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Verwirrende Reisen nach Jerusalem

Ein Ziel unerfüllter Sehnsüchte

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Wahrzeichen Jerusalems und Heiligtum der Muslime - mit seiner vergoldeten Kuppel und der Fassade aus Marmor und bemalten Kacheln ist der Felsendom eines der prunkvollsten Gebäude der Welt.

Jerusalem - Dort, wo einst die engen Gassen erfüllt waren vom Murmeln der Gläubigen, vom Klicken der Kameras und vom Feilschen der Händler, herrscht inzwischen bedrückende Stille.

Die Souvenirhändler in der Altstadt von Jerusalem haben die Geschäfte verbarrikadiert, die Cafés und Falafel-Imbisse sind geschlossen - aus Angst vor Anschlägen kommen schon lange keine Touristen mehr. Auf der Via Dolorosa, wo Pilger mit vor Anstrengung verzerrten Gesichtern große Holzkreuze schleppten, patroullieren nur noch Soldaten. Die Kreuze hat der arabische Verleiher in der Hoffnung auf bessere Zeiten eingelagert.

Heilige Stätte der Christen, Muslime und Juden

Jerusalem ist für Gläubige verschiedener Religionen das Ziel ihrer Träume, doch diese erscheinen derzeit unerfüllbar. Allerdings waren selbst die besseren Zeiten in Jerusalem manchmal nur schwer zu ertragen: Über der heiligen Stätte der Christen, Muslime und Juden liegt ständig eine Atmosphäre religiöser und politischer Anspannung. Vor allem die Altstadt stürzte Besucher früher in ein Wechselbad der Gefühle: Religiöse Eiferer und aufdringliche Händler, still ins Gebet versunkene Gläubige und in der Mittagssonne vor sich hin dösende Obstverkäuferinnen - an jeder Häuserecke änderte sich die Stimmung.

Wie an kaum einem anderen Ort in Israel war in der Altstadt auch schon lange vor dem Ausbruch der so genannten zweiten Intifada im Herbst 2000 zu spüren, dass keine der aufeinander prallenden Welten im Nahen Osten heil ist. Auch in friedlicheren Zeiten wachten auf den Dächern überall schwer bewaffnete Soldaten über die brüchige Ruhe.

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Wichtigster Ort für alle christlichen Pilger: In der Grabeskirche soll der Überlieferung nach Jesus Christus seine letzte Ruhe gefunden haben.

Vom Jaffa-Tor zur e Grabeskirche

Solange sie nicht von den üblichen Besichtigungspfaden abwichen, wurden Touristen von der politischen Situation damals kaum berührt. Die traditionelle Besichtigungsroute begann am Jaffa-Tor im Westen der Altstadt. Aus klimatisierten Bussen kletterte man direkt hinaus in den Orient. Wichtigstes Ziel für christliche Pilger war und ist die Grabeskirche, in der Jesus Christus beerdigt worden sein soll. Auch wenn das von Historikern bezweifelt wird, strömten die Massen durch das dunkle und verwinkelte Gotteshaus, das von Weihrauchduft und fremdartig klingenden Gesängen orthodoxer Mönche erfüllt wird.

In Jerusalem ist Religion auch Geschäft

Mönche regeln den Zugang zum Grab Christi: Nur zwei Leute passen gleichzeitig in den Raum, in den man fast auf Knien hineinrutschen muss. Nur ein paar Minuten haben Gläubige und Neugierige, dann werden sie regelrecht hinaus gescheucht. "Next one", fordert der wachhabende Mönch unerbittlich. Die entrückten, oft Tränen überströmten Gesichter von Gläubigen, die oft ihr ganzes Leben davon geträumt hatten, die Grabplatte zu berühren und Rosenkränze zur Segnung darauf gleiten zu lassen, können ihn nicht beeindrucken - Religion ist auch ein Geschäft, gerade in Jerusalem.

Gläubige Juden beten streng getrennt nach Frauen und Männern

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Nur nach Sicherheitskontrollen zugänglich: An der Klagemauer beten Männer und Frauen streng getrennt.

"Open your bag" - "Öffnen sie ihre Tasche" - fordert die Soldatin am Wachposten vor der Klagemauer. In langen Reihen warten Gläubige auf den Sicherheits-Check, ohne den niemand an die heiligste Stätte des Judentums vorgelassen wird. Unterhalb des Tempelbergs, heiliger Bezirk für die Muslime, beten gläubige Juden streng getrennt nach Frauen und Männern, die meist unablässig mit dem Oberkörper in Richtung Mauer nicken. Viele stecken Zettel mit Bitten und Danksagungen in die Ritzen zwischen den großen Sandsteinquadern.

Rund 15 Meter weiter oben wird ebenfalls gebetet: Auf dem Tempelberg ruft der Muezzin zum Gebet in der El-Aqsa-Moschee und dem prunkvollen Felsendom, der mit seiner goldenen Kuppel wie kein anderes Gebäude die Silhouette Jerusalems prägt. An den Freitagen pilgern Zehntausende von Muslimen hierher. Für Besucher ist der Tempelberg dann gesperrt. Aber auch an anderen Wochentagen wird häufig der Einlass verwehrt - die Öffnungszeiten unterliegen einem für Außenstehende undurchschaubaren System. Mancher Besucher hat es erst nach mehreren Anläufen auf den heiligen Berg geschafft.

Düstere und schmale Durchgänge

Vom Tempelberg aus fällt der Blick im Osten hinüber auf den Ölberg und die ärmlichen arabischen Teile Jerusalems, die bis zum Sechs-Tage-Krieg von 1967 zu Jordanien gehörten. Im Westen zeichnen sich in der Ferne die gesichtslosen Neubauviertel der Neustadt ab, die Jerusalem von Jahr zu Jahr dichter umschließen. Direkt gegenüber ragen aus dem Häusermeer der Altstadt die restaurierten Gebäude des jüdischen Viertels heraus. Fast klinisch rein wirkt die Atmosphäre in den breiten Gassen und auf den großzügigen Plätzen zwischen den hellen Sandsteinhäusern - eine Art keimfreie Oase.

Doch die Altstadt ist weder Museum noch Disneyland, auch wenn manche herausgeputzten Ecken so wirken. Zwischen Heiligtümern, den verwaisten Souvenirständen und Imbissbuden leben Menschen - besonders in eng bebauten Gegenden wie dem muslimischen Viertel oft unter harten Bedingungen. Düster und schmal sind viele der Durchgänge, die etwa am unteren Ende von der Via Dolorosa abzweigen. Die Luft riecht modrig, Abfall landet auf der Straße, kleine Kinder betteln um ein bisschen Geld. Keine Spur mehr von biblischer Romantik, stattdessen treffen den Besucher abwehrende Blicke: Hinter jeder Ecke wartet eine neue Welt, aber nicht immer sind Fremde dort erwünscht - wenn sie denn eines Tages wieder kommen sollten.

Sandra Hoffmann, dpa

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