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Gottesstaat Iran öffnet sich den Touristen

Urlaub bei den Mullahs

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Teheran - Iran gilt nicht als klassisches Reiseland. Die meisten Erholungssuchenden würden Urlaub bei den Mullahs wohl für einen schlechten Scherz halten.

Fanatisierte Gläubige, die demonstrierend durch die Straßen ziehen, und die Aussicht, hinter der nächsten Straßenecke wegen Fehlverhaltens ausgepeitscht zu werden, gehören zu den gängigen Vorurteilen gegenüber dem Land zwischen Kaspischem Meer und Persischem Golf.

Faszinierende Kulturdenkmäler
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Wer sich jedoch von dem negativen Image nicht abschrecken läßt, erlebt ein Land faszinierender Kulturdenkmäler, bunter Basare und gastfreundlicher Menschen. 20 Jahre, nachdem die islamische Revolution unter Ajatollah Khomeini die Welt erschreckte, öffnet sich Iran inzwischen wieder vorsichtig den Touristen.

Allerdings stellen strenge Kleidervorschriften für Frauen - in der Öffentlichkeit dürfen nur Hände und Gesicht unverdeckt bleiben - besonders in den heißen Sommermonaten eine harte Prüfung dar. Als Reisezeit sind deshalb Frühjahr oder Herbst zu empfehlen. Angriffe fanatischer Moslems auf Touristen - wie etwa in Ägypten - haben westliche Reisende in Iran hingegen nicht zu befürchten.

Die Hauptstadt Teheran, wo die internationalen Flüge eintreffen, ist interessant als Einblick in die iranische Gesellschaft mit ihren Widersprüchen zwischen Tradition und Moderne. Die islamischen Gesetze werden vor allem im wohlhabenden Norden der Stadt nicht so streng genommen.

Tradition und Moderne prallen aufeinander
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Die Luftverschmutzung in der Sieben-Millionen-Metropole macht einen längeren Aufenthalt aber kaum erträglich. Überwiegend betagte Autos, Busse und Lastwagen stehen qualmend im Dauerstau. Auch architektonisch hat die Stadt nicht viel zu bieten.

Ganz anders ist da Maidan-e Schah - einer der schönsten Plätze der Welt in der Oasenstadt Isfahan. Während des Sonnenaufgangs leuchten die sandfarbenen Arkaden des weitläufigen Platzes von dunkelviolett bis hellrot. Am Südende erhebt sich türkisblau die Imam-Moschee in den Morgenhimmel, während Händler aus dem angrenzenden Basar auf dem Platz Frühsport treiben. Mit Allah auf den Lippen geht es in die Kniebeuge.

Bezahlung abzulehnen, zählt zum guten Ton
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Oftmals verbindet sich die demonstrative Freundlichkeit Fremden gegenüber mit einem kleinen Geschäft. Wer dann zum Beispiel die angebotene Stadtführung annimmt und anschließend dafür bezahlen will, sollte die ablehnende Reaktion nicht für bare Münze nehmen. Es gehört in Iran sogar im Restaurant zum guten Ton, Bezahlung erst mal abzulehnen. Daß das nicht ernst gemeint ist, merkt der Ausländer spätestens, wenn er versucht, das Lokal zu verlassen.

Wer durchs Land zieht, braucht nicht viel Geld. Devisen können offiziell in Banken oder - gefährlicher und lukrativer - auf dem Schwarzmarkt getauscht werden. Man sollte eine große Plastiktüte mitbringen, denn schon für hundert Mark bekommt man dicke Bündel der Landeswährung Rial. Bei Übernachtungen in einfachen Hotels und Essen in den zahlreichen Kebabrestaurants ist ein Tagessatz von 20 Mark ausreichend. Wer Lust hat, kann auch stundenlang in einem Teehaus die Welt vorüberziehen lassen. Süßes iranisches Gebäck und Wasserpfeife gibt es gratis zum Tee, der umgerechnet 50 Pfennig pro Glas kostet.

Inzwischen werden wieder einige Pauschalarrangements und Gruppenreisen angeboten, die Touristen das Land näherbringen. Wer auf eigene Faust nach Iran will, muß vor allem Geduld und Ausdauer mitbringen, und die Reise langfristig planen. Das Abenteuer beginnt meist schon in den iranischen Konsulaten im Heimatland. Warum es mal zwei Wochen, mal vier Monate dauert, um ein Visum zu erhalten, weiß niemand.

Nachtleben auf mondsüchtige Hunde beschränkt
REISE-INFORMATIONEN

REISEZIEL: Die Islamische Republik Iran liegt in Vorderasien. Touristisch interessant sind die Städte Isfahan, Maschad, Schiraz und die Wüstenstadt Kerman, in deren Nähe die Geisterstadt Bam liegt.
ANREISE:
Von Frankfurt aus fliegen Lufthansa und Iran Air Teheran an. Iran Air bietet vor allem billige Inlandsflüge an, die frühzeitig gebucht werden müssen. Zur Einreise erforderlich ist ein noch mindestens drei Monate gültiger Reisepaß, der kein Visum Israels enthalten darf. Einzelreisende beantragen ihr Visum beim nächstgelegenen iranischen Konsulat. Außer dem Paß sind dafür zwei Paßfotos notwendig. Frauen sollten auf diesen Fotos ein Kopftuch tragen. Die Bearbeitungszeit kann mehrere Monate betragen.
SPRACHE: Persisch. Verständigung zum Teil auch auf Englisch.
ZEITUNTERSCHIED: Iran ist Deutschland zweieinhalb Stunden voraus.
REISEZEIT:
Beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst. Von Reisen im heißen Hochsommer ist wegen der Kleidervorschriften abzuraten. Frauen sollten weite Kleidung aus leichten Materialien tragen. Unbedeckt dürfen in der Öffentlichkeit nur Gesicht und Hände bleiben.
GELD:
Für eine Mark zahlen Banken etwa 1 800 Rial.
INFOS: Konsulat der Islamischen Republik Iran in Bonn. Mehr Verlaß ist auf Informationen spezieller Reiseveranstalter wie etwa Studiosus in München sowie auf Reisebücher wie zum Beispiel aus der Reihe Lonely Planet, die auf Deutsch und Englisch erschienen sind.

 

Wie ein historisches Symbol der Spannungen zwischen Iran und Afghanistan liegt die Stadt Bam am Rande der Wüste Dast-i Lut. Früher führte dort die alte Karawanenstraße gen Süden Richtung Pakistan vorbei. Heute lassen Schwerlastwagen die einst stolze Stadt in 1 000 Metern Höhe links liegen. Hinter einer hohen Stadtmauer ruhen verwinkelte Gassen, Häuser und Moscheen in völliger Stille.

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Bam: Stadt mit Tradition

Gegründet wurde Bam bereits im dritten nachchristlichen Jahrhundert während der Sasanidenherrschaft. Seit vor 150 Jahren ein afghanisches Heer einfiel, plündernd durch die Gassen zog und die 11 000 Einwohner vertrieb, ist Bam eine Geisterstadt. Die rundum geschlossene Stadtmauer, die wie alle Gebäude und das Kastell ganz aus Lehmziegeln errichtet ist, blieb in der heißen und trockenen Luft erhalten.

Wo sich früher die Menschen drängelten, auf dem noch erkennbaren Basar, in den Moscheen oder in der Koranschule, findet sich heute kaum eine Seele. Manchmal huschen kleine schwarze Gespenster durch die Gassen und verschwinden kichernd hinter der nächsten Straßenecke. Es sind iranische Schulmädchen, die auch auf Klassenfahrt den Tschador, das schwarze Gewand von Kopf bis Fuß, tragen müssen.

Unterkunft in der Moschee

Nur wenige Schritte von der Freitags-Moschee entfernt hockt Mohamed Karbasi, ein Mann in hohem Alter, und formt geduldig Lehmquader. Einige der Gebäude sind bereits repariert, andere haben die Jahrhunderte fast unversehrt überstanden. Kleine Bautrupps aus drei oder vier Arbeitern sind mit der Fleißarbeit beschäftigt, aus Wasser, Lehm und Stroh Ziegel zu formen und die gröbsten Schäden zu beseitigen. Das Material ist fast kostenlos, und die Löhne sind niedrig. Die Arbeiter sind die einzigen Bewohner Bams. Ihre Unterkunft befindet sich im Betraum der Moschee.

Die Stadt steht Besuchern gegen ein geringes Eintrittsgeld offen. Ohne einen Straßenplan verliert man sich allerdings schnell im Gewirr der Gassen. Ein Blick von der Zitadelle, die die Stadt überragt, hilft bei der Orientierung. Über vielen Häusern erheben sich Türme. Es sind sogenannte Windfänger, die kühle Luft in das Innere der Häuser leiten - eine uralte und sehr effektive Klimaanlage.

Zitrusidylle nahe der Taliban

Rund 40 Jahre vor der Eroberung des alten Bam durch die Afghanen irrte sich ein britischer Reisender: "Die Mauern Bams sind so stark, daß kein Heer der Welt sie zerstören könnte." Wie die jüdische Festung Masada über dem Toten Meer oder das römische Pompeji, ist Bam jedoch ein Symbol der Vergänglichkeit von Macht geworden. Und ein Ort der Stille.

Jan-Uwe Ronneburger, gms
Last edited: tea 03.12.2004 16:07