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Judenviertel von Girona

Gang durch die "Mutterstadt Israels"

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Girona

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Girona - Von der gotischen Kathedrale mit der mächtigen Barockfassade sind es nur wenige Schritte bis in eines der bedeutendsten mittelalterlichen Judenviertel Südeuropas: Kaum irgendwo auf dem Kontinent findet man Zeugen der Vergangenheit dieser Religion in so enger Nachbarschaft zueinander wie in Girona, rund 30 Kilometer von der Costa Brava entfernt im Nordosten Spaniens.

Wenn nicht gerade Touristengruppen die engen Gassen durchstreifen, liegt das Call genannte Viertel still, ja geradezu abweisend im alten Zentrum der vom Onyar-Fluss geteilten Stadt. Erste Besiedlungen gab es hier schon im 5. Jahrhundert vor Christus. Nach Zeiten unter römischer und arabischer Herrschaft machte Karl der Große Girona zur Grafschaft, jüdische Familien trafen am Ende des 9. Jahrhunderts ein.

Hinter Panzerglas: ein Wandteppich aus dem 11. Jahrhundert

Gironas Kathedrale Santa Maria hält einen Rekord: "Sie besitzt mit fast 23 Metern das breiteste gotische Kirchenschiff der Welt", sagt der Kunststudent Carlos Jordi, der als Stadtführer arbeitet. Gebaut wurde an dem Gotteshaus seit dem 11. Jahrhundert, doch erst im 17. Jahrhundert wurde es fertig. Der Kreuzgang blieb von der romanischen Kirche erhalten, die zuvor an diesem Ort stand. Bewunderer sakraler Kunst dürfen auch am Dommuseum nicht vorbeigehen: Hinter Panzerglas ist dort ein Wandteppich aus dem 11. Jahrhundert zu sehen, der auf etwa 12 Quadratmetern Christus und die Schöpfung darstellt.

600 Jahre lang Zentrum des geistigen Lebens

Vor dem Dom erstreckt sich eine gewaltige barocke Treppe. Am unteren Ende der 90 Stufen liegt die Carrer de la Força ("Straße der Stärke"), die das Viertel durchzieht. 600 Jahre lang war es ein Zentrum auch des geistigen Lebens und strahlte auf die jüdischen Gemeinden im gesamten Mittelmeerraum aus. "Mutterstadt Israels" lautete deshalb ein Beiname Gironas.

Anlass zum Ruhm gab auch Moses Ben Nahman, genannt Nahmanides. Der Arzt, Philosoph und Talmud-Wissenschaftler kam 1194 im Call zur Welt und stieg zum Großrabbiner Kataloniens auf. Er verfasste Grundlagen der Kabbala, der jüdischen Mystik. Mit Misstrauen verfolgte jedoch die katholische Kirche seinen wachsenden Einfluss auch bei den Herrschern - und setzte schließlich die Verbannung des Gelehrten durch. Das "Centre Bonastruc ça Porta" erinnert heute an diesen Mann.

Friedliches Nebeneinander endet im 13. Jahrhundert

Das friedliche Nebeneinander der Religionen endete in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, als es zu antisemitischen Übergriffen kam. 100 Jahre später starben bei einem Pogrom viele Juden. Und im Frühjahr 1492, dem Jahr der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, verfügten die katholischen Herrscher Ferdinand und Isabel auf Druck der Kirche die Vertreibung der Juden aus Spanien. Der erzwungene Exodus brachte die Stadt um ihre Bedeutung.

INFO-KASTEN: Girona

Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt (Tel.: 069/72 50 33, Fax: 069/72 53 13,

  • www.spain.info

  • Von Barcelona aus erreicht man Girona bequem per Auto oder Bahn. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt lassen sich durchaus an einem Tag besichtigen. Im Konvent Sant Domènec ist ein Teil der Universität untergebracht, die "Arabischen Bäder" entpuppen sich ihrem Namen zum Trotz als Badehäuser rein romanischen Baustils. Als Promenade sind die gut erhaltenen Teile der mittelalterlichen Stadtmauer begehbar.

    "Stadt der 1000 Schlachten" leistete Napoleon erbitterten Widerstand

    Mit Stolz trägt Girona den Beinamen "Stadt der 1000 Schlachten". Sie leistete Napoleons Truppen sieben Monate erbitterten Widerstand, ehe der französische Eroberer sie 1809 doch einnahm. Auf dem Platz der Unabhängigkeit erinnert ein Denkmal daran. Von hier aus ist es nicht weit zum Onyar, an dessen Ufern die pastellfarbenen Fassaden der Häuser einen schönen Kontrast zu den Mittelalter-Bauten bilden.

    Horst Heinz Grimm, dpa

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