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Weintouren im chilenischen Colchagua-Tal

Reben am Rand der Anden

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Chile

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  • Nur wenige Länder auf dem Globus bieten derart schroffe Gegensätze wie Chile. Einem Handtuch gleich erstreckt es sich an der Westküste Südamerikas, 4000 Kilometer lang und maximal 380 Kilometer breit. Im Norden liegt die heiße Atacama-Wüste, im Süden hingegen findet sich eine bizarre Welt aus Fels und Eis.

    Dennoch besteht Chile nicht nur aus krassen Gegensätzen. Besonders die Landesmitte rund um die Hauptstadt Santiago weist zarte Nuancierungen auf. Dazu gehört auch das Weinanbaugebiet im Colchagua Valley, rund 200 Kilometer südlich von Santiago. In der hügeligen Landschaft rund um die kleine Stadt Santa Cruz wurde vor zwei Jahren das erste Hotel eröffnet, das den gehobenen Ansprüchen verwöhnter Wein-Touristen entspricht. Auch öffnen zahlreiche Winzer ihre Tore für Liebhaber des Rebensaftes.

    Mehr als 400 Jahre ist es her, dass spanische Priester und Mönche die ersten Rebstöcke mit nach Chile brachten. Ein Abendmahl ohne Wein war für die Gläubigen nicht vorstellbar, und auch außerhalb des kirchlichen Gebrauchs trank man gern das eine oder andere Glas. Die Haltbarkeit des Flaschenweins war zu dieser Zeit noch sehr begrenzt, die Wege der Schiffe waren lang. So blieb als einzige Lösung der Anbau vor Ort.

    265 Millionen Liter chilenischen Weines gehen auf Reise um den Erdball

    Recht schnell zeigte sich, dass Geologie und Witterungsbedingungen in den Tälern rund um Santiago ideal waren. Zahl und Größe der Weingüter wuchsen, und im 18. Jahrhundert wurde der erste Wein exportiert. Der internationale Durchbruch chilenischer Weine gelang jedoch erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts: Europäische Winzer wie Baron de Rothschild aus Bordeaux und Miguel Torres aus Spanien erkannten die großen Möglichkeiten chilenischer Anbaugebiete und investierten enorme Summen in Zucht, Technik und Qualität.

    Heute ist Chile der drittgrößte Weinexporteur der Welt. Im Jahr 2000 gingen rund 265 Millionen Liter auf die Reise um den Erdball. Hinter den USA, Großbritannien und Kanada rangierte Deutschland mit knapp 17 Millionen Litern chilenischen Weines an vierter Stelle der Importländer.

    Die größten deutschen Weingüter sähen in Chile ganz klein aus

    INFO-KASTEN: Chile

    In Deutschland gibt es kein chilenisches Fremdenverkehrsamt. Allgemeine Informationen verschickt die Fluggesellschaft LanChile, Liebfrauenstraße 1-3, 60313 Frankfurt, Tel.: 069/29 80 01 33, Fax: 069/131 07 76,
    Internet: www.lanchile.com

    Kann man in Deutschland einen Winzer mit 20 oder 30 Hektar Wein bereits als relativ groß bezeichnen, sehen die Dimensionen in Chile anders aus. Mont Gras, ein Weingut mit Tradition, gehört zu den lohnenswerten Anlaufpunkten im Tal des Weines. Maria, die sachkundige Führerin auf den Spuren des Rebensafts im Colchagua Valley, betont jedoch, es gehöre mit seinen 435 Hektar eher zu den kleineren Gütern der Region.

    "Unser Boden aus Lehm und Kies bietet ideale Voraussetzungen für qualitativ hochwertige Weine", berichtet Maria beim Rundgang durch die glänzenden Edelstahltanks. Aufgrund des relativ geringen Niederschlags sind die meisten Felder mit sogenannten Tröpfelleitungen versehen.

    Experten von der Mosel halfen beim Hang-Anbau

    Besonders günstig sind die durchschnittlichen Temperaturen zwischen 14 und 32 Grad Celsius und die geschützte Lage durch die Anden im Osten und die Küste mit ihrer feuchten Luft im Westen. Bei der Fahrt durch die Weinberge lassen sich wie auf einem Lehrpfad die verschiedenen Anbauformen vom Spalier bis zum Laubengang finden. Die Bezeichnung Weinberg ist dabei eigentlich irreführend: Wein an Hängen gab es in Chile bis 1997 überhaupt nicht. Es waren Winzer von Mont Gras, die erst vor wenigen Jahren erfolgreich den Anbau am Hang probierten. Neben Spezialtechnik aus Deutschland wurden dazu auch Experten von der Mosel herangezogen.

    Außer den Tanks aus rostfreiem Stahl gibt es natürlich auch traditionelle Holzfässer. Für mehr als 5000 Fässer a 225 Liter ist Platz im großen Lager. Bis zu 24 Monate lagern die Rotweine im Fass. Spezielle Aromen wie Vanille oder Karamel sind nur so zu erreichen. Zu den Spezialitäten der Winzer im Colchagua Valley gehören neben dem Merlot und dem Chardonnay der Sauvignon Blanc und der Cabernet Sauvignon.

    Über dem Weingenuss sollte die Hauptstadt nicht vergessen werden

    Santa Cruz, der Ausgangspunkt für Streifzüge durch die Weinanbaugebiete in Colchagua, ist ein verträumtes Provinzstädtchen. Auf der Plaza de Armas sitzend, lässt sich der geruhsame Lauf der Zeit genießen. Kleine Restaurants mit vernünftigen Preisen und guten Weinen laden dazu ein, sich im Schatten großer Bäume vom "Stress" der Weingutbesichtigungen zu erholen. Der eigentliche Höhepunkt des Städtchens ist die Stiftung Cardoen. Die Sammlung gilt als das beste Privatmuseum Chiles - und natürlich kommt auch die Geschichte des Weinbaus hier nicht zu kurz.

    Wer das chilenische Weinland in Colchagua Valley als Urlaubsziel wählt, sollte einen Ausflug in die Hauptstadt Santiago nicht versäumen. Mit dem Mietwagen sind es nur knapp zwei Stunden, so dass sogar eine Tagestour möglich ist. Ob der Präsidentenpalast La Moneda, der Hügel San Cristobal oder das Barrio Paris-Londres: Besucher können in der 1541 gegründeten Stadt auf manchem historischen Weg wandern.

    Axel Scheibe, gms - Fotos: gms

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