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Felsen zwischen Kontinenten:

Gibraltar ist nicht nur Einkaufsparadies

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Gibraltar

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Gibraltar - Wild kämpfen zwei Berber-Affen um ein paar Krümel Popcorn. Der Kleinere ergreift schließlich kreischend die Flucht und springt der Spenderin auf den Kopf.

Damit hat die Touristin nicht gerechnet, als sie den so zahm wirkenden Äffchen etwas zum Naschen geben wollte. Als auch das zweite Tier zum Sprung ansetzt, macht sich die Urlauberin davon. So viel Zutraulichkeit hatte sie bei Europas einzigen frei lebenden Affen nicht erwartet. Aber in Gibraltar brauchen die kleinen Geschöpfe niemanden zu fürchten.

Hoch oben auf dem 425 Meter hohen Kalkfelsen genießen die Affen seit Jahrhunderten den Blick auf die Straße von Gibraltar und die Küste Marokkos. Sie werden hier gepflegt und beschützt. Schließlich sagt die Legende, wenn es auf dem Felsen keine Affen mehr gibt, hört Gibraltar auf, britisch zu sein. Und das ist das Letzte, was die Einwohner der englischen Kronkolonie an der Südspitze Spaniens wünschen.

"Wir wollen keine Spanier werden. Wir sind Gibraltarer"

Die meisten Einwohner wehren sich mit Händen und Füßen gegen die spanischen Versuche, die 1704 von Großbritannien eingenommene Bastion am Eingang zum Mittelmeer zurück zu gewinnen. Je näher sich London und Madrid bei Verhandlungen über eine geteilte Souveränität kommen, desto stärker betonen die Gibraltarer ihre Herkunft: "Wir wollen keine Spanier werden. Wir sind Gibraltarer, ein Volksgemisch aus Engländern, Spaniern, Italienern, Portugiesen und Maltesern", erklärt Andrew Felice.

Die Grenzkontrollen der spanischen Polizei werden im Europa ohne Grenzen von den Gibraltarern als reine Schikane bezeichnet: Stundenlang warten die Touristen, die an der Costa del Sol ihren Sommerurlaub verbringen und wegen der zollfreien Waren Gibraltar besuchen, an der Grenze.

Kronkolonie ist als "Einkaufsmekka" bekannt

Gibraltar ist von der Mehrwertsteuer befreit. Das lockt Scharen von Touristen zum Einkauf. Und die Tatsache, dass auf jeden Einwohner statistisch gesehen zwei Briefkastenfirmen kommen, wird mittlerweile selbst der Regierung in London unheimlich. So wird die Kronkolonie auch als "Einkaufsmekka" des westlichen Mittelmeers bezeichnet. An der Main Street erstreckt sich eine kilometerlange Einkaufsmeile, auf der man von der neuesten britischen Mode, über Designer-Sonnenbrillen bis hin zu steuerfreien Zigaretten und Spirituosen so ziemlich alles bekommen kann, was das Herz begehrt.

Das Schönste beim Einkaufsbummel ist allerdings die Atmosphäre. Abgesehen vom südländischen Klima, der Nähe zu Marokko, dem perfekten Spanisch der Händler, den Palmen, der guten Küche und dem Rechtsverkehr, bemühen sich die Einwohner auf der 6,5 Quadratkilometer großen Landzunge tunlichst, dass alles so wie im "Mutterland" ist: Dazu gehören Bobbys, "fish and chips", Pubs wie das "Guinness" und ein "Marks & Spencer"-Kaufhaus. Bezahlt wird selbstverständlich mit dem Pfund.

Gibraltar bedeutet Felsen des Tarik

Doch Gibraltar ist weit mehr als eine Einkaufsinsel. Der Felsen ist umgeben von Geschichten und Legenden. Der Name Gibraltar geht zurück auf die arabische Bezeichnung Djebel al-Tarik - Felsen des Tarik - und erinnert daran, dass hier im Jahr 711 die Mauren, unter ihrem legendären Führer Tarik aus Nordafrika kommend, an Land gingen und mehr als sieben Jahrhunderte die Iberische Halbinsel besetzten. Schon zuvor ließen sich hier Phönizier und Römer nieder.

Im Jahr 1704 wurde Gibraltar im spanischen Erbfolgekrieg von den Briten erobert. Mit der Eröffnung des Suezkanals im 19. Jahrhunderts stieg die strategische Bedeutung noch an, denn nun führte der kürzeste Seeweg nach Asien und in den Pazifik durch das Mittelmeer. In beiden Weltkriegen diente Gibraltar als Sperrposten gegen die deutschen Schiffe.

Geschichte und Natur locken

Die konfliktreiche Geschichte hat seine Spuren hinterlassen, die heute zu touristischen Attraktionen geworden sind. Dazu gehören zum Beispiel das maurische Kastell und das 32 Meilen lange Tunnelsystem aus dem 18. Jahrhundert im Felsinneren, das während der zahlreichen Belagerungen als Schutz gedient hat oder das Gibraltar Museum.

Ein Besuch lohnt sich auch im Tropfstein-Höhlensystems St. Michael's Cave sowie in der aus dem Jahre 1782 stammenden Verteidigungsanlage Upper Galleries. Und spätestens während einer Bootstour zu den Delfinen in der Bucht von Algeciras vergessen Urlauber selbst die günstigsten Shoppingangebote wieder.

Manuel Meyer, dpa

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