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Die Ruinen

Australiens Zuchthaus-Historie vor Augen

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Eingebettet in die Hügellandschaft im Südosten Tasmaniens - von der ehemaligen Strafkolonie in Port Arthur sind noch etliche Ruinen erhalten, darunter die des ausgebrannten Penitentiary.

Port Arthur - In Port Arthur wird weder gepokert noch Skat gespielt. Trotzdem erhalten alle Besucher dieser historischen Stätte in Tasmanien eine Spielkarte in die Hand gedrückt. Mit Hilfe dieses Systems - "Lotterie des Lebens" genannt - schlüpft jeder Tourist für 30 Minuten in die Rolle eines Sträflings.

Rund 12 700 Gefangene fristeten in den Jahren 1830 bis 1877 hier im Südosten der australischen Insel ihr trübes Dasein. Tasmanien hieß damals noch Van-Diemens-Land und war eine der größten Gefangenenkolonien des britischen Empire. Bis heute ist diese Zuchthaus-Vergangenheit an kaum einem Ort Australiens so präsent geblieben wie in Port Arthur.

Wegen Hühnerdiebstahls nach Australien verbannt

"Pik 10" ist kein gutes Los. Wer im Besucherzentrum diese Karte zieht, verwandelt sich im Geiste in Charles Dormer, einen Mann aus Oakingham in der englischen Grafschaft Berkshire. Dormer war schon einmal wegen Hühnerdiebstahls nach Australien verbannt worden, dann aber in die alte Heimat zurückgekehrt. 1827 aber wurde er in England erneut verhaftet, diesmal wegen Pferdediebstahls. Und die Strafe war diesmal noch härter: Dormer wurde vom Gericht als "gefährlicher Bursche" eingestuft, nach Tasmanien deportiert und dort in Ketten gelegt. In Port Arthur musste er mit den schweren Eisen an den Beinen im Akkord hohe Bäume fällen - die britische Marine brauchte Bauholz.

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Inoffizielles Wahrzeichen von Port Arthur - die Reste der Gefängniskirche gehören zum Pflichtprogramm für Besucherder historischen Stätte auf der Insel Tasmanien.

Alle diese Einzelheiten erfährt der Gast, der im Besucherzentrum der Spur der "Pik 10" alias Charles Dormer und der anderen Gefangenen folgt. Einigen Insassen der Strafkolonie erging es noch schlechter als Dormer, anderen dagegen besser, wie die interessant aufbereitete Ausstellung erläutert. So gab es in Port Arthur unter anderem eine Bücherei mit 13 000 Bänden - obwohl kaum einer der Gefangenen lesen konnte. Am schlimmsten traf es wohl die Sträflinge, die in einem 1849 bezogenen Isolationsbau in Einzelhaft einsitzen mussten.

Vom Sträflingslager zum katholischen Jungeninternat

Viele Gefängnisbauten sind zumindest als Ruinen erhalten, obwohl ein Großteil des Geländes 1895 und 1897 durch Buschfeuer zerstört wurde. Durch die Brände wurde auch der Plan vereitelt, 20 Jahre nach der Schließung des Sträflingslagers in Port Arthur ein katholisches Jungeninternat einzurichten. Zum Teil wurden die Sandsteinmauern und Ziegelbauten aber auch abgetragen, um andere Gebäude im Südosten Tasmaniens zu errichten. Geblieben sind unter anderem die Grundmauern der 1884 ebenfalls durch ein Feuer zerstörten Gefängniskirche, die zum inoffiziellen Wahrzeichen Port Arthurs geworden ist. Schon aus der Ferne eindrucksvoll wirkt auch die breite Front des so genannten Penitentiary: Von dem Bau, in dem einst 484 Gefangene lebten, stehen nur noch die Außenmauern, die wie ein steinernes Skelett erscheinen.

Port Arthur - ein Ort des Leidens und der Gewalt

INFO-KASTEN: Australien

Australian Tourist Commission (Broschüren-Tel.: 069/95 09 61 73)
Unter http://www.tourism.tas.gov.au
http://www.portarthur-region.com.au gibt es Auskünfte im Internet.

Im Eintrittspreis enthalten ist auch eine Bootsfahrt in der Bucht vor Port Arthur, bei der die "Insel der Toten" passiert wird. Dort wurden bis 1877 mehr als 1000 verstorbene Gefangene beigesetzt, größtenteils in anonymen Gräbern. Nahe des Bootsstegs am Hafen findet sich zudem eine Gedenkstätte, die an Tote der jüngeren Vergangenheit erinnert: Am 28. April 1996 erschoss ein Amokläufer auf dem weiten Museumsgelände 35 Besucher und Mitarbeiter. Erneut wurde Port Arthur damit zu einem Ort des Leidens und der Gewalt - was sich die Besucher angesichts der idyllischen Lage des Ortes zwischen den sanften Hügeln der Tasman-Halbinsel heute kaum vorzustellen vermögen.

Der Eintrittspreis für die Historische Stätte Port Arthur beträgt 19,80 australische Dollar (11,78 Euro). Es gibt Ermäßigungen für Kinder, Senioren und Studenten. Für einen Ausflug zur "Insel der Toten" werden weitere 8,80 Dollar (5,24 Euro) fällig. In der Abenddämmerung werden im Laternenschein so genannte Geistertouren veranstaltet. Die Teilnahme kostet 14,30 Dollar (8,50 Euro).

Christian Röwekamp, dpa

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