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Baltikum: Kurische Nehrung trennt Litauen und Rußland

Zweigeteilt, aber einmalig schön

Riga - Fast ein halbes Jahrhundert war sie abgesperrt, mit Raketenstellungen bestückt, für Urlauber unerreichbar: die Kurische Nehrung. Die schmale Landzunge von 98 Kilometer Länge, die das breite Kurische Haff von der Ostsee trennt, erstreckt sich von der samländischen Küste bis kurz vor Klaipeda, der ehemaligen Stadt Memel. Die alte Poststraße, auf der schon Königin Luise vor dem eroberungswütigen Napoleon nach Memel flüchtete, bildet die Brücke zwischen Rußland und den Baltischen Ländern.

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Schon Thomas Mann wußte die Dünenlandschaft zu schätzen.

 

Die berühmte Dünenlandschaft hat schon seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts Dichter und Maler, Bildhauer und zahlreiche Berühmtheiten, Naturliebhaber und Erholungssuchende in ihren Bann gezogen. Der Zweite Weltkrieg hatte dem ein Ende gemacht - vorübergehend. Jetzt hat die Region im Hinblick auf den Tourismus eine neue Chance bekommen.

Fischerstochter schüttete Dünensand aus ihrer Schürze

Der Sage nach verdankt die Nehrung ihre Entstehung der Fischerstochter Neringa. Sie wuchs zu übermenschlicher Größe heran und rettete viele Fischer vor dem tobenden Meeresgott Bangputys. In ihrer Riesenschürze transportierte sie die bedrohlichen Sandmassen zur Landzunge und schüttete sie zu Dünen auf. Soweit die Sage. Historisch gesehen bildete sich die Nehrung vor fünf- bis sechstausend Jahren zwischen den Endmoränen der letzten Eiszeit. Vor etwa 3 000 Jahren siedelten die ersten Menschen auf der kargen Landzunge, die im Laufe der Geschichte oft bedroht wurden durch Wanderdünen, vor allem nach Waldbränden und Rodungen, wenn das schützende Wurzelwerk vernichtet worden war und starke Winde ungehindert angreifen konnten.

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Bernstein wird Touristen überall günstig angeboten.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion ist die Nehrung zweigeteilt. Die westliche Hälfte gehört zu Rußland, die östliche zu Litauen, und seit 1992 ist sie insgesamt Naturschutzpark. Die meisten Besucher lassen sich sofort von der Schönheit der Landschaft einnehmen: Die hohen Dünen, die lichten Birken- und Kiefernwälder, die Vogelwarte in Rossitten, die nur aus einem Blockhaus und riesigen Fangnetzen zwecks Beringung von Zugvögeln besteht. Beschränkte Besucherzahlen, "Eintrittsgebühren" sind Schutzmaßnahmen. Fast schnurgerade verläuft die ehemalige Poststraße zwischen Königsberg und Memel, in den lichten Wäldern sind Elche keine Seltenheit.

Mitte der Nehrung ist Trennlinie zwischen zwei Welten

Die Grenze auf der Mitte der Nehrung verlangt vom Reisenden nach wie vor viel Geduld und ist zugleich eine deutliche Trennlinie zwischen zwei sehr verschiedenen Welten: Bei den Russen im ehemaligen Ostpreußen gibt es wenig Wiederaufbau, wenig Restaurierung und schlaglochgespickte Straßen: Tristesse pur, vor allem im ehemaligen Königsberg. Allerdings macht der Wiederaufbau des Domes Fortschritte. Das Grabmal des Philosophen Immanuel Kant an der Domruine hat den Krieg unbeschadet überstanden. Trostlos ist dagegen der Anblick der Betonbauruine auf dem Gelände des Königsberger Schlosses. Nach Renovierung verlangen auch die einst repräsentativen Villen, die Bombenangriffe und Granatenhagel überdauert haben.

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Nur im Bernsteinmuseum im restaurierten Festungsturm kommt echte Freude auf: Meisterwerke aus dem samländischen "Gold" werden hier in großer Zahl gezeigt. Das fossile Harz zeigt sich in seiner ungeheuren Farbenvielheit von klarem, dunklem Honig bis zu den undurchsichtigen gelben und milchweißen Varianten und in seinen zahllosen Gestaltungsformen. Die Vorräte im Erdreich scheinen unerschöpflich. Bei Palmnicken werden jährlich 600 bis 800 Tonnen Bernstein im Tagebau gewonnen.

Generalrenovierung drängt

Die riesigen Lager sind allerdings für Besucher gesperrt. Rohbernstein und Schmuck in großer Vielfalt wird dem Touristen auf Schritt und Tritt zu günstigen Preisen angeboten, vor allem in dem einst glanzvollen Seebad Rauschen mit seiner malerischen Steilküste und der starken Ostseebrandung. Allerdings gilt auch hier: Eine Generalrenovierung täte dringend Not. In Cranz dagegen ist vom einstigen Glanz überhaupt nichts mehr zu erkennen - die Spuren der Kämpfe während des Krieges sind immer noch zu sehen. Riga und Wilna - zwei Hauptstädte von ihrer besten Seite weiterblättern
 

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Zuletzt geändert am 5. April 2001 16:12 von tea