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Donegal setzt auf irische Ursprünglichkeit

Lektionen in Gälisch

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Wilde, einsame, grüne Landschaft - das ständige Aprilwetter sorgt in Donegal immer wieder für imposante Fotomotive.

Glencolumbkille - "Weiter geht es heute nicht", sagt Liam O'Cuinneagain, als er vor der dicken irischen Nebelwand stehen bleibt. Neben Liam fallen feuchte, felsige Klippen rund 300 Meter in den Atlantik hinab. Der Weg durch den Nebel führt noch weiter hinauf zur Spitze von Slieve League bei Glencolumbkille im nördlichsten irischen County, Donegal, rund 650 Meter über dem Meeresspiegel. Slieve League sind die höchsten Meeresklippen Europas - sagt Liam.

"Der Nebel kommt und geht hier sehr schnell. Viele Touristen verirren sich und müssen dann von uns zurück geholt werden", weiß Liam zu berichten. Erst vergangene Woche seien drei Briten vom Weg abgekommen. "Ich fühlte mich versucht, sie dort oben zu lassen", sagt der Ire, um die Besucher dann aber durch ein Lachen zu entwarnen - ein Scherz, wenn auch einer mit ernstem politischen Hintergrund.

Wo nur noch Gälisch gesprochen wird

Die keltisch-irischen Wurzeln reichen tief in Glencolumbkille: Das Tal liegt in einer "Gaeltacht region", einem Landstrich also, wo die Menschen sich noch tagtäglich auf Gälisch unterhalten - zu Hause, auf der Straße und im Supermarkt. Selbst die Straßenschilder sprechen hier zwei Sprachen, und nicht selten ist die englische Schrift überpinselt. Gälisch, das war die Sprache der irischen Mehrheit im Land, bis es im frühen 20. Jahrhundert durch das Englische verdrängt wurde.

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Ein Klischee und doch die Wirklichkeit: Mit Schafen auf der Straße müssen Autofahrer in der Grafschaft Donegal zu jeder Zeit rechnen.

Eine Frage der nationalen Ehre

Heute ist es wieder eine Frage des nationalen Stolzes, Irisch, also Gälisch, zu sprechen. Der Staat fördert die alte Sprache, wo er kann: Wer beispielsweise das Abitur auf Gälisch ablegt, wird mit Extrapunkten belohnt, und um die Sprache dort am Leben zu erhalten, wo die Menschen sie noch täglich sprechen, werden die "Gaeltacht regions" sogar finanziell unterstützt.

Wie sonst nirgendwo in Irland leben die Menschen in dem kleinen Tal Glencolumbkille - gälisch: Gleann Cholm Cille - von ihren Sprachkenntnissen: Hier leitet Liam O'Cuinneagain seit 1991 Oideas Gael, eine Organisation, die die irische Sprache und Kultur fördert und im Tal das "College" betreibt. Die Schule, die sowohl Iren als auch Ausländer - und sogar Briten - in Irisch unterrichtet, vermittelt Grundkenntnisse schon innerhalb von zwei Wochen. "Das ist gar nicht so schwer, wir haben nur elf unregelmäßige Verben", sagt O'Cuinneagain, der vor zehn Jahren aus Dublin in seine alte Heimat zurückkehrte und sein Haus verpfändete, um die Schule zu finanzieren.

Präsidentin Mary McAleese drückt auch die Schulbank
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Mildes Klima: Der nahe Golfstrom sorgt in Donegal - wie in den Glenveagh Castle Gardens im Glenveagh Nationalpark - für Blütenpracht an vielen Orten.

Heute gehört auch die Präsidentin der Irischen Republik, Mary McAleese, zu seinen Schülern. Sie kehrt jeden Sommer wieder "und spricht schon fließend". Selbst aus Japan kommen die Gäste inzwischen nach Glencolumbkille - obwohl die kleine Gemeinde schon vor Jahrzehnten im Sterben lag: im Norden und Westen der Atlantik, im Osten die Grenze zu Nordirland. Donegal war vom Rest der Republik fast abgeschnitten - ein Zonenrandgebiet - und wurde von der Regierung in Dublin vernachlässigt. Kaum ein junger Mann, der das Tal nicht verließ, um in England oder Amerika ein besseres Leben zu suchen.

Erst der umstrittene Pfarrer James McDyer, der in Glencolumbkille einen fast lateinamerikanischen, sozialistischen Katholizismus praktizierte und in ganz Irland bekannt wurde, sprach bei den Behörden in Dublin für die Interessen des kleinen Tals, das bis in die fünfziger Jahre weder elektrischen Strom noch fließendes Wasser kannte. Noch heute wird er im Ort wie ein Heiliger verehrt.

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