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Inspirierendes Finistère in der Bretagne:

Ein Piano, das Meer und das "Ende der Welt"

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September: Das wilde Ende Europas - am westlichsten Punkt des Festlandes bei Pointe du Raz zeigt sich der Atlantik meist sehr stürmisch.

Didier Squiban ist ein überzeugter Bretone. Seine besondere Liebe gilt jedoch dem Finistère im Südwesten der Bretagne. Ein Piano, das Meer und die Küste, seine Freunde und eine Bar - mehr braucht der Künstler nicht, um sich zu seiner Musik zwischen Klassik, Jazz und keltischen Volksweisen inspirieren zu lassen. Die raue und dennoch einschmiegsame Landschaft am "Ende der Welt", dem die Römer den Namen "finis terrae" gaben, hat schon zu früheren Zeiten Künstler angeregt. Heute ist das Finistère ein entspannendes Reiseziel.

Molène, Porz Gwenn und Rozbras - eine Insel, eine Halbinsel und ein kleiner Fischerort im Finistère. Das sind die Namen von Didier Squibans musikalischer Liebeserklärung an eine Region, die sich ihre aufmüpfige Eigenheit gegen den Pariser Zentralismus immer bewahrte.

Rozbras nahe Pont-Aven ist einer der vielen idyllischen Fischerorte an der Südküste der Bretagne. An der Trichtermündung des Flusses Aven gelegen, mutet der Zulauf ins Meer - abhängig vom starken Tidenhub des Atlantiks - wie ein Fjord an. Bootswracks wecken Erinnerungen an Schmugglerzeiten. Endlos lässt es sich auf alten Zöllnerpfaden entlang der Küste mit ihrem Stech- oder Besenginster wandern. Im Unterschied zu den hohen Steilküsten im Norden ist der Süden von Armor - dem Land am Meer, wie die Kelten das bretonische Küstengebiet nannten - nicht so zerklüftet. Weit öffnen sich die großzügigen Buchten ins Meer.

Das Meer ist allgegenwärtig

Obwohl Didier Squiban über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist, blieb der Mann mit dem wettergegerbten Gesicht unspektakulär. Wie alle Bretonen ist er ein Küstenmensch, den das Leben mit den Naturgewalten Zurückhaltung und eine gewisse Bescheidenheit lehrte. Denn das Meer ist allgegenwärtig. Allein in Cornouaille im Süden des Finistère ist die Küste von Douarnenez bis Le Pouldu 399 Kilometer lang. Zwar hat die Bretagne einen regnerischen Ruf, aber tatsächlich herrscht ein angenehmes Klima mit verhältnismäßig wenig Niederschlag. Die Winter sind mild und die Sommer nicht zu heiß. Wie könnten sonst in den Vorgärten Kamelienbäume üppig blühen oder vor grauen Granithäusern malerisch Hortensienbüsche ihre Blüten entfalten?

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Aus dem Meer frisch auf den Tisch - Jakobsmuscheln gehören zu den Spezialitäten des Finistère.

"Ein beliebter Freizeitspaß der Bretonen ist das Muschelsuchen am Strand", erzählt Fremdenführerin Cathérine Grill. Allerlei Essbares kommt zusammen und wird köstlich zubereitet. Trotz vieler Krisen ist die Fischerei noch immer ein starker Wirtschaftsfaktor. Austern, Jakobsmuscheln oder eine "Plateau", ein Arrangement aus Meeresspinnen, Krabben, Langusten, Austern, Muscheln und Meeresschnecken, sind Spezialitäten der Region.

Die Seelen der Verstorbenen hören

Nicht weit von Plogoff entfernt liegt die vielbesuchte Landspitze von Pointe du Raz, das in den Atlantik ragende wilde Ende des westeuropäischen Festlandes - allen Seefahrern wegen seiner Unbilden bekannt. Inzwischen stehen hier 100 Hektar Land unter Naturschutz. Befestigte Wege und geführte Wanderungen dienen der Erhaltung der seltenen Vegetation. Die hohen Klippen sind umspült von tosenden Wellen. Es heißt auch, in der "Hölle von Plogoff" seien die Seelen der Verstorbenen zu hören.

Inspirierendes Finistère - überall finden sich Spuren des Gestaltungswillens in früheren Zeiten: Von kultischen Großsteinen - Menhiren und Dolmen - aus vorkeltischer Zeit über romanische und gotische Kirchen bis hin zu Zeugnissen tiefster Frömmigkeit, den mit festen Mauern umschlossenen Pfarrbezirken aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Die aus Granit kunstvoll gehauenen Plastiken der innen liegenden Kalvarienberge zeigen lebensnah Szenen aus der Passion. Ancou, der Tod, war hier immer gegenwärtig - ihn galt es fern zu halten und Christus zu besänftigen.

Von rauher Schönheit inspiriert: Pont-Aven war einst eine Malerstadt

INFO-KASTEN: Bretagne

Maison de la France, Westendstraße 47, 60325 Frankfurt,
Internet: www.maison-de-la-france.com

Wie filigrane Spitzenhauben der bretonischen Tracht überragen die Türme der gotischen Kathedrale Saint-Corentin die Stadt Quimper am Zusammenfluss von Odet und Steir. Trotz eines verheerenden Brandes im Jahr 1999 lohnt das altstädtische Ensemble aus Fachwerkbauten mit stark vorgebauten Obergeschossen jederzeit einen Bummel. Am Place au Beure schmecken die bretonische Nationalspeisen - süße Cr&ecicrc;pes oder pikant gefüllte Galottes aus Buchweizenteig - besonders gut.

Nicht sakrale Kunst, sondern die Suche nach naturnaher und bodenständiger Lebensweise ließ Maler wie Paul Gauguin ins Finistère reisen. Noch dem Impressionismus verhaftet, kam er 1886 von Paris nach Pont-Aven - damals Treffpunkt einer ganzen Künstlergeneration - und propagierte eine neue Stilrichtung, den Synthetismus. Das Städtchen, vom wilden Aven durchflossen, soll ehemals ein Ort mit 14 Mühlen und 15 Häusern gewesen sein. Heute lebt die Stadt von ihrem früheren Ruf als Malerstadt, wenn sie nicht gegen die reißenden Fluten des Aven zu kämpfen hat.

Alle Galeeren der Weltmeere hissten Segel aus Locronan

Um Kosten zu sparen, zog es Gauguin ein Jahr später nach Le Pouldu, ein nahe gelegenes Küstendorf. Dort fand er im Cafe de la Plage zusammen mit Kollegen Kost und Logis. Eine originalgetreue Rekonstruktion der Herberge mit ihren Hinterlassenschaften an Bildern und Wandgemälden erinnert an die Malerclique. Entlang der touristischen "Route des peintres", der Malerstraße, kann in der Kapelle von Trémalo bei Pont-Aven die Christusfigur aus dem 17. Jahrhundert besichtigt werden, die Gauguin zu seinem Bild "Der gelbe Christus" anregte.

Die intakten Patrizierhäuser und idyllischen Gassen von Locronan aus dem 16. und 17. Jahrhundert dienten Filmregisseuren immer wieder als Kulisse, unter anderem Roman Polanski für seinen Film "Tess". Reichtum erlangte das Städtchen nordwestlich von Quimper durch Tuchverarbeitung, denn fast alle Galeeren der Weltmeere hissten Segel aus Locronan. Diese reiche Vergangenheit seiner Heimat mit ihrer eigenwilligen keltischen Sprache, dem "Breiz'h" oder Bretonisch, mag Didier Squiban im Herzen haben, wenn er mit Blick auf das Meer an seinem Flügel auf der Insel Molène sitzt und sich inspirieren lässt.

Heidemarie Pütz, gms - Fotos: gms

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