[an error occurred while processing this directive] IVWPixel Zählpixel

Neue Tipps/Touren

Reise-Galerie

Weltkarte


Champagne:

Kultur und edler Tropfen

Anklicken zum Vergrößern
Die Kathedrale von Reims, Krönungsort der französischen Könige - eine der architektonischen Attraktionen der Champagne.

Reims - Im Steinboden der Abtei St. Remi in Reims klafft ein Loch. Nur wenige Zentimeter tief, öffnet es den Blick auf lang vergangene Zeiten: Reste eines römischen Mosaiks liegen unter dem Saal aus dem 17. Jahrhundert.

Würde man tiefer graben, gelangte man in die Steinbrüche, aus denen die Römer im vierten Jahrhundert den Kalkstein für ihre Grabstelen schlugen. Die unterirdischen Höhlen wurden später zu Kellern umgebaut. Dort lagert noch heute das Getränk, das die ostfranzösische Region weltberühmt machte: der Champagner.

Daß der Champagner aus der Champagne kommt und zwar ausschließlich dorther, darauf wird in der Region wert gelegt. Winzer aus anderen Gebieten und Ländern, die ihren Schaumwein als Champagner bezeichnen, riskieren Unterlassungsklagen. Selbst ein Parfum mußte vor einigen Jahren vom Markt genommen und neu etikettiert werden, weil es den Namen des prickelnden Luxustranks trug.

Anklicken zum Vergrößern

Der Champagner und die Champagne sind unauflöslich miteinander verbunden und bilden dennoch ein ungleiches Paar: Er ist raffiniert und verführerisch, adelig und elegant. Sie ist einfach und überschaubar, bäuerlich und schlicht. Weitgedehnte sanfthügelige Felder leuchten im Frühling in den Farben von Raps und jungem Weizen. Die Champagne ist nicht nur die Wiege des Perlweins, sie gehört auch zu den wichtigsten Kornkammern Frankreichs. Aufgelockert werden die landwirtschaftlichen Nutzflächen durch waldreiche Naturparks und Stauseen.

Angelegt wurden diese Wasserreservate, um zu verhindern, das in Paris die Seine überläuft. Heute locken der Lac du Der-Chantecoq und der Lac de la Foret d'Orient Wassersportler und Zugvögel an. Letztere legen in jedem Frühjahr und Herbst auf ihrem Flug zwischen Skandinavien und Afrika eine Rast in der Champagne ein.

Anklicken zum Vergrößern
Durch dunkle Wälder

Seit der Verwaltungsreform von 1956 besteht die heutige Region Champagne-Ardenne, die Teile der alten Provinz Champagne umfaßt sowie einen Zipfel des Ardennengebirges. Wer sich von Norden her dem Gebiet nähert, muß zunächst dunkle Wälder durchqueren, in denen Wildschweine leben. Bei Charleville-Mezieres stoßen dann die Ardennen an das Pariser Becken, das in der Champagne Falten schlägt.

Büste für das "enfant terrible"

Die Schieferdächer von Charleville verweisen auf die Verwandtschaft mit dem Rheinischen Schiefergebirge. Unter den ordentlich aufgesetzten schwarzen Kappen stehen die Bürgerhäuser an der Place Ducale in Reih und Glied. Als ein "Grau in Grau aus Stumpfsinn und Bosheit" beschrieb Arthur Rimbaud seine Vaterstadt. Charleville verzieh dem ungezogenen Sohn den Spott lange nicht. Erst nachdem in den 50er Jahren mehr und mehr Reisende nach Rimbauds Spuren suchten, setzte ein Wandel ein, und spätestens seit den Feiern zum 100. Todestag Rimbauds 1991 hat sich die Mehrheit der Städter mit dem enfant terrible ausgesöhnt.

Das Gesicht des antibürgerlichen Dichters ziert heute Andenkenteller; die Fleischer der Stadt benannten eine Pastete nach Rimbaud, und in dem kleinen Park am Bahnhof, der dem Poeten besonders verhaßt war, hat man seine Büste auf ein Podest gestellt: "Auf diesem Platz, wo um die platte Rasenöde/Bäume und Blumen stehn viereckig, maßgenau,/Stellt sich am Donnerstag die Bürgerschaft zur Schau,/Vor Hitze fast erstickt, vor Fett und Brotneid blöde."

Anklicken zum Vergrößern
Geschichtsträchtiges Sedan: Das Bild der Stadt an der Maas wird geprägt von der trutzigen Festung.

Die Zeit verwandelt alles in Tourismus. Das gilt auch für geschichtliche Ereignisse, seien sie noch so blutig, noch so tragisch. Die Maas verbindet Charleville mit Verdun, und entlang des Flusses sind Schlachtfelder und Friedhöfe zur Besichtigung freigegeben. Dort steht auch ein Baudenkmal, das sich rühmt, einst die größte Festung Europas gewesen zu sein: Sedan. Im 15. und 16. Jahrhundert baute das vom Rhein stammende Adelsgeschlecht von der Marck die Feste zu einem 35.000 Quadratmeter großen Bollwerk aus.

Zu ihrem eigentümlichen Ruhm gelangte Sedan aber erst Ende des 19. Jahrhunderts: durch die Niederlage der Franzosen im Krieg mit Deutschland 1870/71. Wenige Kilometer von der Stadt entfernt, steht in dem Dorf Bazeilles das "Haus der letzten Patrone". Dort verteidigten sich 63 Soldaten gegen eine Übermacht aus bayerischen Truppen, bis ihnen die Munition ausging.

Die Champagner-Straße weiterblättern
 

IVWPixel Zählpixel

Zuletzt geändert am 5. April 2001 13:01 von tea