[an error occurred while processing this directive]

Neue Tipps/Touren

Reise-Galerie

Weltkarte


Auf den Spuren von James Bond durch Südengland:

Nordkorea liegt in Cornwall

Cornwall

Foto-Show Infos/Tipps

London - Die erste Warnung erreichte die Bevölkerung via Gemeindeblatt: Es werde demnächst an der Küste von Holywell Bay zu schweren Kämpfen kommen, wurde den Bewohnern des Städtchens Cubert in Cornwall mitgeteilt, sie sollten sich nicht sorgen und bitte Verständnis zeigen.

Schließlich handelte es sich um Dreharbeiten zum neuen James-Bond-Film "Stirb an einem anderen Tag", der am 28. November in Deutschland Premiere hat. Wer sich in England auf die Spuren des Agenten begibt, trifft auf Drehorte aus 40 Jahren Bondgeschichte, Bond-Ausstellungen und Spionagegeschäfte.

Der Einfall der Film-Crew begann an der südwestlichen Küste Großbritanniens im März 2002. Sie kam mit lauten Trucks und schweren Baggern, schichtete Sandsäcke auf, spannte Stacheldraht und grub keilförmige Betonhindernisse in den Sand des Surfparadieses ein. Die Hütte des lokalen Surf-Clubs, in der sich sonst die Wellenreiter treffen, wurde zum Bunker eines Bond-Schurken - und aus Holywell Bay ein nordkoreanisches Grenzgebiet.

Hin und wieder muss Bond auch mal in Großbritannien ran

Cornwalls Küste mit seinen weiten, weißen Sandstränden und steilen Klippen könnte sich nicht besser für eine Filmkulisse eignen: "Ich benötigte einen Strand, bei dem ein 360-Grad-Kameraschwenk ohne störende Gebäude möglich war", wird Bond-Regisseur Lee Tamahori später von einem Lokalblatt zitiert. Und die Einheimischen zeigten mehr als Verständnis - sie waren begeistert: die Fans vom Blick hinter die Kulissen, die Pub-Betreiber vom trinkfreudigen Filmteam und die Hoteliers, weil die 200 Crewmitglieder gleich auf sieben Hotels der Gegend verteilt wurden.

Seit 40 Jahren rettet James Bond die Welt und macht als Agent des Auslandsgeheimdienstes MI6 in 19 Filmen außerdem Frauen glücklich - unter anderem in Beirut, Rio de Janeiro, Istanbul oder Venedig. Insgesamt sollen ihn die Dienstreisen im Auftrag ihrer Majestät in 35 Länder geführt haben. Aber hin und wieder muss Bond auch in Großbritannien ran. Weil die Produktionsfirma Reisekosten sparen muss - oder sich manchmal das Böse eben auch zu Hause versteckt.

Die Kulisse kam vom Auktionshaus Sotheby's

Auf der Themse jagten sich so die Schnellboote in "Die Welt ist nicht genug", und im Auktionshaus Sotheby's durfte Bond in "Octopussy" mitsteigern. Einige Meilen vom Flughafen Heathrow entfernt befindet sich das "Stoke Park Club Hotel" mit dem 27-Loch-Golfplatz, auf dem sich Sean Connery mit dem Kontrahenten Goldfinger maß. Auch wenn es sich im Film um Miami in Florida handeln sollte. 23 Jahre später wurde auch eine Szene des Films "Der Morgen stirbt nie" von Hamburg in das heutige Luxus-Wellness-Hotel verlegt. Pierce Brosnan, der fünfte Bond-Darsteller, durchstand hier eine heftige Affäre inklusive Todesfall.

Im neuen James-Bond-Film spielt nicht nur die Anfangsszene in der Bucht von Holywell auf britischem Boden. Auch das Eden-Project, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Cornwall wird filmgeschichtlich verewigt: Nicht weit von St. Austell entfernt liegt das gigantische Treibhaus, 240 Meter lang und so hoch, dass der Tower von London darin Platz finden würde.

Solange die Brille nicht beschlägt, gibt's seltsame Pflanzen zu sehen

Im Eden-Project werden die Klimazonen der Welt von mediterran bis tropisch simuliert. Demnächst soll auch ein Bereich mit Wüstenklima entstehen. Ganz klar ist nicht, was den Besuchern vermittelt werden soll. Fest steht, dass man seltsame tropische Pflanzenarten zu Gesicht bekommt und dass von der Luftfeuchtigkeit die Brillengläser beschlagen.

Dennoch wurden 2001, im Jahr der Eröffnung, knapp zwei Millionen Gäste gezählt. Und sollte sich irgendwann niemand mehr für das Gewächshaus interessieren, würde es seinen Zweck eben für die Forschung erfüllen, heißt es. Für den neuen Bond-Film hat es seine Schuldigkeit bereits getan. Auch wenn um die Rolle des Eden-Projects im Film bis jetzt ein Geheimnis gemacht wird. Aber schließlich dringt bei der Produktion von Bond-Filmen meist nur wenig an die Öffentlichkeit. Es wird allerdings gemunkelt, dass der Bond-Widersacher Gustav Graves (gespielt von Toby Stephens) der Welt mit dem Eden-Project seinen ehrbaren Charakter beweisen will.

Die Schaltzentralen der Bösen kommen aus Deutschland

Ein echter Bond-Fan muss sich natürlich auch im Hauptquartier des Spitzen-Agenten auf Spurensuche machen: in London. Hier lebt auch Ken Adam, der für das Setdesign in vielen Bond-Filmen verantwortlich war. Der 82-jährige gebürtige Berliner, der 1934 emigrieren musste, entwarf einst die Schaltzentralen des Bösen: das Unterwasserlabor in "Der Spion, der mich liebte" oder die Kommandozentralen von Dr. No und Goldfinger.

Mit den neueren Bond-Filmen ist Adam, ein ehemaliger Jagdflieger der Royal Air Force, nicht mehr ganz so glücklich: "Gut, die Actionszenen gehören nun mal zum heutigen Kino", sagt der zweimalige Oscar-Preisträger, "aber der Bösewicht sollte doch mindestens eine ähnlich starke Persönlichkeit sein wie Bond selbst". Einen gleichwertigen Gegenspieler habe er in den jüngsten Filmen aber nicht erkennen können. Adam steuerte früher auch viele Ideen zu Spezialanfertigungen und Autos bei, für die im Film der berühmte Techniker "Q" zuständig ist. "Wir hatten diese Phantasie", sagt er, "und mit unserer Phantasie waren wir der Zeit voraus".

In London shoppen wie die Geheimagenten

Sonderbare Erfindungen für 007 und seine Kollegen können in London auch Normalbürger kaufen, zum Beispiel im "Counter Spy Shop of Mayfair" in der South Audley Street 62. Im Spionagegeschäft für den Hausgebrauch werden mehr als 300 Produkte für den Mann angeboten, "der alles hat und es auch behalten möchte": Die Zigarettenschachtel mit eingebautem Mikrofon, die Gymnastiktasche mit versteckter Kamera oder der Bleistiftspitzer als Aufnahmegerät. Nur wenigen Besuchern wird erlaubt, in den hinteren Raum vorzudringen: Dort lassen sich kugelsichere Westen und nukleare Schutzanzüge erwerben.

Für den "Q" des Ladens ist alles Geheime nur schlecht fürs Geschäft. Er hat eine Visitenkarte mit Adresse, eine Internetseite und einen 142-seitigen Katalog. "Q" heißt Davy Cunningham und hat weder wirre weiße Haare noch ein gütiges Schmunzeln wie die Filmfigur. Cunningham hat kurzes, dunkles Haar und - mit Verlaub - ein ziemlich beunruhigendes Lächeln.

Im Bondmuseum gibt's technischen Schnickschnack, legendäre Flitzer...

 Info-Kasten 

Cornwall in Großbritannien:

REISEZIEL: Holywell Bay liegt an der nördlichen Küste von Cornwall, nicht weit vom Flughafen Newquay. Das Eden-Project ist von St. Austell gut ausgeschildert erreichbar.

ANREISE UND FORMALITÄTEN: Für EU-Bürger reicht zur Einreise der Personalausweis. Flüge sind unter anderem von Hamburg, Frankfurt/Main, Berlin und München möglich, Fährverbindungen unter anderem von Belgien, Frankreich, Holland, Deutschland und Skandinavien. Der Eurostar verbindet Paris und Brüssel direkt mit London. Von Köln aus gibt es eine Hochgeschwindigkeitsanbindung mit dem französischen Thalys-Zug nach Paris. Mit dem Wagen ist London durch den Eurotunnel von Calais aus erreichbar.

KLIMA UND REISEZEIT: Der Sommer ist meist mild, der Winter kühl und regenreich.

SPRACHE: Englisch

WÄHRUNG: Ein britsches Pfund kostet derzeit 1,58 Euro.

ZEITUNTERSCHIED: Großbritannien ist Deutschland eine Stunde voraus.

UNTERKUNFT: Das Angebot reicht vom einfachen Bed and Breakfast ab etwa 15 Pfund (rund 24 Euro) bis zum Fünf-Sterne-Hotel.

INFORMATIONEN: British Tourist Authority (BTA), Urlaubsservice Großbritannien, Westendstraße 16-22, 60325 Frankfurt (Tel.: 01801/46 86 42 zum Ortstarif, Fax: 069/97 11 24 44, Internet: http://www.visitbritain.com/de); Science Museum London (Internet: http://www.jamesbondexhibition.com); Eden-Project (Internet: http://www.edenproject.com).

Cunningham legt Wert darauf, dass einige Artikel nur für die Sicherheit prominenter Persönlichkeiten und Regierungen gedacht sind. Mit Schurkenstaaten, die es mit der Demokratie nicht so genau nehmen, würde er jedoch nie Geschäfte machen. An der Wand hängen Dankesschreiben und Weihnachtsgrüße von der chinesischen Regierung und von Ländern mit seltsamen Namen. Mit ihren Erfahrungen stehen Cunnigham und seine Mitarbeiter auch der James-Bond-Crew zur Verfügung - genaueres wollen sie aber nicht sagen.

Weniger geheimnisvoll, aber dafür sehr informativ für echte Bond-Fans ist die Ausstellung "Bond, James Bond" im Londoner "Science Museum". Bis zum 27. April 2003 kann sie täglich besucht werden, anschließend soll sie auf Welttournee gehen. Besucher können für 8,95 Pfund (rund 14 Euro) schon jetzt den neuen Bond-Wagen, einen silbernen Aston Martin Vanquish, sehen. Aus älteren Filmen werden Goldfingers Rolls Royce und Bonds BMW Z8 gezeigt.

...und einen Raum für die Bond-Girls

Dem Mythos James Bond widmet sich die Ausstellung in verschiedenen Themenbereichen. So beschäftigt sich ein Raum mit Bonds Frauen, ein anderer mit Geheimdiensten und den Bösewichten. Auf Bildschirmen werden dazu passende Filmsequenzen aus 19 Bond-Filmen gezeigt. Außerdem ist die Ausstellung interaktiv: Die Besucher schlüpfen in die Rolle des Agenten. Ein Computer testet das Detailwissen rund ie Rames Bond, und von zu Hause aus lässt sich mit einem Code per Internet weiter üben. Ein besonderes Augenmerk sollten echte Fans auf eine schlichte Fechtausrüstung richten. Die soll im neuen Film immerhin Madonna tragen, heißt es.

Dietmar Telser, dpa - Fotos: gms

IVWPixel Zählpixel

Zuletzt geändert von tea