[an error occurred while processing this directive]

Neue Tipps/Touren

Reise-Galerie

Weltkarte


Verschlafenes Limousin:

Zwischen Burgruinen und Rinderweiden

Anklicken zum Vergrößern

LIMOUSIN

  • Foto-Show
  • Infos/Tipps
  • Das Limousin ist so etwas wie das Land hinter den sieben Bergen. Selbst Frankreich-Liebhaber kennen es meistens nicht. Die Region zwischen Aquitanien im Westen, dem Périgord im Süden, der Auvergne im Osten und dem Berry im Norden ist von lauter berühmten Nachbarn umgeben. Doch das Limousin selbst ist ein Geheimtipp.

    Wer sich aber Zeit nimmt, dass "hässliche Entlein" im Südwesten etwas genauer anzuschauen, entdeckt ein Land von märchenhafter Schönheit.

    "Wenn ich an einem Oktobermorgen die in Herbstfarben getauchten Täler aus dem Frühnebel steigen sehe, vergesse ich jedes Mal, dass ich eigentlich in einem hoch zivilisierten Land lebe", schwärmt Marine Villard. Die gebürtige Pariserin betreibt ein Gasthaus mit Fremdenzimmern in Limousin. Während sie ihren Gästen auftischt, erzählt Marine Villard: "Das Limousin ist wie ein Märchen aus alten Zeiten." Die Gebrüder Grimm hätten wohl keinen besseren Schauplatz für ihre Geschichten erfinden können. Wie aus einem Guss fügen sich vergessene Täler zwischen die sanften Hügel mit ihren zahllosen Burgruinen.

    Eine Reise in die Zeit des Mittelalters

    Große Städte sucht man hier vergebens. Stattdessen reihen sich mittelalterliche Dörfer entlang der Flusstäler der Dordogne und der Corrèze. Für das Königreich Aquitanien war das Limousin noch von großer Bedeutung. Danach versank die Gegend in einen Dornröschenschlaf, aus dem sie bis heute nicht erwacht ist. "Von der Renaissance blieb die Region bereits so gut wie unberührt. Das Limousin wurde zum Land der armen Leute", sagt Fremdenführerin Régine Chassagne.

    Wer über die Regionalhauptstadt Limoges anreist, sollte einen Zwischenstopp für das Porzellanmuseum einplanen. Seit 1771 ist die Stadt für die Herstellung des edlen Geschirrs berühmt und belieferte bis ins 19. Jahrhundert unter anderem den Hof in Paris. Noch heute kommt mehr als die Hälfte des französischen Porzellans aus den ehemals königlichen Manufakturen.

    Das Herz liegt im Süden

    Das Herz des Limousins liegt weiter im Süden. Ein guter Startpunkt für eine Rundreise im Süden des Départements Corrèze ist der Ort Turenne. Schon unter den Franken im achten Jahrhundert wurde die gleichnamige Grafschaft unabhängig und war von Abgaben an den König befreit. Im 15. Jahrhundert zählte die Grafschaft mehr als 100 000 Einwohner und umfasste ein Drittel des gesamten Limousin und einen Teil des Périgord. Erst 1738 fiel sie als letztes noch existierendes Lehen an die französische Krone zurück. Die Steuern stiegen um das Zehnfache und versetzten der prosperierenden Stadt den Todesstoß. Heute zählt das Dorf nur noch 700 Einwohner.

    INFO-KASTEN: Limousin

    Comité Départemental du Tourisme de la Corrèze, Quai Baluze, F-19000 Tulle, Tel. von Deutschland: 0033/5/55 29 98 78, Fax: 0033/5/55 29 98 79
    Internet: www.cg19.fr
    Maison de la France/Französisches Fremdenverkehrsamt, Westendstraße 47, 60325 Frankfurt Tel.: 069/97 59 04 97, Fax: 069/97 59 04 99
    Internet: www.franceguide.com

    Nicht weit entfernt von Turenne liegt der noch kleinere Ort Curemonte - vor einigen Jahren von der Unesco zum Weltkulturdenkmal ernannt. Auf dem Platz vor der mächtigen Burg aus dem 14. Jahrhundert tauschen sich die Alten über ihre Zipperlein aus. Gilbert Cassanac, 72 Jahre alt, mit klassischer Casquette auf dem Kopf und Hornbrille auf der Nase, berichtet von den Erfolgen seines Handauflegers, der ihm seine Rückenleiden förmlich weggezaubert habe. Aberglaube gehört zur Region genauso wie seine alte Geschichte. Jeder hier kennt einen "Rebouteux", wie die Handaufleger heißen.

    270 000 Limousinen

    Rinder sind im Limousin zahlreicher als Menschen: 270 000 Limousinen, wie die Tiere hier heißen, kommen auf gerade 235 000 Einwohner. Die hiesigen Kühe gelten tatsächlich als Namenspatronen für die bekanntere Autoklasse. Ursprünglich bezeichnete der Begriff den Umhang der Kuhhirten. Im 19. Jahrhundert taucht er in Paris als Name für den Mantel von Kutschern auf - Kutscher, die besonders breite Karossen fuhren.

    Aus den Küchen des Limousins ist Rindfleisch nicht wegzudenken. Aber auch wer darauf lieber verzichtet, hat die Qual der Wahl. Mindestens genauso stark auf den Speisekarten vertreten sind Geflügelspezialitäten aller Art: Enten, Gänse, Puten oder Perlhühner als Pastete, Brust oder Schlegel. Spezialität der Region sind Maronen, Walnüsse und Steinpilze, von Ende November an kommen schwarze Trüffel hinzu.

    Ein Gotteshaus für Protestanten und Katholiken

    Vor allem im südlichen Corrèze ähnelt die Küche sehr der des Périgord. Davon können sich Besucher zum Beispiel in den Gasthäusern des Ortes Collonges-la-Rouge überzeugen. Das ganze Dorf wirkt wie ein Museum. Der komplett aus purpurrotem Sandstein gebaute Ort zählt nicht einmal 400 Einwohner, doch stehen dort zahlreiche Herrenhäuser und eine mächtige romanischen Kirche. Das Gotteshaus aus dem elften Jahrhundert hat während der Religionskriege einen einzigartigen Umbau erfahren. Damit sowohl Protestanten als auch Katholiken in ihr Platz finden konnten, wurde das Kirchenschiff kurzerhand entlang der Längsachse geteilt. Bis heute schmücken zwei Altäre den Innenraum.

    Noch weiter südlich schmiegt sich Beaulieu ins Tal der Dordogne. Auf Grund der guten Lage an dieser großen Verkehrsstraße war der Ort schon immer ein wichtiger Handelsplatz. Zahlreiche Herrenhäuser und eine Abteikirche erinnern an bedeutendere Zeiten. Das zur Kirche gehörende Benediktinerkloster ist heute ein Hotel. An diesem Ort lässt sich von Rittern und Edeldamen träumen, besonders wenn am Abend der Nebel, vom Fluss kommend, wieder die Täler erobert.

    Cécile Prinzbach, gms - Fotos: gms

    IVWPixel Zählpixel

    Zuletzt geändert von tea