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Guyana

Land der vielen Wasser

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Georgetown - Vor gut zwölf Jahren schlief Joanne Jardin mutterseelenallein in der Hängematte im Dschungel am Rande des Essequibo River. "Ich hatte immer eine Machete und ein Gewehr neben mir." Von Guyanas Hauptstadt Georgetown brauchte sie fast 20 Stunden für die Fahrt durch den Urwald. Heute dauert der Trip zu Joannes kleinem Dschungel-Resort Shanklands knapp drei Stunden, die letzten 60 Minuten mit dem 200 PS starken Boot den Fluß entlang.

Sie hat mit ihren Arbeitern die Anlage dem Dschungel buchstäblich abgerungen. Von den Holzbungalows fällt der Blick auf Rasen, Palmen, Urwaldbäume, Helikonien, Hibiskus und andere tropische Pflanzen.

INFORMATIONEN:
Guyana

REISEZIEL:
Guyana, früher britisch, liegt im Norden Südamerikas.
ANREISE und FORMALITÄTEN:
Von Deutschland mit British West Indian Airlines ab Frankfurt/Main über Port of Spain/Trinidad nach Timehri International Airport, gut 40 Kilometer südlich von Georgetown. Oder mit British Airways über London nach Barbados, von dort morgens täglich mit LIAT nach Timehri. Reisepaß genügt, Deutsche brauchen kein Visum.
ZEITUNTERSCHIED:
Minus vier Stunden.
WÄHRUNG:
US-Dollar bar und Reisechecks werden bei den Banken und Hotels in den Guyana-Dollar getauscht. In Hotels und Resorts sind US-Dollar willkommen. Kreditkarten noch wenig verbreitet.
SPRACHE:
Englisch.
REISEZEIT:
Das ganze Jahr über, Temperaturen im Durchschnitt zwischen 24 und 30 Grad. Erhöhte Niederschläge im Mai und Juni sowie im Dezember und Januar.
GESUNDHEIT:
Impfungen sowie Malaria-Prophylaxe sind für einen ausgedehnten Dschungeltrip ratsam.
UNTERKUNFT:
Die wenigen besseren Hotels kosten mit Vollpension ab 90 Dollar pro Nacht. Gästehäuser mit Dusche und WC ab 20 US-Dollar.
INFORMATIONEN:
Tourism Association of Guyana, 228 South Road, Georgetown (Tel. von Deutschland aus: 00 592 2 50807, Fax 00 592 2 50817) Hilfestellung gibt Boyo Ramsaroop (spricht deutsch), Arawak Resort, 58 Eastern Highway, Lamaha Gardens, Georgetown (Tel.: 00 592 2 60997).

Doch der Ansturm der Besucher im Shanklands, in den anderen Dschungel- und River-Resorts sowie den Hotels in der Hauptstadt hält sich noch in Grenzen. Statt Sandstränden und Nachtleben bietet das "Land der vielen Wasser" Natur- und Abenteuer-Touristen atemberaubende Wasserfälle, ungefährliche Dschungel-Ausflüge und eine seltene Tier- und Pflanzenwelt. Die indianische Urbevölkerung, die Amerindians, läßt Besucher, die ihre Sitten respektieren, an Leben und Kultur Anteil haben.

Als Tourismusziel noch unbekannt

Die ehemals britische Kolonie ist das westliche der früheren drei Guyanas und als Tourismusziel noch ziemlich unbekannt. In der Mitte liegt das heute ebenfalls unabhängige Suriname, früher Niederländisch-Guyana, weiter östlich das französische Überseedepartement Guyane mit der europäischen Weltraumstation Kourou. Guyana, das nur gut 800 000 Einwohner hat, aber fast so groß wie Großbritannien ist, war lange Zeit abgeschnitten von der Außenwelt.

Nach der Unabhängigkeit im Jahre 1966 gab es sozialistische Experimente, Unruhen, vereinzelt auch blutige Kämpfe. Später lähmten Einfuhr-, Devisen- und Reiserestriktionen die Wirtschaft. "Bis vor wenigen Jahren durften wir nicht mal eine Cola importieren", sagt der Barkeeper im Hotel Pegasus nahe dem Meer. Dann zeigt er stolz sein internationales Flaschenrepertoire. Erst nach 1985 begannen langsam Liberalisierung und Öffnung des Landes.

Vieles ist noch im Aufbau

"Vieles ist noch im Aufbau und in der Planung", sagt Leah Hibbin von der Tourismusbehörde in Georgetown. Sie weiß, daß ihr Land, das von der Europäischen Union (EU) und der Caribbean Tourism Organization (CTO) Hilfe beim Aufbau des Fremdenverkehrs bekommt, nie ein Massentourismus-Ziel wird. Vor allem kleine Gruppen sollen gewonnen werden. Eine Kombination mit einem Badeurlaub im nahen Barbados und Tobago bietet sich an.

Guyanas Bevölkerung hat seine Wurzeln in Afrika, China, Indien und Europa. Im Urwald und in der Savanne im Süden leben noch einige zehntausend Amerindians. Das Wort ist die Abkürzung von American Indians. Bisher kommen pro Jahr insgesamt gut 100 000 Besucher, davon viele Geschäftsleute, nach Guyana. Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind der Agrarsektor mit Zucker- und Reisanbau sowie Bauxit, Gold-und Hartholzgewinnung.

"Die Natur soll so bleiben"

Umweltfehler wie in anderen Ländern wollen die Verantwortlichen in Guyana vermeiden. Rodungen erfolgen nicht wild und unkontrolliert, die Fläche wird sofort neu bepflanzt. Gary Hunter, Manager im Hotel Tower in der Hauptstadt wird stinksauer, wenn ein Tourist Papier fallen läßt oder einen runden Kiesel aus dem Flußbett als Souvenir einstecken will. Er sagt: "Die Natur soll so bleiben, wie sie geschaffen wurde."

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Der organisierte Charterflug von Georgetown zum Kaieteur-Wasserfall dauert eine Stunde. Dann folgt ein Spaziergang durch Regenwald und Feld. Der Wasserfall am Potaro River ist einer der prächtigsten der Welt. Fast 230 Meter tief fällt das Wasser, umrahmt von tropischen Gewächsen und Regenwald. Im Kaieteur-Nationalpark leben Affen, Tapire, Ozelote und Dschungelvögel wie der scheue orangefarbene Cock of the Rock, wie ihn die Einheimischen nennen. Er gilt als Glücksbringer. Weiter südwestlich an der Grenze zu Brasilien liegt der Orinduik Wasserfall. Das Wasser schäumt über Stufen, Terrassen und Jaspis, einen Halbedelstein. Levvlend Thorne ist Begrüßungskomitee, Polizist, Grenzbeamter in einer Person: "Willkommen, Sie sind heute die ersten Besucher." Der "Tagesrekord" stehe bei 40 Gästen und vier Flugzeugen.

Viel Natur und zahme Tiere
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Die meisten kleinen Hotelanlagen für Natur- und Öko-Touristen liegen südlich des schmalen, fruchtbaren Küstengürtels an einem Flußarm, im Urwald oder in der Savanne. Die Anlagen haben in der Regel sechs, sieben Häuschen aus Hartholz mit Moskitonetz, Dusche, WC und einem Dach aus dichten Pflanzenfasern. Die Nacht mit Vollpension und oft kostenlosen einheimischen Drinks kostet ab 90 US-Dollar (rund 150 Mark) pro Person. Im Vergleich zu den niedrigen Einkommen erscheint das viel. Ein Gärtner verdient umgerechnet 30 bis 40 US-Dollar pro Woche, eine Serviererin meist weniger.

Überall gibt es Natur pur. Aus den Wasserläufen um das Timberhead Resort lugen oft die Köpfe der pflanzenfressenden Kaimane hervor. Im Emerald Tower Madewini, eine Stunde von Georgetown entfernt, knabbert ein Tukan am Schnürsenkel eines Gastes: "Touci" ist zahm und Gelegenheitstrinker. Manchmal hüpft er auf den Tisch und steckt den Riesenschnabel ins Bierglas.

Touren mit dem Charter-Flugzeug sind nicht billig

Wie man mit exotischen Pflanzen Geld verdient, demonstriert Boyo Ramsaroop mit Sohn und Frau Brigitte, die aus Mecklenburg stammt. Die blumenzüchtende Familie gehört zu den "Weltmeistern" im Anbau von Helekonien. Auf der Farm der Familie gibt es über 150 Arten. Hier blühen zwischen üppigen Regenwäldern auch andere Kostbarkeiten. Etliche davon werden exportiert. Manche sind in Botanischen Gärten wie im Palmengarten in Frankfurt zu sehen. Eingebettet in die Blumenfarm liegt das Arawak Resort der Ramsaroops, ein Ökotourismus-Gebiet mit kleinem See, Quelle und Hängematten.

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Eine knappe Flugstunde westlich der Hauptstadt liegt im dichten Urwald die Siedlung Kwabanna. Hier haben die Indios vor acht Jahren erstmals in ihrem Leben ein Flugzeug gesehen. Touren mit dem Charter-Flugzeug sind nicht billig. Die preiswerten Linienflüge von Guyana Airways und anderen gibt es nicht zu allen attraktiven Zielen. Billig sind Trips mit Bus und Boot, die jeder Besucher selbst organisieren kann.

Zecher, Spieler, leichte Mädchen
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Wie etwa eine Reise ins Goldgräberdorf Bartica, wohin am Wochenende die Schürfer, Zecher, Spieler und leichten Mädchen aus der Umgebung strömen. Hier gibt es ein bißchen Wildwestromantik. Der Linienbus fährt für drei US-Dollar von Georgetown 90 Minuten nach Pariga. Von dort geht es für fünf Dollar mit einem der vielen Sammeltaxi-Boote gut eine Stunde südlich den Essequibo River entlang nach Bartica. Cola, Rum, einheimisches Bier sind preiswert. Ein Bett gibt es in einer der zahlreichen Pensionen ab sechs US-Dollar. Die Geschichten der Goldgräber sind faszinierend, wenn auch nicht immer wahr.

Auch die Hauptstadt Georgetown mit ihrem meilenlangen Deich und ihren bunten Tages- und Nachtmärkten ist einen Aufenthalt wert. Zu den Attraktionen zählen die alten Holzbauwerke im Kolonialstil. Die weiße St. George's Kathedrale gilt als der weltweit größte Kirchenbau aus Holz. Etliche Discotheken und Musikclubs haben zumindest am Wochenende bis weit nach Mitternacht geöffnet. In einigen ärmeren Stadtteilen sollte man nachts nicht zu Fuß gehen, raten nicht nur Taxifahrer.

Bernd Kubisch, gms - Fotos: dpa
Last edited: tea 03.12.2004 16:07