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Australiens Hunter Valley

Weinbaugegend zwischen Fluss und Kohle

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Australien

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  • Cessnock - Unter einem Weinanbaugebiet stellen sich die meisten Europäer wohl etwas anderes vor: Das Hunter Valley liegt an der Küste, es ist flach wie ein Topfdeckel, und außerdem ist es eines der größten Kohlereviere Australiens. Und doch werden hier im Tal des Hunter-Flusses Dutzende von Weinsorten angebaut, die in den vergangenen Jahren zunehmend auch nach Deutschland exportiert wurden.

    Rund zwei Stunden dauert die Fahrt von Sydney ins Hunter Valley, das sich von Newcastle am Pazifik aus rund 160 Kilometer weit landeinwärts erstreckt. Die Küstenautobahn endet in Maitland, es folgt ein Stückchen auf der Landstraße. Eine letzte Hügelkette, dann liegt unten das breite Tal. Saftig grüne Weiden wechseln mit kleinen Waldstücken. Nur Weinberge sucht das Auge vergebens - die Reben wachsen in langen Reihen auf Feldern. Es sind ganz im Wortsinne eben "Vineyards" - zu Deutsch: Weingärten.

    Kohle bei Sträflingsjagd endeckt

    Noch vor gut 200 Jahren breitete sich im Hunter Valley eine undurchdringliche Wildnis aus. Auf der Suche nach entlaufenen Sträflingen durchstreifte 1792 ein britischer Leutnant das Gebiet. Bei einer Rast entdeckte er zufällig einen schwarzen Stein: Kohle. In der Folge hielten Bergbau und Holzindustrie Einzug, aber auch Bauern ließen sich an den fruchtbaren Ufern des Hunter River nieder.

    Weinstöcke aus England

    Um 1830 brachte der Schotte James Busby die ersten Weinstöcke aus England mit. Dabei, so wird erzählt, verfolgte er auch pädagogische Ziele: Der Rebensaft sollte dem "teuflischen" Rum Konkurrenz machen, dem Lieblingsgetränk der raubeinigen Pioniere in New South Wales. Und schon bald sprach sich herum, welch guter Tropfen sich auf der schweren rötlichen Erde in der Flussniederung anbauen ließ: Im Laufe des 19. Jahrhunderts ließen sich Dutzende von Winzern im Tal nieder.

    Heute gibt es gut 70 Weinbaubetriebe im Hunter Valley, vor allem in der Pokolbin-Region nordwestlich des Hauptortes Cessnock. Zu Namen aus der Pionierzeit wie Lindemans, McWilliams und Wyndhams sind Betriebe wie Bimbadgen oder Rothbury Estate hinzugekommen. Sie alle bieten neben Führungen durch Felder und Keller auch Weinproben an.

    Roter "Shiraz" und viele Weißweine

    "Hauptsächlich werden hier Semillon und Chardonnay angebaut", erklärt Martin Lorenzen von der Mount Pleasant Winery, einer der größten und ältesten des Tales. Doch auch andere Weißweine wie Sauvignon Blanc, Verdelho und Gewürztraminer finden sich im Hunter Valley. An Rotwein bietet das Tal vor allem "Shiraz", wie die in Europa als Syrah bekannte Traube hier heißt. Für den Export wird der schwere Wein allerdings oft mit dem leichteren Cabernet Sauvignon verschnitten, der ebenfalls im Hunter Valley zu Hause ist.

    Wie es sich für echte Australier gehört, haben sie das europäische Erbe praktisch und unkonventionell weiter entwickelt: So wird etwa Sparkling Wine getrunken, sprudelnder Rotwein. "Den servieren wir an heißen Tagen eisgekühlt", sagt Wolfgang Grimm. Der in Österreich aufgewachsene Hotelmanager aus Sydney hat sich vor einigen Jahren mit einem eigenen Weinberg im Hunter Valley einen Lebenstraum erfüllt.

    Wochendend-Ausflug ins Hunter Valley

    Mittlerweile können Gäste in "Grimm's Domain" auch wohnen - wie überhaupt so mancher Winzer in der Hauptweinregion Pokolbin nordwestlich von Cessnock nebenbei ein Ferienhäuschen betreibt. Aus Holz gebaut und mit einer breiten Veranda umgeben, liegen sie oft direkt zwischen den Weinstöcken. Doch auch außerhalb der Felder finden sich mittlerweile viele Resorts und Hotels, die sich, oft in schöner Lage, unaufdringlich in die Landschaft einfügen.

    INFO-KASTEN: Australien

    Informationen: Tourism New South Wales, Herzogspitalstraße 5, 80331 München (Tel.: 089/23 66 21 61, Fax: 089/260 40 09)
    sowie im Internet:
    http://www.hunter-region.org.au.

    Besonders die Einwohner Sydneys kommen am Wochenende häufig ins Hunter Valley, um Wein zu probieren, zu reiten oder einfach nur ein Picknick zu veranstalten. Rund um das Tal finden sich Naturparks. Im Waragan State Forest etwa geben Zedern, Baumfarne und zahlreiche andere Pflanzen einen Eindruck der ursprünglichen Wälder Australiens.

    Von diesem aufkeimenden Tourismus profitieren auch die kleinen Orte der Region. Sie erinnern oftmals noch an die Vergangenheit des Kohlenbergbaus, der sich inzwischen längst in den Norden des Hunter Valleys verlagert hat. In Kitchener etwa, nahe dem Hauptort Cessnock, erhebt sich noch ein großer "Puppethead" - ein Förderturm - über einer alten Mine, die inzwischen ein Museum ist.

    Im Schatten des Hunter Rivers

    Die idyllischste Siedlung ist jedoch das Landstädtchen Morpeth. Wären nicht die vielen Autos, fühlte man sich hier in die dreißiger Jahre versetzt: Sandsteinvillen und Holzhäuser mit Giebeln und Erkern säumen die Hauptstraße, dahinter schlängelt sich der Hunter River durch grüne Auen. Und in einem Antiquitätengeschäft findet sich ein gerahmter Spruch des Weinbau-Gründers James Busby: "Der Mann, der unter dem Schatten seines eigenen Weinstocks sitzen kann...und nicht die größte Freude verspürt, ist unfähig zum Glück und weiß nicht, was das Wort bedeutet."

    Thomas Kärst, dpa

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