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Mount Shasta:

Kaliforniens höchster Vulkan fasziniert die Bergsteiger

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Mount Shasta

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Mount Shasta City - Schon aus 150 Kilometer Entfernung, noch während der Fahrt durch das Central Valley, ist der Mount Shasta am Horizont zu sehen.

Mit 4317 Metern ist er der zweithöchste Vulkan in den USA, 75 Meter niedriger als der Gipfel von Mount Rainier im US-Bundesstaat Washington, aber dafür massiger und sagenumwobener. Um den schlafenden Vulkan im Norden Kaliforniens ranken sich Geschichten von mysteriösen Urbewohnern, verschluckten Siedlungen, riesigen Energiefeldern und UFO-Landeplätzen.

Doch natürlich zieht das mächtige Massiv nicht nur Mystiker in seinen Bann. Seit der Erstbesteigung im Jahr 1854 lockt der Berg Gipfelstürmer aus aller Welt. In Kalifornien trägt er den Beinamen "Mount Everest von Silicon Valley". Nur fünf Autostunden brauchen die Bewohner des für seine Computerindustrie berühmten Tales, um den Berg zu erreichen. Rund 12 000 Bergsteiger machen sich alljährlich auf den Weg. Nur die Hälfte von ihnen schafft den mühsamen Aufstieg zum Gipfel. "Das ist kein Spaziergang", warnt Matt Hill, der seit 11 Jahren als Ranger auf dem Vulkan patroulliert.

Gefahren: Steinschlag, Gletscherspalten, Lawinen, Wetterumschwünge

An der Rangerstation in der Ortschaft Mount Shasta City kann sich jeder für 15 Dollar (etwa 16 Euro) eine Klettererlaubnis besorgen. An langen Wochenenden im Sommer wurden schon bis zu 800 Bergsteiger gezählt. Eine Zugangsbeschränkung gibt es nicht. Ebenso fehlt ein deutlicher Pfad, der den Weg zum Gipfel weist. Matt Hill warnt vor den Gefahren: Steinschlag, Gletscherspalten, Lawinen und Wetterumschwünge.

Im Schnitt sterben jährlich zwei Menschen beim Versuch, den Berg zu erklimmen. Außerdem gehen zahlreiche Notrufe bei den Rettungsteams ein. Immer wieder würden sich Touristen in Turnschuhen auf den Weg machen, klagt Ranger Hill. Als Mindestausstattung empfehlen die Berufskletterer Bergschuhe, Eispickel, Steigeisen und Sturmbekleidung. In dem Alpin-Geschäft "The Fifth Season", einem bekannten Treffpunkt für Bergsteiger in Mount Shasta City, gibt es neben den notwendigen Ausrüstungsgegenständen auch Insider-Tipps für die besten Routen, die gefährlichsten Gletscherspalten und die schönsten Zeltplätze.

Wanderung durch Ponderosa-Kiefer- und Tannenwälder

Der Hauptansturm auf den Kegelvulkan mit den sieben Gletschern wird zwischen Mai und September verzeichnet. Die beliebteste und einfachste Route auf der Südseite des Berges beginnt am Bunny Flat Parkplatz auf 2103 Meter Höhe. Von hier aus wandert der Besucher durch Ponderosa-Kiefer- und Tannenwälder an Gletschermoränen vorbei zum Horse Camp auf 2401 Meter Höhe. Dort steht die Schutzhütte des Sierra Clubs, wo die meisten Gipfelstürmer ihre Zelte für eine kurze Nacht aufschlagen. Die Ranger empfehlen, zwischen 2.00 und 4.00 Uhr morgens aufzubrechen. Immerhin ist der Gipfel noch knapp 2000 Höhenmeter und - je nach Fitness - bis zu zwölf Aufstiegsstunden entfernt.

Zunächst führt der Weg in den Avalanche Gulch, eine riesige Bergschlucht. Mit dem Eispickel klettert man die immer steiler werdende Rinne zu den Red Banks, einem Band von roten Bruchfelsen, hoch. Ein 40 Grad steiler Abschnitt führt zum Fuß des Misery Hill (zu deutsch: "Hügel der Qualen") - einem mit Schnee und tiefschwarzen Vulkangestein bedeckter Steilhang. Die dünne Luft, zumeist starker Wind und die Enttäuschung, dass am Ende der Strecke der eigentliche Gipfel noch 75 Meter höher liegt, lassen den Namen gerechtfertigt erscheinen.

Faulig riechende Wolken umwehen die Gipfelstürmer

Eine dampfende Schwefelquelle am alten Kraterrand macht das Luftholen kurz vor dem Gipfel dann zum besonderen Erlebnis. Faulig riechende Wolken umwehen die Gipfelstürmer. Dem Alpinisten John Muir retteten sie 1875 angeblich das Leben. Ein Schneesturm hielt den Bergsteiger am Gipfel über Nacht gefangen. Die warmen Gase sollen ihn vor dem Erfrieren bewahrt haben.

INFO-KASTEN: Mount Shasta

Mount Shasta Chamber of Commerce, 300 Pine Street, Mount Shasta, CA 96067, USA (Tel. von Deutschland aus: 001/800/397 15 19)
Internet: http://www.mtshastachamber.com

Der Blick vom 4317 Meter hohen Gipfel entschädigt für den strapaziösen Aufstieg. Er reicht im Norden weit in den Nachbarstaat Oregon hinein. Im Süden schaut man auf den Lassen-Vulkan hinunter, im Westen auf die "kleine Schwester" Shastina, den immer noch 3758 Meter hohen Nebengipfel des Mount Shasta. Kein anderes Bergmassiv verstellt den 360-Grad-Rundumblick auf die tief unten liegende kalifornische Ebene. Nur Wolken verdecken häufig die Aussicht und drängen zum schnellen Abstieg. Innerhalb weniger Minuten können Schneestürme aufziehen, auch wenn um den Berg herum die Sonne scheint.

Wer seine Ski-Ausrüstung auf den Gipfel hinaufgeschleppt hat, wird mit einer mehr als 2000 Meter langen Abfahrt belohnt. Gletschererprobte Bergsteiger finden auf der Nordseite des Vulkans zahlreiche Herausforderungen. Der Ausrüster Mountain Adventure Seminar im kalifornischen Bear Valley etwa bietet viertägige Kurse mit Gipfelersteigung an, bei denen man den Umgang mit Eispickel, Seilmannschaften und Rettung aus Gletscherspalten lernt.

"Er gibt mir viel positive Energie"

Auf den tiefer liegenden Lavafeldern von Mount Shasta trifft man häufig auf New-Age-Anhänger, vor allem während der Sonnenwendfeiern, wenn die Esotheriker ihre spirituellen Zeremonien abhalten. Selbst der durchtrainierte Ranger Matt Hill zeigt sich von der mystischen Kraft des Vulkans überzeugt. "Er gibt mir viel positive Energie", sagt der 34-jährige Berufskletterer.

Möglicherweise war es ja auch diese magische Kraft, die den Amerikaner Robert Webb im Sommer 1998 dazu brachte, den Gipfel innerhalb von 24 Stunden gleich sechs Mal hintereinander zu erklimmen. Bei seinem Weltrekord kletterte er vom Basiscamp aus insgesamt 11 500 Meter hoch - verschnaufen konnte er nur, wenn es auf Skiern wieder bergab ging.

Barbara Munker, dpa

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