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Türkei: Kappadokiens Höhlen und Täler

Auch im Winter eine Reise wert

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Kappadokien

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Kappadokien ist im Sommer ein Traum und manchmal völlig überlaufen zugleich. Touristenbusse quälen sich über kleine, kurvige Straßen. Tausende Urlauber laufen in der brütenden Hitze Zentralanatoliens durch das eindrucksvolle Open-Air-Museum von Göreme.

Im Winter ist die etwa 300 Kilometer östlich der türkischen Hauptstadt Ankara gelegene Region dagegen eine andere Welt. Der Massentourismus legt eine Pause ein, und die mit "Puderzucker" bedeckten Berge und Täler laden zu romantischen Spaziergängen ein.

Zu erkunden gibt es viel: In den Steinformationen sind Kammern mit Aushöhlungen für Vorräte, Wasserbecken sowie mehrstöckige Wohnungen mit Feuerstellen versteckt. Gleich neben den ehemaligen Behausungen stoßen Besucher immer wieder auf Felsen-Kapellen und Kirchen, die zum Teil aus dem 4. Jahrhundert nach Christus stammen. Die Kirchen haben oft noch einen Altar, ein Taufbecken und Bänke - alles aus weichen Tuffstein gehauen. An den Wänden sind Malereien zu bestaunen. Um die Kammern, Häuser und Kirchen zu finden, braucht es keine stundenlangen Expeditionen und auch nicht unbedingt einen Führer. Schon bei kurzen Spaziergängen können Wanderer diese Verstecke selbst entdecken.

Hotelzimmer in Kamin, Kegel, Pyramide und Spitze

Für die Mondlandschaft Kappadokiens sind mehrere Vulkanausbrüche unter anderem der Berge Erciyes und Hasan verantwortlich. Vor mehreren Millionen Jahren überzogen die Vulkane die Gegend mit einem weichen, mineralreichen Tuffstein. Wind und Wasser haben dann bizarre Formen hervorgebracht: bis zu 30 Meter hohe Kamine, Kegel, Pyramiden und Spitzen. In einigen Tälern stehen Hunderte dieser Kegel, die auch Feenkamine genannt werden. Das vulkanische Material lässt die Landschaft in Rot, Gelb, Ocker, Grau-Grün und Weiß schimmern.

Über mehrere Jahrhunderte hinweg haben die Menschen die im Sommer kühlen und im Winter warmen Höhlen als Wohnstätte genutzt. Noch heute verwenden viele Familien die ausgehöhlten Kegel als Stallungen und Vorratskammern. Auch für Touristen wurden in den vergangenen Jahren immer mehr Höhlen aus- oder nachgebaut und in Hotelanlagen und Pensionen integriert. In den im Winter beheizbaren Höhlenzimmern, die mit handgeknüpften oder gewebten Teppichen, bunten Kamelsitzen und offenem Kamin ausgestattet sind, kommt fast so etwas wie Hüttenromantik auf. "Das war mein Elternhaus, und ich würde gerne in einer Höhlenwohnung leben", sagt der Besitzer einer Pension. "Aber meine Frau will nicht, sie bevorzugt eine moderne Wohnung."

Vor Jahrhunderten wurden ganze Städte unterirdisch angelegt

Vor Hunderten von Jahren wurden in der Region allerdings nicht nur einfache Höhlen bewohnt, sondern ganze Städte unterirdisch angelegt: Kaymakli und Derinkuyu gehören zu den bekanntesten dieser Siedlungen. Mit Beginn der Arabereinfälle im 7. Jahrhundert wurde Kappadokien Zufluchtstätte für viele Christen. In diesen Siedlungen sollen einst Tausende Menschen gelebt haben.

In dem Labyrinth aus kleinen Räumen und Gängen sehen Urlauber Dutzende Meter hohe Luftschächte, vom Ruß geschwärzte Gemeinschaftsküchen und "Mühlsteintüren", um sich vor ungebeteten Besuchern zu schützen. Bei Gefahr konnten die Bewohner monatelang unter der Erde ausharren. Die Räume sind durch Fenster, Türen und Gänge verbunden. Es wird vermutet, dass Kaymakli und Derinkuyu durch einen mehrere Kilometer langen Tunnel verknüpft gewesen sind.

Im Frühling und Sommer voll auf Tourismus eingestellt

Die jahrtausendealte Landschaft und die jahrhundertealten Höhlen und Städte sind weitgehend unverändert geblieben. Ansonsten hat sich Kappadokien aber in den vergangenen Jahrzehnten rasant entwickelt. Ende der sechziger Jahre gab es nur ein paar Pensionen, und nur wenige Individualtouristen verirrten sich in das inneranatolische Hochland. Inzwischen ist die Region - vor allem im Frühling und Sommer - voll auf den Tourismus eingestellt. Viele Hotels, Pensionen und Herbergen bieten Unterkünfte, Restaurants, Cafés, Souvenir- und Teppichläden warten jeden Tag auf Kundschaft aus dem In- und Ausland.

Der Tourismus ist heute die wichtigste Einnahmequelle in Kappadokien. Außerdem spielt die Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Auf dem fruchtbaren Vulkanboden, der zum Teil künstlich bewässert wird, wachsen Obst und Gemüse. Der um Göreme herum angebaute Wein ist in der Türkei und im Ausland bekannt. Im Herbst und Winter bieten manche Kneipen eine ganz besondere Spezialität an: eine Art Heurigen. Wenn es draußen klirrend kalt ist und in den Höhlenkneipen das Feuer im Kamin lodert, schmeckt dieser trübe Wein ganz besonders gut.

Claudia Steiner, dpa

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