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Die Alpen-Schönheit Samoens

Von Schnapsbrennern und Steinmetzen

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Hoch-Savoyen aus der Vogelperspektive - auch bei Gleitschirmfliegern ist die Region beliebt.

Samoens - Jetzt ziehen die Männer im Giffre-Tal mit ihrem Höllenfuhrwerk wieder über die Dörfer. Nebenstraßen werden gesperrt, damit ihre Art Dampfmaschine auf Rädern seine hochprozentige Arbeit leisten kann. Aus vielen Bauernhöfen des ostfranzösischen Alpentales im Schatten des Montblanc eilt die Kundschaft mit Fässern voller eingeweichter Birnen und Äpfel herbei.

Diese ambulante Schnapsbrennerei aus dem Jahr 1934 zaubert aus der breiigen Masse in einer Stunde ein wunderbar klares Gesöff. Von der vorsintflutlich anmutenden Maschine geht ein starker alkoholisierter Dunst aus. Hier kommen Schnapsbrenner wie eh und je noch zu den Produzenten. Den Tag hat der Bauer im Kalender vermerkt.

Traumziel für Wanderer und Kletterer

In dem breiten Gletschertal des wilden Giffre, in dem sich neun Weiler mit schmucken Zwiebelturmkapellen über die bewaldeten Hänge verteilen, scheint das Ende der Welt zu liegen. Nur ein paar Kilometer von dem Einsatzort der "fahrenden Schnapsbrenner" entfernt geht es plötzlich nicht mehr weiter. Der einzigartige Talzirkus mit knapp 3000 Meter hohen Bergriesen und Dutzenden von Wasserfällen ist ein Traumziel für Wanderer und Kletterer. Sixt-Fer-à-Cheval genannt, ist das Naturreservat auch ein Paradies für Adler und Bussarde, Gemsen und Steinböcke. In dem schwer zugänglichen Gebiet mit dem Schweizer Wallis auf der anderen Seite der Berge trieben früher Schmuggler ihr Unwesen.

Ein Skiort unter Denkmalschutz

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Im Schatten der Gipfel - in Samoens im Department Hoch- Savoyen schmiegen sich viele Häuser an den Berg.

Beherrscht wird das Giffre-Tal von dem Marktflecken Samoens mit seiner traditionellen Architektur und seinen 2500 Einwohnern. Die Bergschönheit im Alpen-Departement Hoch-Savoyen ist der einzige französische Skiort, der unter Denkmalschutz steht. Und den Trumpf haben die "Septimontains" genannten Bewohner - das sind die aus "dem Dorf, das von sieben Bergen umgeben ist" - im Tourismus schon lange ausspielen können. Samoens, auf halber Strecke zwischen Chamonix und Genf am Fuße des Criou gelegen, war traditionellerweise ein Sommerreiseziel, will aber künftig auch im Winterzirkus eine wichtigere Rolle spielen.

Es waren die Steinmetze von Samoens, die vor rund 350 Jahren den Grundstein für die Bedeutung dieses Marktfleckens gelegt haben. Mitte des 17. Jahrhunderts waren sie so für ihre fachkundige Bearbeitung des Kalksteins aus den Steinbrüchen der Umgebung bekannt, dass ihre Gilde an die bedeutendsten Baustellen gerufen wurde. Bis nach Polen und Louisiana drang ihr Ruf. Die angesehene Zunft kam also, ganz im Gegensatz zu den meisten Bewohnern des Ortes, in der Welt herum. Ihr Einfluss ist noch heute sichtbar.

"Land der Kunst und der Geschichte"
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Bergschönheit unter Denkmalschutz -in dem beschaulichen Ort plätschern die Brunnen wie anno dazumals.

So zeugen Tür- und Fensterstürze in Samoens von der Steinmetzkunst der "Frahans", die sich eine eigene Argot-Sprache mit 2000 Wörtern schufen und auch, ähnlich anderen Zünften und den Freimaurern, in der Heimat als Förderer der Gemeinschaft tätig waren. Was sie geleistet haben, trug wesentlich zu dem zugkräftigen Titel "Land der Kunst und der Geschichte" bei, mit dem sich diese Gegend zieren darf. Es ist einem Bürgermeister von Samoens zu verdanken, dass das Dorf in eine nationale Liste der unter Denkmalschutz stehenden Ensembles aufgenommen wurde.

Einen Steinwurf von der alten Markthalle aus dem 16. Jahrhundert, der so genannten Grenette, und der Dorfkirche entfernt steht sie, der ganze Stolz der "Septimontains": Im Jahr 1438 gepflanzt, beherrscht die prächtige Linde mit einem Stammesumfang von bald zehn Metern den Marktplatz von Samoens. Louise Cognacq-Jay, berühmte Tochter des Marktfleckens, hat als kleines Mädchen schon ihre Arme um ihren beeindruckenden Stamm gelegt. Cognacq-Jay, die reich heiratete und dann in Paris das Luxus-Kaufhaus La Samaritaine eröffnete, kam zurück und ließ nicht nur die Kirche restaurieren. Sie finanzierte auch den sehenswerten, mit gezielter Felssprengung angelegten Alpengarten.

Spezialitäten der Region: Räucherschinken, Wurst und Käse weiterblättern
 

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