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Unterwegs im Grampians Nationalpark

Mit dem Känguru auf Du und Du

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Grampians Nationalpark in Bildern

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  • Die Jagd ist eröffnet, für 80 Graukängurus gibt es kein Halten mehr. In weiten Sätzen hoppeln sie los. Robert Barber gibt Gas und beschleunigt den Geländewagen, fährt fast eine Minute lang parallel zu den Beuteltieren. "Klick, klick, klick", rattern die Fotoapparate. Doch plötzlich kreuzen die Kängurus die Piste und verschwinden im Eukalyptuswald, der hier an den Westausläufern des Grampians-Gebirges im australischen Bundesstaat Victoria das Landschaftsbild beherrscht.

    Ein paar Schnappschüsse aus dem Auto heraus - mehr war nicht drin für die Urlauber, die mit Robert Barber von der Farm Glenisla Homestead aus zur Fotosafari gestartet sind. Die Barbers bieten dort "Farmstay" an: Übernachtung mit Vollpension und Familienanschluss.

    Wenige Touristen - dafür aber Kängurus, Emus und Koalas

    Der Fahrer lässt den Wagen ausrollen und schiebt seinen Lederhut in den Nacken. "Was für eine große Herde", schwärmen seine Begleiter. Doch Robert Barber schüttelt den Kopf und winkt mit einer lässigen Geste ab. "Völlig normal", sagt der 42-Jährige. "Der Westen der Grampians ist schließlich einer der besten Plätze für die Tierbeobachtung in Victoria und vielleicht sogar in ganz Australien." Aus diesem Grund seien auch so oft Fernsehteams zu Besuch. "Normale" Touristen kämen seltener - "Gott sei Dank", brummt Barber. Denn nur deshalb ließen sich Kängurus, Emus und Koalas ungestört beobachten.

    Westen und Süden der Grampians liegen etwas ab vom Schuss. Das touristische Leben spielt sich nordöstlich in Halls Gap ab. Dort finden sich die meisten Unterkünfte und das Besucherzentrum des Grampians Nationalparks, der mit einer üppigen Tier- und Pflanzenwelt und 160 Kilometern Wanderwegen Besucher anlockt.

    Wasserfälle und faszinierende Gesteinsformationen

    INFO-KASTEN: Grampians Nationalpark

    Tourism Victoria, Bert-Brecht-Straße 5, 64354 Reinheim, Tel.: 06162/855 50, Fax: 06162/855 59;
    Internet: www.visitvictoria.com
    Australian Tourist Commission, Tel. für Broschüren: 069/95 09 61 73,
    Internet: www.australia.com
    Auskünfte zum Nationalpark auch unter www.parkweb.vic.gov.au sowie zum Museum in Ballarat unter www.sovereignhill.com.au

    Auch die meisten Attraktionen für Touristen befinden sich in der Nähe von Halls Gap. Da sind die MacKenzie-Wasserfälle, die sich von mehreren Aussichtspunkten aus bewundern lassen. Am Reed Lookout fasziniert neben dem Blick über das weite, sattgrüne Land vor allem die Gesteinsformation "The Balconies". Und vom Boroka Lookout aus erkennen Besucher gut die etwa 90 Kilometer lange Formation der drei Grampians-Bergketten.

    Robert Barber lässt den Geländewagen wieder an und steuert ihn durch lichtes Buschland. Auf dem Grund des trocken gefallenen Stausees "Rocklands Reservoir" geht es dann vorbei an Eukalyptusbäumen, die seit 50 Jahren tot sind. An den Stämmen ist gut zu erkennen, wo nach der Flutung des Sees lange Zeit die Wasserlinie stand. Die fast surreale Kulisse mit dem grauen Erdreich, aus dem stoppelige Gräser schießen, bildet einen deutlichen Kontrast zu den rotsandigen Pisten im Nationalpark.

    Menschliche Skelette und Feuersteine

    Bald ist Robert Barber dort, wo er hin will. Die letzten Meter geht es zu Fuß durch höheres Gras, bis eine Sandfläche voller Steine auftaucht. "Hier haben wir einen Lagerplatz der Aborigines", erläutert der Farmer. "Zwei menschliche Skelette hat meine Familie in den vergangenen Jahren hier schon gefunden. Und alle Steine, die am Boden verstreut sind, haben bereits die Ureinwohner hierher gebracht, die Feuersteine sogar aus 90 Meilen Entfernung."

    Das alte Sommercamp auf dem Land der Familie Barber ist eine von vielen Fundstellen in den Grampians, die von der Kultur der Aborigines erzählen. Rund 5000 Jahre lang lebten die Ureinwohner in der Region, bis 1835 die ersten weißen Siedler kamen. An mehr als 100 Stellen in den Bergen sind gut erhaltene Felszeichnungen entdeckt worden, eine ganz in der Nähe von Glenisla Homestead im Nationalpark: Der so genannte Billimina Shelter - ein großer Felsüberstand am Gebirgshang - war einst nur den Männern der Stämme zugänglich, sagt Robert Barber. Die 4000 Jahre alten Zeichnungen an der Kultstätte zeigen unter anderem Menschen, die sich an der Hand halten.

    In Sovereign Hill wird die Zeit des Goldrausches wieder lebendig

    Von Victorias Metropole Melbourne aus lassen sich die Grampians gut für Wochenendausflüge erreichen. Auch viele Rundreisende legen auf dem Weg von Adelaide nach Melbourne hier eine Pause ein oder verbinden den Abstecher in das Gebirge mit dem Besuch der Küste an der Great Ocean Road im Süden. Die alte Goldgräberstadt Ballarat ist ebenfalls nicht weit entfernt: Im Freilichtmuseum Sovereign Hill lassen dort rund 100 Schauspieler die Zeit des Goldrausches um 1850 lebendig werden.

    Während Robert Barber den Wagen wieder aus dem Nationalpark heraus steuert, geht ein kurzer, heftiger Schauer über dem Land nieder. Der Regenbogen, der sich danach über den Eukalyptuswald spannt, wäre für sich allein noch keine Attraktion - aber er bietet eine Traumkulisse für eine Herde Emus mit Jungtieren, die sich am Waldrand aufhält. Barber stoppt den Wagen. "Na, da bekommt ihr ja doch noch eine tolle Fotogelegenheit", lacht der Farmer. Bewaffnet mit Kamera und Teleobjektiv steigen die Begleiter aus und pirschen sich langsam an die scheuen Emus heran - die Jagd ist wieder eröffnet.

    Christian Röwekamp, gms

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