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Küstenstraßenbahn in Belgien - " Het Kusttram"

Auf Schienen zum nächsten Strand

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Eine Institution seit mehr als 100 Jahren - dieWaggons der belgischen Küstenstraßenbahn wurden allerdings inzwischen erneuert.

Mit einem hellen Klingeln setzt sich der Straßenbahnzug 122 um 15.29 Uhr in De Panne in Bewegung. Pendler sitzen auf den harten Bänken, ein paar Schüler und Touristen, die am Nachmittag mit der Fähre von England herübergekommen sind. Zweieinhalb Stunden später wird Nummer 122 die Endstation im Seebad Knokke erreicht haben.

Seit 1885 ist die "Kusttram" Nahverkehrsmittel und Touristenattraktion zugleich. Die Küstenstraßenbahn verbindet alle Badeorte der belgischen Nordseeküste.

Auf dem knapp 70 Kilometer langen Schienenweg vorbei an breiten Dünen, sandigen Stränden, wuchtigen Appartmentblocks und eleganten Hotels fährt die Kusttram 70 Haltestellen in den 13 Seebädern der belgischen Küste an.

Von Holland bis nach Frankreich

"Eigentlich verbindet unsere Tram sogar Frankreich mit den Niederlanden", erläutert Dirk Schockaert von der Bahngesellschaft "De Lijn". Beide Endstationen - De Panne im Süden und Knokke im Norden - sind per Busverkehr an die Nachbarländer angeschlossen. Von De Panne kann der Reisende bis nach Dunkerque und weiter nach Calais gelangen, und von Knokke geht es nach Norden ins niederländische Sluis und bis nach Breskens an der Westerschelde-Mündung.

1885 ging es los - eine technische Meisterleistung

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Zwischenstopp für Nostalgiker - im verträumten Seebad De Haan sind zahlreiche alte Häuser im Cottage- Stil zu bewundern.

Im Jahre 1885, als die ersten Gäste aus Brüssel und Antwerpen zum Baden an die Küste kamen, wurde bereits das erste, 15 Kilometer lange Teilstück zwischen Nieuwpoort und Oostende in Betrieb genommen. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war die komplette Linie fertig gestellt - in der damaligen Zeit eine technische Meisterleistung.

"De Kusttram" überstand alle Höhen und Tiefen der Zeit und gilt auch heute als zuverlässiges Nahverkehrsmittel. "Die einen fahren mit unseren Bahnen zur Schule oder zur Arbeit, die anderen zum nächsten Strand", sagt Dirk Schockaert.

In den beiden Ferienmonaten Juli und August, wenn hunderttausende Urlauber sich an den Stränden zwischen Knokke-Het Zoute und De Panne tummeln, brummt die Bahn besonders. "Parkplätze sind in den Badeorten knapp. Wer mit dem Auto zum Strand will, steht meistens im Stau", weiß Bahnsprecher Schockaert. Immerhin könnten - rein theoretisch - auf Grund der Kapazität von Hotels, Appartementhäusern, Ferienparks und Campingplätzen bis zu 20 Millionen Menschen an der belgischen Küsten gleichzeitig Urlaub machen.

Im Zehn-Minuten-Takt kommen im Sommer die grauen Züge angerauscht. 33 moderne Niederflurbahnen sind gleichzeitig auf dem zweigleisigen Schienenstrang entlang der Küste unterwegs. "Pro Jahr haben wir rund sieben Millionen Passagiere. Doch alleine im Juli und August befördern wir 2,25 Millionen Gäste, mehr als die Hälfte davon sind Urlauber", so Schockaert.

Tickets gelten auch für Touri-Attraktionen

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Flämischkurs überflüssig - die Warnung an den Schienen der Küstenstraßenbahn ist auch für Deutsche verständlich.

Dann sind auch die Kartenhäuschen an 40 Haltestellen zum Kauf von Fahrscheinen besetzt. Dort können die Ausflügler in der Kombination mit den Bahntickets auch gleich verbilligte Eintrittskarten für zahlreiche Freizeit-Attraktionen der belgischen Küstenorte buchen - etwa für das Sandskulpturen-Festival in Zeebrugge, den Schmetterlingsgarten des Naturschutzgebietes "Het Zwin" bei Knokke, die Vergnügungsparks Sea Life in Blankenberge und Sun Parks in De Haan, eine Bootstour durch den bedeutenden Fähr- und Handelshafen von Zeeebrugge, das Spielkasino in Middelkerke oder die Pferderennbahn von Ostende. Die farbige Broschüre "Küstenbahn-Magazin" gibt darüber in den drei belgischen Amtssprachen Flämisch, Französisch und Deutsch sowie in Englisch detailliert Auskunft.

Die Urlauber nutzen die Küstenstraßenbahn für die Tour zum nächsten Badestrand. Wenn gerade einmal kein Badewetter ist, bummeln Eltern mit ihrem Nachwuchs per günstiger Familien-Tageskarte für 18,84 Euro zwischen den beiden Endhaltestellen Knokke und De Panne hin und her.

Vorbei an Villen-Eleganz, Hafen-Krähnen und Dünen-Romantik Draußen zieht ein überaus abwechslungsreiches Panorama vorüber - von den Villen des mondänen Seebades Knokke über die turmhohen Verladekrähne an den Hafenkais von Zeebrügge, auf denen sich die riesigen Windräder bei Tag und Nacht drehen, vorbei an den gelben Sanddünen von Blankenberge bis ins verträumte Seebad De Haan, wo die nostalgische Tramstation aus der Belle Epoque an die zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts erinnert. "Coqu sur Mer" steht noch in verschnörkelten Buchstaben auf der Bahnhofsfassade.

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Einmalig in Europa - in Oostduinkerke gehen die Krabbenfischer ihrem Beruf noch hoch zu Pferde nach.

Ostende ist die größte Stadt der Küste, die Tram bimmelt sich mitten durch die City, stoppt am Bahnhof und am England-Fährterminal, bevor es auf der anderen Seite Richtung Middelkerke kilometerlang direkt am Strand vorüber geht. Durch die Türen pfeift der Seewind, bei Sturm schwankt die "Kusttram" schon mal hin und her. Oostduinkerke ist nicht nur Seebad, sondern auch die Heimat von Europas letzten Krabbenfischern zu Pferde, die aus der Brandung die frischen grauen Nordseegarnelen ernten.

Bistros und Straßencafés machen den Charme des bereits französisch geprägten De Panne aus, des Endpunkts der "Kusttram". Der 400 Meter breite und flache Strand bietet Strandseglern ein ideales Revier. Mit 120 Stundenkilometern jagen die verwegenen Sportler vor dem Wind über den Sand. Das hat hier Tradition schon seit dem Jahr 1898.

Informationen: Belgisches Verkehrsamt, Cäcilienstraße 46, 50667 Köln (Tel.: 0221/27 75 9-0, Fax 0221/270 97 77, Internet: http://www.flandern.com, E-Mail: infobelgienàt-online.de; Kusttram-Info (Tel. von Deutschland: 0032/59/56 53 53).

Bernd Meier, gms

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