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Konkurrenzlose Kulturhauptstadt Graz:

Anknüpfen an glanzvolle Zeiten

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Graz

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Graz - Es gibt ein Jahr in der Stadtgeschichte, das die Bürger von Graz bis heute nicht recht verwunden haben: 1619 büßte die Stadt ihren Status als innerösterreichische Residenz der Habsburger ein und musste sich fortan mit dem Titel einer Landeshauptstadt, heute der Steiermark, begnügen.

Der Bedeutungsverlust hatte Folgen für das Selbstwertgefühl der Grazer: Dass man in großem Stil Touristen in die Stadt nahe der ungarischen und slowenischen Grenze locken könnte, hielten viele bis zuletzt für abwegig. Das könnte sich 2003 ändern, denn dann amtiert Graz als Kulturhauptstadt Europas.

"Österreichs heimliche Liebe"

Im Jahr 1985 vergab die Europäische Union diesen Titel erstmals, damals an die griechische Hauptstadt Athen. Während sich zuletzt zwei und im Jahr 2000 sogar neun Städte die Früchte der Auszeichnung teilen mussten, steht Graz konkurrenzlos da: Die Provinzmetropole, deren Altstadt 1999 auch in den erlauchten Kreis des Weltkulturerbes aufgenommen wurde, wird 2003 einzige Kulturhauptstadt sein.

Die Zukunfsprognose für Graz fällt noch aus anderen Gründen günstig aus: Die mit etwa 250.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Österreichs ist überschaubar genug, um die Idee des Kulturstadtjahres in konzentrierter Form zu repräsentieren, exotisch genug, um noch Entdeckerfreuden zu gewähren, vor allem aber malerisch genug, um sich dauerhaft auf der touristischen Landkarte zu behaupten. So könnte es sein, dass die Stadt bald ihren Werbespruch überdenken muss, der selbstironisch lautet: "Österreichs heimliche Liebe".

Hauptsächlich haben Kriege das Stadtbild verändert

Alle kunsthistorischen Epochen von Romanik über Gotik, Renaissance, Barock, Klassizismus und Historismus bis zum Jugendstil sind in der Altstadt in beeindruckender Vollständigkeit versammelt. Nicht selten überlagern sich die Stile in einem einzigen Gebäude. Die politische Degradierung der Stadt hatte für die Bausubstanz konservierende Wirkung: Man war nicht mehr so wohlhabend und musste sich deshalb manchmal in architektonischem Flickwerk üben.

Für die einzigen größeren Eingriffe in das Stadtbild waren Kriege verantwortlich: 1809 ließ Napoleon die Festung auf dem Schlossberg schleifen. Im Zweiten Weltkrieg trafen Bomben die Stadt, richteten aber in den historischen Teilen nur geringe Schäden an.

Ein kleiner Berg - und drei Möglichkeiten, zur Spitze zu kommen

Die Einwohner von Graz kauerten während der Angriffe in den Katakomben, die eigens für diesen Zweck durch den Schlossberg gezogen worden waren. Auch in Zeiten des Friedens spielt die begrünte Erhebung im Leben der Grazer eine wichtige Rolle: Sie ist Orientierungspunkt und Wahrzeichen - dank eines Uhrturms, der von Napoleon verschont wurde. An schönen Tagen pilgern Einheimische und Besucher auf den Berg, um sich auf einer der zahlreichen Bänke allgemein am Leben zu erfreuen und insbesondere an der Aussicht auf die Dächerlandschaft mit mehreren barocken Zwiebeltürmen.

Der Schlossberg ist bei den Grazern so beliebt, dass er trotz überschaubarer Höhe gleich auf drei unterschiedliche Arten erklommen werden kann: Seit 1894 führt eine Standseilbahn mit 61 Prozent Steigung hinauf. Im Ersten Weltkrieg nutzte man die Anwesenheit russischer Kriegsgefangener, um einen 260 Stufen umfassenden Fußsteig in den Berg zu schlagen - daher auch die Bezeichnung "Kriegssteig". Zur Jahrtausendwende gesellte sich die bequemste Aufstiegsmöglichkeit hinzu: ein moderner Lift zum Straßenbahntarif von 1,60 Euro. Der alte Uhrturm glänzt dagegen eher mit unkonventioneller Technik: Stunden- und Minutenzeiger sind bei ihm vertauscht.

Kunsthaus in futuristischer Architektur

Aus der Höhe hat man auch die zweite geografische Bezugsgröße der Grazer im Auge: das Flüsschen Mur. Das Verhältnis ist in diesem Fall allerdings weit weniger innig. In der Vergangenheit teilte die Mur die Stadt in zwei konträre Hälften: am Ostufer die Postkartenidylle, am Westufer das Armeleuteviertel samt Rotlichtmilieu und hohem Ausländeranteil. Schon in den zurückliegenden Jahren wurde einiges für die Aufwertung der vernachlässigten Mur-Seite getan. Das Kulturstadtjahr soll nun einen weiteren Entwicklungsschub bringen.

In Gestalt des neuen Kunsthauses ist dann auch das wohl wichtigste und spektakulärste Projekt am Westufer angesiedelt. Ein britisches Architektenduo hat alles Menschenmögliche getan, um dem Entwurf die nötige Aufmerksamkeit zu sichern: Über ein Stahlkorsett wölbt sich eine Haut aus Polyacryl, deren Form wahlweise an ein Ufo oder an ein Spenderherz erinnert. Rund zwei Jahrzehnte lang wurde in Graz über die Notwendigkeit einer solchen Ausstellungshalle diskutiert. Da fällt es nicht weiter ins Gewicht, dass sie erst im September 2003 fertig wird. Immerhin lässt sich auf diese Weise die Spannung durch das Kulturstadtjahr hindurch aufrecht erhalten.

Geld wird mit viel Nachhaltigkeit ausgegeben

Auch die Mur selbst führte bislang ein Schattendasein. Die Grazer auf der "richtigen" Uferseite ließen sie wegen ihrer etwas rauen Manieren, die höchstens Wildwassersportler anlocken, "links liegen". Nun soll auch sie ins Bewusstsein zurückgeholt werden - mit einem Projekt, das dem Kunsthaus an Kühnheit nicht nachsteht: Eine künstliche Insel in Form einer futuristischen Nussschale soll dauerhaft im Flussboden verankert und am Ufer vertäut werden. Bis zu 350 Besuchern stehen auf der Insel ein Café, ein Kinderspielplatz und ein Amphitheater für Veranstaltungen zur Verfügung. Zwar macht sich mancher Grazer so seine Gedanken, was mit der Insel im Fall eines neuerlichen Jahrhunderthochwassers passiert. Die Montagearbeiten zogen trotzdem bereits viel neugieriges Publikum an.

Insgesamt achtet die Stadt darauf, dass die Investitionen zum Kulturstadtjahr möglichst nachhaltige Wirkung entfalten. Schließlich ist kaum zu erwarten, dass Wien und Brüssel jemals wieder so viel Geld über Graz ausschütten. Zu den weiteren Neubauten zählen deshalb eine Stadt- und eine Konzerthalle, ein Literaturhaus und ein Kindermuseum. Renoviert werden das Mausoleum für Kaiser Ferdinand II. sowie Außengemälde am gotischen Dom. Bereits abgeschlossen - und von der Öffentlichkeit als zu kühl kritisiert - ist die Umgestaltung des Hauptplatzes, an dem auch das pompöse Gründerzeit-Rathaus liegt.

Bluttomerl fordert einen starken Magen

INFO-KASTEN: Graz

REISEZIEL: Graz, die Hauptstadt des Bundeslandes Steiermark, liegt im Südosten Österreichs.

ANREISE: Die Lufthansa fliegt Graz mehrmals täglich von Frankfurt aus an. Weitere Direktflüge gibt es mit Tyrolean Airways ab München, Stuttgart und Düsseldorf. Bei Flügen ab Hannover wird in Innsbruck zwischengelandet. Autofahrer fahren ab München auf der A8 Richtung Salzburg, dann auf der A1 Richtung Wels und von dort aus auf der A9 nach Graz. Eine Bahnfahrt von München nach Graz dauert mit Zugwechsel in Salzburg oder Bischofshofen etwa fünf Stunden und 45 Minuten.

KLIMA UND REISEZEIT: Graz liegt auf der Südseite der Alpen und hat deshalb vergleichsweise viele Sonnenstunden und wenig Niederschläge. Bei Fön kann es auch im Winter frühlingshaft warm werden.

UNTERKUNFT: Obwohl für das Kulturstadtjahr keine neuen Hotels gebaut wurden, stehen genügend Unterkünfte zur Verfügung. Die Preisspanne reicht von rund 110 Euro pro Person und Nacht im Doppelzimmer des einzigen Fünf-Sterne-Hotels bis zu 30 Euro in einer Pension. Pauschalreisen nach Graz sind unter anderem über TUI, Dertour und Ameropa zu buchen.

TICKETS: Die "Graz 03 Card" für 19,90 Euro ermöglicht drei Tage Eintritt in alle Graz-2003-Ausstellungen sowie die kostenlose Benutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel.

INFORMATIONEN: Graz Tourismus, Herrengasse 16, A-8010 Graz (Tel. von Deutschland: 0043/316/807 50, Fax: 0043/316/80 75 55, E-Mail: info@graztourismus.at, Internet: http/www.graztourismus.at); Graz 2003 Info-Center, Mariahilferplatz 2, A-8020 Graz (Tel. von Deutschland: 0043/316/20 03, Fax: 0043/316/20 03 20 03, E-Mail: info@graz03.at, Internet: http://www.graz03.at).

Zu dem Platz führen einige der Gässchen, die entscheidend zum Charme der Stadt beitragen. Einkäufern wird einiges geboten: neben zahlreichen Boutiquen und Juwelieren etwa eine alte Hofbäckerei mit prächtigem Holzportal sowie Österreichs größtes Kaufhaus. Etliche der Gebäude bergen in ihrer Tiefe stimmungsvolle Innenhöfe, die an italienische Renaissance-Städte erinnern. Original steirisch sind dagegen die meisten Gerichte, die in den Lokalen und Beisln serviert werden. Zu den Spezialitäten gehören Steirisches Wurzelfleisch, Backhenderl oder Bluttomerl, ein traditionelles Schlachtgericht für Leute mit starkem Magen.

Zur Köstlichkeit wird aber auch ein einfacher grüner Salat, angemacht mit dem "schwarzen Gold" der Steiermark, dem Kürbiskernöl. Wer nach einem Mitbringsel sucht, sollte sich damit auf einem der Bauernmärkte der Stadt am Lendplatz oder am Kaiser-Josef-Platz eindecken.

Pfaue im Schlosspark

Die traditionellen Sehenswürdigkeiten von Graz werden im Kulturstadtjahr etwas in den Hintergrund treten - unverdienterweise. Ein Besuch im Zeughaus in der Herrengasse lohnt sich selbst für jene, die alte Rüstungen bisher für den Edelschrott der Geschichte gehalten haben. Mit 32 000 Waffen und anderem Kriegsgerät ist das Grazer Zeughaus das besterhaltene seiner Art weltweit. Zu bestaunen sind regalweise Gewehre, Hellebarden sowie andere Hieb- und Stichwaffen vorwiegend aus der Zeit der Türkenkriege, in denen der Stadt eine Schlüsselstellung zukam.

Zwei bis drei Stunden Zeit sollten sich Besucher auch für einen Ausflug mit der Straßenbahnlinie 1 nehmen. Sie verbindet zwei etwas außerhalb gelegene Besichtigungspunkte: Schloss Eggenberg im Westen und die Basilika Mariatrost im Osten. Die frühbarocke Schlossanlage gilt als bedeutendste der Steiermark, was durch die Anzahl der Pfauen im Schlosspark unterstrichen wird. In Mariatrost schwingt sich der Barock zu noch verschwenderischer Prachtentfaltung auf. Vor der Besichtigung müssen allerdings einige hundert Treppenstufen in Angriff genommen werden - ganz ohne Lift oder Seilbahn. Schließlich handelt es sich um eine Wallfahrtskirche.

Tobias Wiethoff, dpa - Foto: gms

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