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Auf Hiddensee ist für Hektik kein Platz

Bitte Handy ausschalten

Hiddensee

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Kloster - Wenn während seiner Kirchenführung ein Handy klingelt, wartet Manfred Domrös nicht lange mit einer spitzen Bemerkung. "Wer auf Hiddensee sein Telefon anlässt, ist selber schuld", sagt der evangelische Inselpfarrer. Auch den Touristen möchte der Theologe das vermitteln, was die 1100 Bewohner des kleinen Eilandes bei Rügen täglich erleben: Für Hektik ist hier kein Platz.

Für jeden, der sich aus dem Alltagsstress ausklinken möchte, ist Hiddensee ein idealer Fluchtort. Eine Brücke nach Rügen gibt es nicht, die Fährschiffe nehmen keine Autos mit. Die Hauptstraße in Kloster, dem nördlichsten der drei Inseldörfer, ist und bleibt ungeteert. Unter den Baumkronen, die ein Dach über der Huckelpiste bilden, fahren allein Radfahrer und Pferdekutschen, die in gemächlichem Tempo an den reetgedeckten Häusern vorbeiziehen.

Rund 3000 Tagesbesucher in Spitzenzeiten

Robinson-Crusoe-Erlebnisse bietet Hiddensee aber nicht - zumindest nicht im Sommer. 4000 Gästebetten stehen auf der fast 17 Kilometer langen und maximal drei Kilometer breiten Insel zur Verfügung. Hinzu kommen in Spitzenzeiten rund 3000 Tagesbesucher. Obwohl damit sieben Mal mehr Touristen als Einwohner auf der Insel sind, wird es jedoch nicht rummelig.

Wer länger auf Hiddensee bleibt, zieht tagsüber zumeist an den Sandstrand im Westen und überlässt die anderen Attraktionen den Gästen, die nur ein paar Stunden Zeit haben. Die meisten von ihnen wollen vor allem nach Kloster. Der 72 Meter hohe Dornbusch-Hügel dort bietet einen prima Blick über die Insel und bis nach Stralsund.

Wo Gerhard Hauptmann den Sommer verbrachte

Zudem ist Kloster der Ort, der am stärksten mit Gerhard Hauptmann verknüpft ist: Der Literaturnobelpreisträger kam 1926 bis 1943 jeden Sommer auf die Insel. Sein "Haus Seedorn" ist heute ein Museum. Noch immer sieht hier alles so aus, wie es Hauptmann im Zweiten Weltkrieg verlassen hat: "Man soll sich vorstellen können, dass Hauptmann gleich noch einmal vorbeischauen könnte", sagt Museumsleiterin Sonja Kühne. Bestattet wurde Gerhard Hauptmann 1946 auf dem Inselfriedhof an der Kirche in Kloster.

INFO-KASTEN: Hiddensee

Kurverwaltung Hiddensee, Norderende 162, 18565 Vitte (Tel.: 038300/642 26, Fax: 038300/642 25)
E-Mail: Insel.Information@t-online.de
Internet: http://www.hiddensee.de.

Die Kirche ist das einzige, was von der großen Zisterzienserabtei übrig ist, die dem Ort Kloster einst ihren Namen gab und die nach der Reformation verfiel. Und auch sonst hat sich Hiddensee stark verändert: Der Wald, der die Insel einst überzog, wurde im Dreißigjährigen Krieg abgeholzt. Die Mitte und der Süden rund um die Orte Vitte und Neuendorf präsentieren sich heute vor allem als flaches Heide- und Weideland. Teilweise wieder aufgeforstet wurde im 19. Jahrhundert - aus Küstenschutzgründen - nur der Dornbusch, an dessen nach Norden gerichteter Steilküste kräftig die Ostsee nagt.

Wahrzeichen Hiddensses: 115 Jahre alter Leuchtturm

Der Dornbusch ist eine Hinterlassenschaft der letzten Eiszeit vor 12 000 Jahren, als die Gletscher hier Sand, Geröll, Ton und Mergel aus Skandinavien zusammenschoben. Das Ziel der Besucher, die den Hügel "erklimmen", ist meist der bald 115 Jahre alte Leuchtturm ganz im Norden, der als Wahrzeichen Hiddensees gilt.

Nach 16.00 Uhr verlassen die Tagesbesucher Hiddensee dann wieder - von Kloster aus braucht die Fähre zurück nach Schaprode 75 Minuten, von Vitte aus sind es 45, von Neuendorf aus 30 Minuten. Wem das zu lange dauert, kann sich auch ein Wassertaxi kommen lassen, das Rügen in 10 bis 20 Minuten erreicht. Wer keine Telefonkarte besitzt, müsste dazu aber wieder sein Handy einschalten. Und die Hektik des Alltags hätte einen dann doch schon auf der Insel ein wenig wieder gepackt.

Christian Röwekamp, dpa

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