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Altes Bollwerk:

Chinas Große Mauer als Grenze der Vorstellungswelt

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Chinesische MauerE

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Peking - Sie ist eines der bedeutendsten Bauwerke der Menschheit: eine gigantische Schlange, die sich aus dem Ozean erhebt, in die Ebene gleitet, Berge erklettert und Abgründe hinabstürzt.

Wer die Große Mauer in China erklimmt, der spürt lebendige Geschichte. Er meint, die heranrückenden Reiter zu hören, das Waffenklirren, das Flattern der Fahnen im Wind. Ein Gefühl der Ewigkeit, aber auch der Ordnung befällt den Besucher - vorausgesetzt, er kann sich von den Massen der Touristen lösen, die täglich die Große Mauer erklimmen.

Das Bollwerk, mit dem sich einst die bäuerliche Bevölkerung der chinesischen Hochkultur von der nomadischen Hirtenkultur abgegrenzt hat, ist heute nicht mehr den Angriffen der Mongolen, sondern der Touristen ausgesetzt. "Wer die Mauer nicht erklommen hat, ist kein Held", hat Mao Tsetung gesagt. So gehört ein Besuch auf der Mauer nicht nur zum Höhepunkt jeder China-Reise ausländischer Touristen, sondern scheint auch so etwas wie eine Pflicht zu sein für eine Milliarde Chinesen - zumindest für jene, die es sich leisten können.

Touristenmassen, Müll, Graffiti, Werbung, Schilder ...

Touristenmassen, Müll, Graffiti, Werbung, Schilder, aufdringliche Bauprojekte sowie schlecht geplante Touristenattraktionen bedrohen das "größte Freiluftmuseum der Welt", wie William Lindesay beklagt, der die Organisation "Internationale Freunde der Großen Mauer" gegründet hat. "Vor zehn Jahren war die Mauer durch ihre eigene Unzugänglichkeit geschützt." Doch der wachsende Reichtum der Chinesen, mehr Freizeit, Autos und billige Entwicklungsvorhaben der kleinen Gemeinden und Dörfer bedrohten nun die "Mauerlandschaft". Der World Monuments Fund (WMF) setzte die Mauer nahe Peking dieses Jahr auf seine Liste der 100 am meisten bedrohten Kulturstätten der Welt.

"Die Kulturlandschaft der Großen Mauer wird zerstört", warnt Lindesay. Seine Organisation versucht, ein Bewusstsein für den Schutz der Mauer bei lokalen Funktionären, Behörden, Bauern und Touristen zu wecken. Der Brite Lindesay, der 1987 als erster Ausländer allein über 2470 Kilometer Mauer gewandert ist und mehrere Bücher geschrieben hat, organisiert heute auch Begehungen über die "wilde Mauer" - und versucht dabei, Bauwerk, Natur und Tourismus in Einklang zu bringen.

Erste Wälle wurden bereits um 700 vor Christus gebaut

Die renovierten und verfallenen Mauerstücke bei Peking haben das Bild von der Großen Mauer geprägt. Doch auf ihrer langen Strecke über mehr als 6000 Kilometer von Jiayu Guan im Westen in der Provinz Gansu nahe der Wüste Gobi bis hin nach Osten ans Meer bei Shanhai Guan nimmt die Mauer viele verschiedene Formen an. Es gibt Erdwälle, einfache Befestigungen oder auch nur noch Steinreste.

In Gansu wurden kürzlich noch Ruinen von 30 Wachtürmen entdeckt, die in der Han-Zeit (206 vor bis 220 nach Christus) gebaut worden waren. Auch gibt es nicht eine durchgehende Mauer, sondern verschiedene, teils auch parallel versetzt laufende Teile. Erste Wälle wurden bereits um 700 vor Christus gebaut. In der Qin-Dynastie begann Kaiser Qinshihuang, der das Reich einte, mit dem Bau der eigentlichen Mauer. Verschiedene bereits bestehende Wälle gegen Nomaden wurden miteinander verbunden. Hunderttausende Arbeiter, darunter viele Gefangene, arbeiteten zehn Jahre lang daran.

Mauer vermittelt den Chinesen ein Gefühl der Sicherheit und Ordnung

Wie wirksam die Mauer über die Jahrhunderte war, ist umstritten. Doch war die Mauer symptomatisch für eine Kultur, die die Welt als geschlossenes Universum sieht und die Idee einer unendlichen Ausdehnung als beunruhigend empfindet. Noch heute vermittelt jede Mauer den Chinesen ein Gefühl der Sicherheit und Ordnung. Der Mongolenherrscher Dschingis Khan soll gesagt haben: "Die Stärke einer Mauer hängt vom Mut jener ab, die sie verteidigen." Doch diente die Mauer auch als Transportweg und zur Übermittlung von Nachrichten.

Der neueste und bis heute am besten bewahrte Teil ist die Mauer, die während der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) über 100 Jahre zur Verteidigung gegen Mongolenstämme gebaut wurde. Der Aufwand war enorm, ebenso die Menschenopfer. Vielleicht hat kein Bauvorhaben der Menschheit so viel Arbeit, Zeit und Material gekostet wie die Mauer der Ming-Zeit, sagen Experten. Mehrere Stellen nahe Peking sind restauriert, an anderen zeigt sie sich in ihrem verfallenen Zustand.

INFO-KASTEN: China

Chinesisches Fremdenverkehrsamt, Ilkenhansstraße 6, 60433 Frankfurt (Tel.: 069/52 01 35, Fax: 069/52 84 90)
E-Mail: info@fac.de
Internet: http://www.friendsofgreatwall.org

Vier Stunden lang über die Mauer wandern

Die meisten Touristen fahren von Peking nach Badaling, das 70 Kilometer nördlich liegt und über eine neue Autobahn erreichbar ist. Auf dem Weg können auch gleich bequem die Ming-Gräber besucht werden. Ein schöneres Mauererlebnis bietet sich etwas weiter nördlich in Mutianyu - zumindest wenn der Besucher den Touristentrubel hinter sich lässt und die Mauer etwas entlang läuft, um Stille zu finden. Beim Abstieg muss er aber Slalom zwischen lauten Souvenirhändlern laufen: "One Dollar, one T-Shirt" - gemeint ist in Kleinkindgröße mit Pandabild. Schneller geht es hier mit einer Sommerrodelbahn hinab.

Das wahre Mauergefühl bietet der Ort Simatai 120 Kilometer nordöstlich von Peking, wo es enorm steile Stellen gibt, die richtig erklettert werden müssen. Noch weniger für Touristen entwickelt ist Jinshanling: Von hier lässt es sich etwa vier Stunden lang zehn Kilometer über die Mauer nach Simatai wandern. Dort kann dann auch am leichtesten ein Taxi zurück nach Peking gefunden werden.

Andreas Landwehr, dpa

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