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Die kleine Hauptstadt am Meer:

In Cardiff weht wieder frischer Wind

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CARDIFF

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Cardiff - Im "Cayo Mayo" ist die Hölle los. Vor dem Tresen des Pubs mitten in Cardiff drängen sich Dutzende Rugby-Fans, alle mit roten Sweatshirts und mit einem Pint "Brains Dark" in der Hand. Im nahen Millennium Stadium ist gerade ein Länderspiel zu Ende gegangen - Wales hat gewonnen, die Stadt ist im Ausnahmezustand.

Rugby hat in Wales totalen Kultstatus - und am Millennium Stadium ist das wohl am besten zu sehen. Das 1999 vollendete, futuristisch wirkende Millionenprojekt hat Platz für 72 500 Zuschauer. Klotzen statt kleckern lautet aber auch an anderer Stelle das Motto: Cardiff, seit 1955 die Hauptstadt von Wales, hat sich einiges vorgenommen. Die Bewerbung um den Status als europäische Kulturstadt 2008 läuft, und an vielen Ecken sieht es aus, als bereite sich die Stadt schon auf diese Ehre vor, obwohl die Entscheidung noch nicht gefallen ist.

Wo die Kohle verladen wird

Cardiff ist heute mit rund 300 000 Einwohnern die einzige Großstadt in Wales. Um 1800 gab es hier nur ein Fischernest. Der Boom kam mit der industriellen Revolution, als der Hafen zeitweise zu den größten der Welt zählte. Hier wurde die Kohle verladen, die die neuen Dampfmaschinen und Lokomotiven rund um den Globus anfeuern sollte. "Damals machten bis zu 1000 Schiffe pro Woche fest", sagt William O'Keefe, ein Historiker, der als Stadtführer in Cardiff arbeitet.

Nach dem Niedergang der alten Industrien ist das vorbei. Doch an der Cardiff Bay weht wieder ein frischer Wind: "Nur zwei der Docks sind noch in Betrieb", sagt O'Keefe. "Aber an vielen Stellen wird neu gebaut." In der Nähe des Pierhead Buildings aus rotem Backstein - dem ehemaligen Hauptsitz der Bute Company, die das Geschäft mit der Kohle beherrschte - entsteht das neue Parlamentsgebäude. Am neuen Opernhaus wird ebenfalls bereits gearbeitet. Keine fünf Minuten zu Fuß entfernt ist das "Techniquest", ein interaktives naturwissenschaftliches Museum, das als größtes seiner Art in ganz Großbritannien gilt.

Von "Norwegischen Kirche" bis Roald Dahl

Rund um Cardiffs Hafen sind in den vergangenen Jahren etliche Restaurants, Cafés und Hotels eingezogen - etwa das Fünf-Sterne-Haus "St. David's". Tiger Bay heißt das Viertel am Hafen noch immer - aber der Name klingt nicht mehr so wild wie früher. Shirley Bassey wurde hier geboren und startete ihre Karriere als Sängerin in verrauchten Bars. Doch statt Spelunken finden sich hier heute eher Szene-Kneipen.

Vom Mermaid Quay an der "Waterfront" aus ist am Horizont die weiße "Norwegische Kirche" zu sehen, in der Roald Dahl getauft wurde - der Schriftsteller mit dem Hang zum schwarzen Humor ist 1916 ebenfalls in Cardiff zur Welt gekommen. Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, was sich in der Gegend schon getan hat und was noch alles geplant ist, kann das im Cardiff Bay Visitor Centre am Roath Dock: Das Gebäude in Form einer silbrigen Röhre ist kaum zu verfehlen.

Historisch nicht bedeutsam - aber mit hohem Unterhaltungswert

In die Innenstadt ist es vom früheren Hafenviertel aus nicht weit. Einen wirklich alten Stadtkern gibt es nicht, aber ein Schloss - und was für eines. Es geht tatsächlich auf eine Festung aus dem Mittelalter zurück, doch erst der dritte Marquis of Bute, ein reicher Erbe und gebildeter Visionär, ließ die verfallenen Mauern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder aufpeppen. Geld spielte keine Rolle, der Architekt durfte seiner Fantasie freien Lauf lassen. Der Bankettsaal strotzt nur so vor Wandmalereien und Schnitzarbeiten. Der Dachgarten ist üppig begrünt und mit einem Springbrunnen ausgestattet, das "Arabische Zimmer" mit Zedernholz und mit viel italienischem Marmor verkleidet. Cardiff Castle mag historisch nicht bedeutsam sein, aber es hat in jedem Fall hohen Unterhaltungswert.

Zu den ersten Adressen in Cardiffs Kulturleben zählt das National Museum and Gallery im Norden der Innenstadt, direkt neben der City Hall, dem alten Rathaus. "30 Prozent der Ausstellungen sind Kunst, 30 Prozent Dinosaurier und Vögel, der Rest etwas von allem", sagt Mike Tooby, der Direktor des Museums. Abteilungen wie "Die Evolution in Wales" illustrieren Erdgeschichte auf originelle Art: Vulkane brechen donnernd aus, Saurier brüllen, Grillen zirpen, Frösche quaken - und wenn ein Tyrannosaurus plötzlich den Kopf hebt und das zahnbespickte Maul aufreißt, müssen Mütter schon einmal ihre Kinder beruhigen.

Claude Monet, Paul Cézanne, Auguste Renoir und...

Vor allem aber die Kunstsammlung hat international einen guten Ruf. "Das ist besonders Gwendoline und Margaret Davies zu verdanken", sagt Tooby, "zwei reichen Waliserinnen, die schon vor dem Ersten Weltkrieg begannen, vor allem Impressionisten zu sammeln, und sie später dem Museum stifteten." Und so hängen nun in Cardiff Werke von Camille Pissarro und Auguste Renoir gleich neben den "Wasserlilien" von Claude Monet oder Stillleben von Paul Cézanne.

INFO-KASTEN: Cardiff

Informationen: British Tourist Authority, Westendstraße 16-22, 60325 Frankfurt (Tel: 01801/46 86 42)
E-Mail: gb-info@bta.org.uk
Internet: http://www.visitbritain.de, http://www.visitwales.com

Die benachbarte Queen Street ist Cardiffs Einkaufsmeile. Viele "Locals" gehen aber auch in die für die Stadt typischen, mit Glas überdachten Einkaufspassagen. Die älteste ist die Royal Arcade in der Nähe der St. Mary Street, in der die Händler schon 1856 ihre Waren ausgebreitet haben. Heute finden sich dort Herrenausstatter, Buch- und Schmuckgeschäfte sowie Läden mit Lebensmittelspezialitäten oder Spielzeug. In der High Street Arcade gibt es auch Möbel, Schuhe und alles andere, was man anziehen kann, vor allem für jüngeres Publikum.

Pubs in Hülle und Fülle

Auch der schöne alte "Indoor Market", 1891 aus Glas und Gusseisen gebaut, lohnt einen Abstecher: Männer in weißen Kitteln und mit weißen Hüten wiegen hier Lachs, Hering, Muscheln oder Krebse ab. Schlachter bieten Geflügel, Rind und "Pastries" an, wie die typisch britischen Pasteten genannt werden. Gleich um die Ecke gibt es Haushaltswaren, Gardinen, Teppiche oder antiquarische Bücher - das Marktgeschehen ist so bunt und vielfältig wie Cardiff selbst.

Auch an Pubs herrscht in der Innenstadt kein Mangel - oft sind sie ausgestattet mit Breitbild-Leinwänden. Hier schauen sich dann die Rugby-Fans der Stadt, die keine Karte mehr für das Millennium-Stadium bekommen haben, die Übertragungen der Spiele an.

Von Andreas Heimann, dpa

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