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In Xian frönten Kaiser ihren Launen

Kleine Snacks und Größenwahn

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Chinas Geschichte auf der Spur - das Stelenmuseum von Xian ist in einem historischen Tempel untergebracht.

Xian - Bei Fast Food denken viele Feinschmecker automatisch an fette Fritten und triefende Cheeseburger - und wenden sich mit Grauen ab. Es wäre aber ebenso falsch wie ungerecht, den kleinen Snack für zwischendurch generell zu verteufeln, denn es gibt Ausnahmen. Eine besonders wohlschmeckende kommt aus China und heißt Dim Sum.

Nach der Legende entstand Dim Sum vor einem Jahrtausend in der alten Kaiserstadt Xian. Dort war der Koch des Herrschers am Verzweifeln, weil er jeden Tag etwas Neues auftischen sollte, wo der Kaiser doch schon alles kannte. Das einzige, was bislang nicht Eingang auf den kaiserlichen Speiseplan gefunden hatte, war die Küche der kleinen Leute. Und so setzte der Koch in seiner Not seinem Herrn Röllchen, Täschchen und Klößchen vor, aus Hefe-, Reis- und Weizenteig, gedünstet, gebacken, frittiert - und gefüllt mit allem, was die Speisekammer hergab: Taschenkrebse, Jakobsmuscheln, Hühnerfüße, Froschschenkel, Haifischflossen, Entenleber, Wachteleier.

Ein Häppchen, wenn der kleine Hunger kommt

Der Koch hatte Glück: Seine Majestät aß die Häppchen mit zunehmender Begeisterung und Geschwindigkeit. Der Kaiser ordnete an, ihm die Häppchen immer dann aufzutischen, wenn er Appetit auf eine Kleinigkeit habe - das Fast Food war geboren. Und weil er beim Genuss eine "herzliche Empfindung" - auf Chinesisch "Dim Sum" - verspürt hatte, wurden die Snacks kurzerhand entsprechend benannt.

Dim Sum beherrscht auch heute die Straßen Xians

Infos:

Fremdenverkehrsamt der Volksrepublik ChinaTel.: 069/52 01 35, Fax: 069/52 84 90
Internet: www.fac.de

Noch heute beherrschen die Dim-Sum-Garküchen die Straßen Xians. Fast an jeder Straßenecke der Sechs-Millionen-Metropole werden die mundgerechten Leckereien gebrutzelt, gebacken, geschmort oder in gestapelten runden Bambuskörben gedämpft. Englisch sprechende Köche wird man allerdings kaum finden. Wer Hunger hat, deutet einfach auf seine Wunschspeise und gibt mit den Fingern die Menge an. Gegessen werden die Baozi-Bällchen und Jiaozi-Teigtaschen mit Stäbchen und scharfer Sauce, vor allem zum Frühstück.

Die größte Dim-Sum-Auswahl gibt es im Moslemischen Viertel rund um die Große Moschee aus dem achten Jahrhundert, die ganz ohne Kuppeln und turmhohe Minarette auskommt und mit ihren Pagoden und Gärten eher aussieht wie ein buddhistischer Tempel. Einzig arabische Kalligrafien, eine Karte von Mekka und verschleierte Chinesinnen machen dem Fremden bewusst, in einem islamischen Gotteshaus zu sein. Weibliche Besucher dürfen das weitläufige Gelände auch ohne Schleier betreten. Die Moschee ist das geistige Zentrum der moslemischen Hui-Minderheit, die seit Jahrhunderten in und um Xian wohnt.

Wo deutschsprachige "Mao-Bibeln" zu haben sind

Das Moslem-Quartier liegt innerhalb der vollständig erhaltenen Stadtmauer und zählt zu den schönsten Vierteln Xians. In den engen Gassen werden Fladenbrote gebacken, Hühner gerupft und Fahrräder repariert. Einheimische hocken am Rinnstein, einer putzt sich die Zähne, ein paar Meter weiter schrubbt eine Frau im Mao-Anzug Wäsche in einer Schüssel. Dazwischen liegen Dim-Sum-Stände und noch mehr Souvenir- und Antiquitätenhändler. Von Mao-Büsten aus Porzellan über Aufzieh-Blechhühner und Zigaretten-Mundstücke aus Onyx bis hin zu bunten Thermoskannen ist hier die ganze Herrlichkeit des Kitsches "Made in China" versammelt. Selbst deutschsprachige "Mao-Bibeln" sind erhältlich.

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Last edited: tea 03.12.2004 16:07