, wie weit sie gehen dürfen.

An unbemannten Forschungsstationen vorbei

INFO-KASTEN: Antarktis-Kreuzfahrten

Internet: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten
Plantours und Partner
Society Expeditions

Am folgenden Tag geht es schon im Morgengrauen los. Im Errera-Kanal zwischen dem antarktischen Festland und Ronge Island ziehen bizarre Eisberge im Morgendunst vorbei. Schon während des Frühstücks werden die ersten Minkewale gesichtet. An der Paradise Bay reißt die Wolkendecke auf und gibt nach und nach den Blick frei auf die Berggipfel. Ein Aufstieg auf eine kleine Anhöhe hinter der unbesetzten argentinischen Forschungsstation Almirante Brown wird mit einem herrlichen Panoramablick belohnt.

Wale zum Greifen nah

Am Nachmittag des gleichen Tages führt eine Zodiac-Tour zu den Königskormoran-Kolonien auf den von Flechten, Moosen und Mineralien bunt gefärbten Felsen. Eisflöße und Eisberge spiegeln sich im glatten Wasser. Auf einer Scholle dösen Krabbenfresserrobben schläfrig vor sich hin. Plötzlich tauchen zwei See-Leoparden auf und sorgen für Aufregung, weil sie den Zodiac umkreisen. Später zeigt sich ein Minkewal. Völlig begeistert sind die Insassen, als er das Boot umrundet und sogar seinen Kopf zum Greifen nah entgegenreckt.

Unermesslichkeit eines leeren Kontinents

Über den Neumayer-Kanal gelangt das Schiff schließlich nach Port Lockroy, einer kleinen Bucht an der Nordseite der Insel Wiencke. Ein Besuch auf der britischen Station, die 1944 hier für meteorologische, geologische und geographische Forschungen errichtet wurde, steht auf dem Programm. Port Lockroy dient heute als kleine Poststation mit eigenen Briefmarken. Endlich können die obligatorischen Postkarten nach Hause aufgegeben werden. Und mancher denkt dabei an Worte von Frank Hurley, der den Antarktisforscher Sir Ernest Shackleton einst als Fotograf bei seinen Expeditionen begleitete: "Nach dem Leben in der Unermesslichkeit eines leeren Kontinents wirkt die Zivilisation enttäuschend, beengt, künstlich und leer." In der Tat.

Detlef Berg, dpa

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