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Klettertour im Nebelwald Costa Ricas

Drahtseilakt im Kronendach

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Der Regenwald in Bildern

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  • Über den Wipfeln des tropischen Regenwaldes hängt eine Brücke aus Stahlseilen. Sie schwankt bedrohlich bei jedem Tritt. Männer und Frauen mit Bauhelmen und angelegter Kletterausrüstung laufen hinüber: Touristen, die im Nebelwald von Monteverde in den Bergen Costa Ricas eine Canopy-Tour gebucht haben. Sie wollen in das Kronendach - das englische Wort ist Canopy - dieses immer feuchten Waldes vordringen und den Wald von oben betrachten - aus einer Perspektive, die früher Forschern vorbehalten war.

    Die Regenwald-Tour des Veranstalters "Sky Trek" in Monteverde führt über zwei Hängebrücken und insgesamt zehn Stahlseile, die mit leichtem Gefälle quer durch den Wald gespannt wurden. Die Konstrukteure versprechen, das System sei sicher: Dennoch erfordert es schon einen Schuss Abenteuerlust, sein Leben einer Kletterausrüstung mitsamt Rollengestell zu übergeben, um dann entlang der Stahlseile in großer Höhe durch den Dschungel zu rutschen.

    "Vertraut dem Seil!"

    "Vertraut dem Seil", spricht Touristenführer Marcos Mendez-Sibaya seinen Schützlingen Mut zu. Dann stößt er sich ab und gleitet davon. Weit ausladende Äste queren wie knorrige Finger die Flugbahn. Ein Blick in die Baumkronen offenbart eine fremde Welt: Mit Wasser vollgesogene Moose liegen wie Polster auf ihrer Oberseite. Auf anderen Ästen wachsen Orchideen, Bromelien krallen sich in der Rinde fest und recken ihre trichterförmige Blattrosetten senkrecht in den Himmel. Sie sind Aufsitzerpflanzen, die neben der Sonne nichts weiter zum Leben brauchen als das Wasser und den mineralienreichen Staub, den sie mit ihren Blättern fangen.

    Erst spät erkannten Wissenschaftler, dass die meisten Ameisen, Frösche und Schlangen ihr Leben komplett in den sonnigen Baumkronen verbringen und niemals den Waldboden berühren. Vor lauter Bäumen und Laub sind allerdings kaum Tiere zu sehen. "In der vergangenen Woche hat in der Nähe einer Plattform eine Gruppe Brüllaffen gefressen", sagt Marcos. Dann bleibt er stehen und deutet auf die rote Blüte einer Helikonie. Ein Kolibri steht vor der Blüte in der Luft und stochert in den Blütenkelchen nach Nektar. Der Stoffwechsel der Winzlinge rast so schnell, dass sie permanent fressen müssen.

    Im Dunkeln wird der Wald zur Geräuschkulisse

    INFO-KASTEN: Costa Rica

    ARGE Lateinamerika, Bornstraße 2, 56412 Niedererbach, Tel.: 06485/40 44, Fax: 06485/40 43,
    Internet: www.skywalk.co.cr.
    Die beschriebene Tour dauert etwa drei Stunden und kostet 35 US-Dollar (77,86 Mark/39,80 Euro), Schüler und Studenten zahlen 28 US-Dollar (62,29 Mark/31,85 Euro)

    Höhepunkt - im wörtlichen Sinne - ist das letzte Stahlseil der Tour. Es überspannt ein ganzes Tal, ist 400 Meter lang und in der Mitte über der Talsohle etwa 125 Meter hoch. Auch wenn sich die Natur besser auf den jeweiligen Plattformen an den Bäumen studieren lässt, ist es ein berauschendes Erlebnis, am Drahtseil über das Blätterdach zu fliegen und den Regenwald aus dem Blickwinkel eines Papageien zu betrachten.

    Wessen Abenteurlust nach solchen Höhenflügen noch nicht befriedigt ist, der kann sich einer von Nationalpark-Rangern geführten Nachtwanderung anschließen. Dann verdichtet sich die Wahrnehmung vollends auf den Lichtkegel der Taschenlampe. Der Wald wird zur Geräuschkulisse reduziert: hier ein helles Pfeifen, dort hinten ein Knarren und über den Köpfen das Geräusch brechender Zweige. Es ist die Zeit der nachtaktiven Tiere: Eine pelzige Tarantel, die so groß ist wie eine Männerhand, liegt vor ihrem Erdbau auf der Lauer. Im Lampenlicht lässt sich die Spinne aus der Nähe betrachten.

    Leuchtende Pilze im Unterholz

    Das kalte Licht leuchtender Pilze scheint durch das Unterholz während an den äußeren Zweigen eines Astes ein Kolibri sitzt. Der kleine Vogel wirkt wie festgefroren und hypnotisiert zugleich. Er hat seinen Stoffwechsel gebremst und den Pulschlag verlangsamt, seine Körpertemperatur beträgt gerade noch 17 Grad. Nur Dank dieses physiologischen Tricks überlebt er die lange Zeit der Nacht, in der er kein Futter finden kann. So sitzt er starr bis zum Sonnenaufgang - falls ihn Touristen nicht wie eine reife Frucht von den Ästen pflücken.

    Arnd Petry, gms

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